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photokina 2006 - Visual Gallery - Bryan Adams photographiert Mickey Rourke

Interview mit dem kanadischen Musiker und Songschreiber, der auch ein ernst zu nehmender Lichtbildner ist.

Weltweit ist er bekannt als Pop-Sänger: der gebürtige Kanadier Bryan Adams hat die Welt mit seinen Songs erobert und wird in seinen Konzerten und bei Auftritten gefeiert. Weitgehend unbekannt ist dagegen, dass Bryan Adams als ernst zu nehmender Photograph schon seit einigen Jahren in der Szene geschätzt wird. Eine seiner Photo-Serien ist in der Visual Gallery vom 26. September bis 01. Oktober 2006 zur photokina in Köln in der Halle 1 zu sehen. Bryan Adams zeigt eine Bildfolge, die er für sein in Berlin erscheinendes Magazin „Zoo“ photographierte: „mickey rourke by bryan adams“. Für diese Serie erhielt er in diesem Jahr den LeadAward in der Kategorie Portraitphotographie. Im Vorfeld der Visual Gallery wurden Bryan Adams einige Fragen zu seinen photographischen Ambitionen gestellt.

Frage: Sie haben schon früher photographiert und die Arbeit in den Studios oder auf Tourneen dokumentiert. Hat sich seit diesen Anfängen Ihre Einstellung zur Photographie als kreative Tätigkeit etwas geändert? Hat sich Ihre Motivwahl verändert?

Adams:
Ja, zweifellos. Anfangs habe ich nur so ein bisschen herum photographiert, weil ich die Dinge, die ich gerade machte, in irgendeinem Format archivieren wollte. Da sich niemand sonst um die Dokumentation kümmerte, habe ich meine Kamera genommen – und ehrlich gesagt wünschte ich, ich hätte mehr photographiert. In der letzten Zeit hat mich diese Arbeit sehr inspiriert, denn dadurch komme ich an Orte, wo ich vorher noch nie gewesen bin, und ich habe faszinierende Leute kennen gelernt, die ich sonst nie getroffen hätte. Was kann man sich mehr vom Leben wünschen?

Frage: Welche Kameras benutzen Sie für Ihre Arbeit? Gibt es Favoriten? Hängt das Equipment von den Rahmenbedingungen (Ort, Licht, etc.) ab oder stärker von Ihrer Idee?

Adams: Egal, wo ich hingehe, ich habe immer so ziemlich dasselbe Equipment dabei. Ich verwende eigentlich Standardequipment. Einiges davon habe ich schon recht lange, wie meine Rolleiflex und meine Polaroidkameras. Manchmal grabe ich meine alte 10x8 Deardorff aus, aber meistens benutze ich eine Mamiya RZ, und verschiedene 35 mm Kameras wie meine Leica M6 und meine Contax T2, auf die ich mich immer verlassen kann.

Frage: Können Sie sich vorstellen, auch mit der digitalen Kamera zu arbeiten?

Adams:
Ja, ich habe vor kurzem damit gearbeitet. Das ist wirklich etwas ganz anderes als ein Film in der Kamera. Am besten klappt es, wenn ich mit einem guten Labor zusammenarbeite, das bei der Bildbearbeitung etwas von Farbmanagement versteht. Ich bin nämlich nicht gerade Experte in Photoshop. Aber das sollte man schon sein, wenn man in der Druckvorstufe mit Photographie zu tun hat.

Frage: Arbeiten Sie eher konzeptionell oder verwirklichen Sie Ideen eher spontan?

Adams: Jeden Tag kommt mir etwas anderes in den Sinn, und meistens probiere ich es aus und mache irgendetwas aus dieser Idee. Ich würde sagen, dass ich in dieser Hinsicht ziemlich spontan bin. Andererseits arbeite ich gerne mit einem guten Team zusammen und das kann dann vom Konzept her eine richtige Detailarbeit sein. Diese Zusammenstellung ist zum Beispiel eine Kombination aus Bildern, die entweder ganz schnell mit irgendeiner Kamera aufgenommen wurden, die ich gerade dabei hatte, oder es handelt sich um Studioaufnahmen, für die hinter den Kulissen ein ganzes Team im Einsatz war. Meiner Ansicht nach passen sie zusammen – sie ergänzen sich gegenseitig.

Frage: Wie schätzen Sie die internationale Photographen-Szene ein? Wie die deutsche?

Adams:
Sie wird immer interessanter. Was uns früher aufgeregt hat, entspricht heute der Norm. Was früher die Norm war, finden wir heute faszinierend. Unser Kunstverständnis hat sich im Vergleich zu früher ins Gegenteil verkehrt. Künstler wie Andres Serrano haben zum Beispiel in ihren Bildern religiöse Themen neu interpretiert, während Stephen Shore und Thomas Struth Neuinterpretationen von Landschaften umsetzen. Es wird sehr interessant sein, zu sehen, wohin die weitere Entwicklung geht.

