Bildleiste

Camcorder im Überblick

Die Traummaße von Camcordern sind klein, praktisch und handlich. Heutige Modelle haben nichts gemein mit den früheren Schwergewichten, die von den Anwendern nicht nur filmerisches Wissen, sondern auch Muskelkraft verlangten. Heute finden sich im Handel in erster Linie digitale Modelle, für Einsteiger liegen diese bei rund € 350,--, für Minicamcorder mit Topausstattung muß mit € 900,-- bis € 1.500,-- gerechnet werden. Derzeit sind auf dem Markt eine ganze Reihe an Camcorder-Digitalformaten anzutreffen. Das älteste heißt Mini-DV und bezeichnet jene kompakte Digitalkassette, die Platz für 60 Minuten in Standardqualität bietet. Der Pluspunkt der Mini-DV-Aufzeichnung ist in der Aufzeichnung der Bildinformationen mit sehr großen Datenraten zu sehen, was eine hohe Bildqualität garantiert. Wer sich für einen DV-Camcorder entscheidet, macht keinen Fehler, auch wenn das aus der Mode geratene Magnetband als Speichermedium dient.

Neuere Aufzeichnungsmedien bieten mehr Komfort als beim DV-Camcorder. Hier ist beispielsweise die acht Zentimeter große Variante der bespielbaren DVD mit 30 Minuten Spielzeit zu nennen. Sobald die Filmsequenz im Kasten ist, wird sie mit einem kleinen Indexbildchen am Monitorschirm angezeigt. Es genügt ein Tastendruck, um die Szene zur Wiedergabe abzurufen, ein umständliches Rückspulen entfällt. Speichermedien vom Typ DVD-R - einmal bespielbar - garantieren den perfekten Medienaustausch, denn sie können mit jedem DVD-Player abgespielt werden. Obwohl DVD-Camcorder im Vergleich zu DV-Camcordern, die bewegten Bilder nur mit einem Bruchteil der Datenrate aufnehmen, ist das Qualitätsniveau hoch. Der Grund hierfür liegt in der Datenkomprimierung. MPEG-2 oder höher, der Kompressionsstandard der DVD kodiert Gruppen von Einzelbildern. Das erste und letzte Bild der Gruppe wird komplett gespeichert, während von den Bildern dazwischen nur jene Details gesichert werden, die sich durch Bewegung von Einzelbild zu Einzelbild unterscheiden. Auf dem Fernsehschirm ist dieser Daten-Spartrick nicht erkennbar. Anders verhält es sich, wenn es an die Videonachbereitung geht. Die Schnittsoftware muß die fehlenden MPEG-Bildinformationen errechnen und nach getaner Arbeit wieder selektiv verschwinden lassen. Dies bedingt besonders dann Qualitätsverluste, wenn der Hobbyfilmer das Ausgangsmaterial in mehreren aufeinander folgenden Schritten und mit komplizierten Szenenübergängen bearbeitet.

Festplatten-Camcorder, sie sind immer öfter im Handel anzutreffen, arbeiten ebenso wie DVD-Camcorder in MPEG-2 oder höher, auf Wunsch mit Datenraten, die das Niveau durchschnittlicher DVD-Aufnahmen noch übertreffen. Anders als DVD-Camcorder sind die Festplatten-Camcorder sehr schnell startklar und noch handlicher - zum Einsatz kommt beispielsweise eine gerade einmal 42 Millimeter breite und fünf Millimeter dünne Wechselspeicherfestplatte vom Typ Microdrive. Auf ein vier Gigabyte fassendes Exemplar passen in der sehr feinen Auflösungsstufe 60 Minuten Video in einer Schärfe, die es mit DVD-Eigenproduktionen aufnehmen kann. Neuste Festplatten-Camcorder mit 20 oder 30 Gigabyte garantieren bis zu sieben Stunden lange Aufnahmen in der höchsten Qualität.

Einige Hersteller setzen bei ihren Camcordern auf Speicherchips und verzichten ganz auf mechanische Medien. Obwohl in MPEG-2 oder höher aufgezeichnet wird, sind mitunter leichte Qualitätsunterschiede zu den bereits aufgeführten Camcordern erkennbar. Der Grund hierfür ist nicht nur allein auf die Datenraten und Kompressionsverfahren zurückzuführen, sondern möglicherweise auch auf die Qualität der optischen Baugruppen, der Sensor-Chips und der audiovisuellen Signalverarbeitung.

Unabhängig davon, für welchen Typ von Camcorder man sich entscheidet, bestimmt auch das optische System die Bildqualität. Ein gutes Objektiv zeichnet sich durch eine hohe Lichtdurchlässigkeit aus. Zu erkennen ist dies am großen Objektivdurchmesser und am Wert der Lichtstärke (je kleiner die entsprechende, zumeist am Rand der Frontlinse eingravierte Zahl mit einer Eins oder einer Zwei vor dem Komma ist, desto besser). Wichtig ist auch, daß das Objektiv nicht verzeichnet. Gerade im Weitwinkelbereich neigen weniger präzise gerechnete Objektive dazu, daß sich das Motiv „verbiegt“. Testen läßt sich die Güte eines Objektives ganz leicht: Einfach in der Aufnahmebereitschaft einen Türrahmen anvisieren, so daß sich die vertikalen und horizontalen Kanten möglichst weit am Bildrand befinden. Camcorder sind in der Regel mit 45 mm Optik, bezogen auf das Kleinbildformat, ausgestattet. Wer in geschlossenen Räumen bevorzugt filmt, benötigt meist breitere Aufnahmewinkel, hier hilft eine spezielle Weitwinkelvorsatzlinse weiter. Auch auf die Sensoren ist beim Kauf eines Camcorders zu achten. Hier setzen die Camcorderhersteller in den gehobenen Preisklassen immer häufiger auf das Prinzip: Drei Augen sehen mehr als ein Auge. Dementsprechend sind oftmals drei Aufnahmechips, als „3CCD“ gekennzeichnet, in Camcordern anzutreffen. Diese auf die drei Grundfarben spezialisierten Chips sorgen in erster Linie für farbgetreue Aufnahmen und für eine Verringerung des Rauschens. Von einigen Ingenieuren wird die Drei-Chip-Technologie auch zur Pixelvermehrung genutzt, indem der Dreichipler einfach mit einem Grün-Sensor arbeitet, der um eine halbe Pixelbreite gegenüber seinen auf Rot und Blau spezialisierten Sensorgeschwistern verschoben wurde. Dies ergibt eine Basis für die Interpolation zusätzlicher Bildpunkte.

Camcorder werden gelegentlich auch als Photoapparat genutzt. Ersetzen können sie die Kamera jedoch nicht. In erster Linie sind Schnappschüsse mit Camcordern möglich. Anspruchsvollere Motive, für die man beispielsweise einen weiteren Aufnahmewinkel, eine geringe Verzögerungszeit, eine hohe Lichtempfindlichkeit, einen schnellen Autofokus oder einen Makromodus benötigt, sind mit Camcordern nur bedingt realisierbar.
 

Video 12 / 2005

Bewerten 72

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Dabei sein ist alles

Blende ,"Dabei sein ist alles"
Julian Kisslinger, 18 Jahre