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Die Kontakt-Linse - Auf das Okular kommt es an

Spektive vereinen die Pluspunkte von Teleskopen und von Ferngläsern in sich. Wie Feldstecher liefern sie aufrechte und seitenrichtige Bilder. Wie Teleskope sind sie flexibel beim Anschluss von Okularen und okularähnlichem Zubehör. Grundsätzlich vergrößern Okulare, die „Augenlinsen“, das vom Objektiv im Brennpunkt erzeugte Bild. Das gilt bei der visuellen Verwendung von Spektiven genauso wie bei der als Digiscoping bezeichneten Photographie. Die Bauweise und Leistungsdaten eines Okulars bestimmen maßgeblich das Seherlebnis und den photographischen Erfolg mit.

Spektive werden in der Regel „von der Stange“ mit einem beiliegenden und dafür auch passenden Okular verkauft. Für einfache Beobachtungen mag das ausreichen, Digiscoping verlangt aber nach Extraanforderungen. Schon visuell zeigt sich, dass verschiedene Okulare abhängig von Bauart und Brennweite höchst unterschiedliche Einblickverhalten zeigen. Bei manchen hat man den Eindruck, dass man mit dem Auge regelrecht ins Okular „kriechen“ muss, um das volle Bild zu sehen und keinen Tunnelblick zu haben. Andere Okulare bieten dem Betrachter einen angenehmen Augenabstand.

Dieser Augenabstand wirkt sich auch auf die Photographie aus. Bei der Verwendung von kompakten Digitalkameras hinter einem Okular muss das Kameraobjektiv, grob vereinfacht gesagt, möglichst viel von dem gezeigten Bild erfassen können. Wenn schon das flexible menschliche Auge Probleme hat, kann sich eine starre Kameralinse bisweilen erst recht nicht mit den Gegebenheiten arrangieren. Vor allem Zoomoptiken sind - kameraseitig, aber auch bei den Okularen - heikel.

Das Beste ist, sich beim Fachhändler verschiedene passende Okulartypen zeigen zu lassen. Anders als bei astronomischen Okularen sind bei Spektivokularen meist nicht die Brennweitenangaben aufgedruckt, sondern die mit dem passenden Spektiv erzielbaren Vergrößerungen. So könnte ein Aufdruck „25x“ für 25-fache Vergrößerung lauten. Zoomokulare haben den Vorteil, dass sie mehrere Vergrößerungen abdecken. So kann man Tiere in freier Wildbahn als Gruppe betrachten oder sich an ein Tier heranzoomen. Allerdings weisen manche Konstruktionen die Neigung zum Tunnelblick auf. Jeder Beobachter setzt seinen Schwerpunkt anders und so muss die Entscheidung für eine Anschaffung individuell bleiben.

Auf alle Fälle sind festbrennweitige Okulare kompakter ausgeführt als Zoomokulare. Sie sind auch erste Wahl fürs Digiscoping, vor allem dann, wenn sie noch in einer Projektionshülse Platz finden sollen, wie sie für den Anschluss für Spiegelreflexkameras üblich ist. Dafür gibt es auch extra schlank konstruierte Okulare, die garantiert in solche Hülsen passen. Solche reinrassigen Photookulare verzichten dann auch auf den Komfort von Gummimanschetten für das Auge oder geriffelten Gummioberflächen. Dafür haben sie eine glatte Oberfläche, an der eine Universal-Klemmvorrichtung für Kompaktkameras problemlos ansetzen kann.

Einen umfassenden Überblick bietet neben dem Fachhandel auch die photokina 2006 vom 26. September bis 1. Oktober in Köln. Hier können alle Interessierten auf der Aktionsfläche „Weitblick“ die Greifvogelschau mit hochempfindlichen Ferngläsern beobachten, Okulare testen und natürlich die Tiere dank Digiscoping im Bild festhalten. Der Besuch der photokina 2006 lohnt sich also in jedem Fall, denn es ist ein faszinierendes Schauspiel, die tierischen Flugkünstler des Wildgeheges Hellenthals auf der „Piazza“ dank hochwertiger Ferngläser so nah vor die Linse zu bekommen.
 

Fernoptik 09 / 2006

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"Okuspektiv"
Stefan Zaruba