Frage: Haben Sie Ihre Ziele verwirklichen können, die Sie sich bei der Gründung des Magazins „Zoo“ gesetzt haben? Ich denke hier in erster Linie an das Ziel, deutschen Photographen eine Plattform bieten zu können.

Adams: „Zoo“ wurde viel internationaler als wir ursprünglich geplant hatten. Die Messlatte wurde schon ziemlich früh hoch angelegt, als Steven Klein eine Story für uns geschrieben hat. Von da an hatten wir wirklich den Anspruch, die besten Beiträge in dieses Magazin zu bekommen – und nicht nur Beiträge aus einem bestimmten Ort oder einem bestimmten Land.

Frage: Ihre Photoserie mit Mickey Rourke wird während der photokina 2006 in Köln als eines der Highlights der Visual Gallery zu sehen sein. Was bedeutet es Ihnen, im kulturellen Programmteil einer Weltmesse so stark vertreten zu sein?

Adams: Nun, es ist sehr schmeichelhaft, wenn man gefragt wird, ob man eine Ausstellung machen will – egal, um welche Art von Veranstaltung es sich handelt. Leicas sind schon seit Jahren unglaublich faszinierend für mich, und ich bin in erster Linie wegen dieser Photoapparate zur photokina gekommen.

Frage: Wie haben Sie es geschafft, Mickey Rourke für die Photoserie zu gewinnen?

Adams: Wir haben eine gemeinsame Freundin, die wir beide sehr mögen. Das Problem ist nur: bei keinem von uns kann mehr daraus werden, denn sie ist lesbisch. Sie hat Mickey und mich miteinander bekannt gemacht, als er letztes Jahr in London war. Er war ziemlich cool, fand „Zoo“ ganz toll und wollte mitmachen, solange er seine Klamotten anbehalten konnte.

Frage: War es stressig, mit ihm zu arbeiten? Er wird ja oft als nicht gerade als umgänglicher Typ beschrieben.

Adams: Wir haben uns super verstanden. Es war so, als hätten wir uns schon immer gekannt. Und dann stellte sich heraus, dass wir uns tatsächlich vor 20 Jahren in LA getroffen hatten, als wir mit Steve Jones und Charlie Sexton in einer Bikergruppe mitgefahren sind. Wir haben damals zusammen eine Tour rund um LA gemacht. Das ist mir erst wieder eingefallen, als einer meiner Freunde mich daran erinnert und mir die Photos von damals gezeigt hat.

Frage: Sie verbinden Ihre Arbeit – ob als Songschreiber, Interpret oder Photograph – mit großem sozialen Engagement, insbesondere für die Krebsforschung. Wie kam es dazu und warum ist es Ihnen ein inneres Bedürfnis?

Adams: Ich habe mich mit meinem Erfolg nie wirklich wohl gefühlt. Um das zu kompensieren, habe ich eine Menge Zeit mit anderen Dingen verbracht. Dabei habe ich Aufklärungsarbeit in Sachen Krebs geleistet und Spenden für die Krebsforschung und vor allem für Kinderhilfswerke gesammelt. Ich habe mich aber auch mit anderen Dingen beschäftigt, wie zum Beispiel Photos. Wie sich jetzt herausstellt, ist die Photographie ein tolles Hobby für mich, nicht nur von der kreativen Seite aus gesehen, sondern auch in karitativer Hinsicht.

Frage: Welche neuen Projekte planen Sie?

Adams: Ich habe ein paar Filmmusiktitel geplant, ich habe ein paar Buchideen im Kopf – und dann gibt es ja auch noch meinen endlosen Tourneeplan... ich hoffe, dass Ihr irgendwo dabei sein werdet.

Biographische Angaben

Bryan Adams wurde am 05.11.1959 in Kingston, Ontario (Kanada) als Diplomatensohn geboren. Seine Jugend verbrachte er in Europa und im mittleren Osten, bevor er 1973 nach Kanada zurückkam. Er schmiss die Schule, um mit der Band „The Sharks“ zu touren. Im Alter von 20 Jahren unterzeichnet er den 1. Plattenvertrag, seitdem blickt er auf eine mehr als 25jährige internationale Musikerkarriere zurück. Nicht nur für sich schrieb er Popsongs, sondern auch für Kolleginnen und Kollegen wie KISS, Joe Cocker, Bonnie Tyler, Neil Diamond, Roger Daltrey, Rod Steward, Tina Turner, Celine Dion, Ronald Keating oder Melanie C. Bryan Adams lebte in Frankreich und spricht Französisch, jetzt lebt der strenge Vegetarier (Veganer) in England und ist Fan des F.C. Chelsea. Nicht nur mit seinen Photobüchern leistet Adams Wohltätigkeits-Spenden, auch mit seiner Musik. U.a. für „The Prince’s Trust“, Live Aid, The Concert for Freedom for Nelson Mandela, Greenpeace, Amnesty International, NetAid/London.

Weitere Informationen zur photokina: www.photokina.de

Weitere Informationen zur Visual Gallery:
www.visualgallery.de

 

photokina 09 / 2006

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