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Drehen für den Schnitt

„In der Kürze liegt die Würze“, das wußte schon Shakespeare. Wie man allerdings bei einem Film mehrere Stunden Realtime kürzen kann, ohne, daß seltsame Lücken oder Sprünge sichtbar sind, darauf hatte Shakespeare keine Antwort - wir hingegen schon.

Um beim Schnitt mehrerer Stunden Realtime ein optimales Ergebnis, das heißt Übergänge, die zueinander passen, zu erhalten, genügt es nicht, die Kamera einfach nur „draufzuhalten“ und dann das Filmmaterial wahllos aneinander zu reihen. Ein Plan - im Fachjargon als „Storyboard“ bezeichnet - ist ein Garant dafür, dem Film die nötige Struktur zu verleihen. Zunächst sollte grob die Filmlänge festgelegt werden. Ein Drei-Minuten-Film kann den Zuschauer durchaus mehr fesseln, als 30 Minuten. Hier sollte man sich an das Motto halten: weniger ist manchmal mehr. Ein Drei-Minuten-Film ohne Inhalt reißt keinen vom Hocker. Aus diesem Grund entscheidet der Inhalt zwangsläufig darüber, ob der Film zu begeistern versteht. Mit einem fesselnden Filmanfang hat man den Betrachter schon auf seiner Seite. Es ist also ratsam, die entscheidenden Momente des Ereignisses, sei es nun das Fußballspiel des Jüngsten, die Hochzeit des besten Freundes oder „einfach“ eine Geburtstagsfeier, festzulegen. Das wäre beim Fußball zum Beispiel der Anpfiff, bei der Hochzeit das Ja-Wort oder das Anschneiden der Hochzeitstorte, und beim Geburtstag vielleicht das Ausblasen der Kerzen auf dem Geburtstagskuchen. Besonders bei längeren Abläufen, wie beispielsweise auf dem Standesamt, ist es wichtig, daß prägnante Momente aufgenommen werden und zwar möglichst aus unterschiedlichen Positionen heraus. Besteht die Gelegenheit, so ist es sinnvoll, bereits vor dem Dreh den Ort des Geschehens zu besuchen, so daß eventuell schon gute Aufnahmestandpunkte gesucht oder erprobt werden und Einstellungen besser geplant werden können.

Nachdem Filmlänge, Aufnahmeort und Inhalt feststehen, kommt die nächste Herausforderung: welche Filmeinstellungen werden gewählt, damit der Film nicht langweilig wird. Man kennt ja Nachbars Urlaubsvideos mit minutenlangen Einstellungen vom Wasserfall oder vom grasenden Reh auf der Wiese… Schon ab 10 Sekunden oder mehr wirken Einstellungen langweilig. Löst man stattdessen die Situation auf und fängt die sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Bildausschnitten ein, so ist das schon die halbe Miete für den Erfolg. Dabei sollte man darauf achten, nicht zwischen zu ähnlichen Einstellungen zu wechseln. Beim Filmen desselben Motivs aus verschiedenen Perspektiven muß außerdem die „continuity“ beachtet werden. Das bedeutet, daß alle Details, wie zum Beispiel Kleidung, Ausstattung (beispielsweise ein Glas oder eine Zigarette) oder die Anzeige der Uhrzeit, von einer Einstellung zur nächsten zueinander passen. Aus diesem Grund sollte man beim Schnitt darauf achten, daß etwa ein Bild, auf dem das Brautpaar mit einem halbvollen Glas den Gästen zuprostet, und eines, auf dem die Brautleute aus einem vollen Glas trinken, nicht aufeinander folgen.

Ganz wichtig bei der verkürzten Darstellung von Bewegung sind die sogenannten Anschlüsse: Fährt das Hochzeitsauto nach links aus dem Bild, sollte es rechts wieder ins Bild hineinfahren - sonst scheint es, als führe es zurück. Man sollte auch darauf achten, daß die Aufnahmen neutral anfangen und enden. Das heißt bei unserem Hochzeitspaar mit dem Dreh bereits zu beginnen, bevor es ins Bild läuft, und die Aufnahme erst dann zu beenden, wenn das Paar das Bild wieder verlassen hat. So hat man die größten Möglichkeiten, die am besten geeignete Stelle für den Schnitt zu wählen. Da es nicht immer möglich sein wird, alle Abläufe so zu filmen, daß jeder Anschluß stimmt, sind sogenannte Schnittbilder sinnvoll, um Szenen abzukürzen: Sie zeigen etwas, das in der Zwischenzeit passiert und kaschieren so auch „continuity“-Fehler. Auch wenn mehrmals hintereinander in dieselbe Perspektive geschnitten werden muß, sind Schnittbilder die perfekte Lösung.
 

Video 10 / 2005

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Burkard Röllich

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