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Michael von Graffenried – Outing

Zur Visual Gallery at photokina 2010 (21.-26.09.2010) zeigt der frisch gekürte Dr.-Erich-Salomon-Preisträger Michael von Graffenried die Ausstellung „Outing“, in der neun Themenkreise seines umfassendes Werks aufgegriffen werden: Angefangen bei frühen Arbeiten aus den Jahren 1979-1985, stellt Graffenried Arbeiten aus Algerien (1991-2002), dem Sudan (1995), Kairo (2007) und dem Londoner Stadtteil Whitechapel aus, wo mehrheitlich Muslime aus Bangladesh. Außerdem können die Besucher der Visual Gallery die Arbeiten „Nackt im Paradies“ (1988-1997), „Our Town – an inside look at the United States today (2006), „Eye on Africa“ (2008/2009) und der Aufsehen erregenden Arbeit „Cocainelove“ (2003-2005) sehen, für die er über zwei Jahre ein drogenabhängiges Paar auf der Straße begleitete. Diese Bilder zeigen einen schwierigen und unsicheren Alltag unter Drogen, zwischen Dealern, Gefängnis, Prostitution und Tod. Mit seinen Bildern will Michael von Graffenried dem Betrachter zeigen, was er nicht sehen kann, weil er nicht zugegen ist, weil er nicht achtsam genug ist oder weil er ganz einfach nicht hinsehen will. Michael von Graffenried wirft seinen provokativen und unverblümten Blick auf alles, was sich um ihn herum abspielt.

Michael von Graffenried (*1957 in Bern) lebt und arbeitet in Paris. Aus dem Fotojournalismus kommend, arbeitet er heute an Langzeitprojekten, die er medienübergreifend präsentiert und oft auch im öffentlichen Raum ausstellt. Ein großer Teil seiner Arbeiten zeigt sich im Panoramaformat, welches er seit 1991 anwendet. Seit 1998 vergrößert er seine Fotografien auf Baryth Papier im Format 125 × 288 cm. Diese Großformate «präsentieren sich dem Betrachter auf Augenhöhe und ermöglichen ihm so den (Kunst-) Betrachter direkt ins Bildgeschehen einzubeziehen» wie der Kurator Harald Szeemann über den Künstler schrieb. Sein zusammen mit Mohammed Soudani produzierter Dokumentarfilm Guerre sans images wurde 2002 am Filmfestival Locarno uraufgeführt. Seine Bilder sind in Museums- und Galerieausstellungen sowohl in Frankreich und der Schweiz als auch in New York, Algier, Hong Kong und Beirut zu sehen und in zahlreichen Sammlungen vertreten, so in der Fotostiftung Schweiz (Schweizerische Stiftung für die Photographie) in Winterthur, im Musée de l’Elysée in Lausanne oder in der Bibliothèque Nationale in Paris. Meist publiziert er die Ergebnisse seiner Projekte in Buchform, zum Beispiel Sudan (1996) Nackt im Paradies (1997), Algerien, der unheimliche Krieg (1998), Weltpanorama (1998), Cocainelove (2005) und eye on africa (2009). Für seine Verdienste wurde Michael von Graffenried 2006 als Chevalier des Arts et Lettres in die französische Ehrenlegion aufgenommen. Zur Ausstellung „Outing“ erscheint ein Kataog mit einem Gespräch zwischen Hans Ulrich Obrist, Co-Direktor der Serpentine Gallery in London und dem Künstler.

Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie

Der seit 1971 für “vorbildliche Anwendung der Photographie in der Publizistik” vergebene Preis erinnert an Dr. Erich Salomon, den großen Photographen der Weimarer Republik, dem der moderne Bildjournalismus starke Anregungen verdankt. Der Preis besteht aus einer Urkunde sowie einer Leica M-Kamera mit Namensgravur und wird – als neben dem Kulturpreis höchste Auszeichnung der DGPh – jährlich verliehen.

photokina 08 / 2010

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Michael von Graffenried, Angst eines Zivilpolizisten, Algier 1996

"Angst eines Zivilpolizisten, Algier 1996"
Michael von Graffenried

Michael von Graffenried, Sonnenuntergang in Kribi, Kamerun 2008

"Sonnenuntergang in Kribi, Kamerun 2008"
Michael von Graffenried

Michael von Graffenried, Riot Police, Cairo 2008

"Riot Police, Cairo 2008"
Michael von Graffenried