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Digiscoping - In der Ruhe liegt die Kraft

Brennweiten von über 1.000 mm an einer
Kompaktkamera in den Griff bekommen


Erfahrene Photographen wissen: Je schwerer ein Kameragehäuse ist, desto sicherer liegt es in der Hand und kann auch mit langen Teleobjektiven noch ohne großes Zittern verwacklungsfreie Bilder machen. Digiscoping mit Kompaktkameras ist vor diesem Hintergrund eine echte Herausforderung. Allein von den Größenverhältnissen der Geräte her betrachtet, wackelt sprichwörtlich der Schwanz mit dem Hund. Schließlich beschert ein durchschnittliches Spektiv mit Okular einer Kamera äquivalente Brennweiten von weit über 1.000 mm - die wollen beherrscht werden.

Wichtig ist zunächst ein guter Sitz aller Verbindungen, also zwischen Spektiv und Okular, Okular und Kameraadapter, sowie schließlich zur Kamera. Es gilt, alle denkbaren Quellen für Wackeleien zur beseitigen. Ohne ein Stativ geht dabei gar nichts. Schon stärkere Ferngläser sind nicht mehr zitterfrei in der Hand zu halten, erst recht nicht Spektive. Ein Spektiv mit angeschlossenem Photoapparat ist gut 50 cm lang. Anders als eine Kamera allein, wirken in dieser Kombination deutlich spürbare Hebelkräfte auf den Stativkopf. Dadurch lässt jede Berührung der Kamera das gesamte System etwas zittern. Das kann man mit einem stabilen Stativkopf schon geringfügig vermindern. Allerdings lässt sich zumindest die Berührung beim Auslösen leicht vermeiden, indem man die Kamera mit dem Selbst- oder Zeitauslöser steuert. Schon wenige Sekunden Zeitvorwahl reichen, um das Spektiv von der letzten Berührung ausschwingen zu lassen. Noch praktischer sind Fernauslöser. Sie bieten vor allem den Vorteil, dass man den besten Augenblick zum Auslösen nicht verpasst. Der Handel bietet kabellose Fernauslöser passend zu vielen Kameras an oder auch universelle Auslöser, die zum Beispiel durch Luftdruck den menschlichen Finger am Auslöseknopf ersetzen. Das funktioniert mit fast jedem Kameramodell.

Bei extrem hohen Brennweiten nimmt die Lichtausbeute deutlich ab, hier setzt die Physik der Technik klare Grenzen. Umso wichtiger ist es, sich im Zeitalter der Digitaltechnik wieder einiger grundlegender Regeln zu erinnern. Bei wenig Licht auf dem Chip muss der Photograph die Belichtungszeiten entsprechend lange gestalten. Objekte, die sich bewegen, also etwa Tiere, werden dann unter Umständen verwischt abgebildet. Ausgerechnet bei langen Brennweiten macht sich diese Bewegungsunschärfe deutlicher bemerkbar als bei kürzeren. Der Photograph kann aber leicht gegensteuern. Zunächst einmal ist es wichtig, ausreichend helle Motive zu suchen. Der Schwan auf dem See ist weniger kritisch als das Reh im dunklen Wald. Und dann gilt es, Objekte, die sich bewegen, gut zu beobachten und günstige Zeitpunkte zu nutzen, in denen sie gerade innehalten. Neben diesen zwei „Hausmitteln“ bietet sich noch eine technische Lösung an: hochempfindliche Digitalkameras! Die Chips aktueller Kameras sind so leistungsstark geworden, dass sie auch Situationen meistern können, die früher als unbeherrschbar galten. Der Photofachhandel bietet hierzu kompetente Beratung und eine Auswahl geeigneter Kameras an.

Übrigens: Die Aktionfläche „Weitblick“ auf der photokina 2006 in Köln, die vom 26. September bis 1. Oktober ihre Tore öffnet, bietet allen Besuchern die Möglichkeit, die Faszination, die von Digiscoping ausgeht, zu testen. Bei der Neuauflage der Veranstaltung, die zur photokina 2004 ein wahrer Publikumsmagnet war, werden Greifvögel des Wildgeheges Hellenthals über der „Piazza“ ihre Kreise ziehen. Besucher können die tierischen Flugkünstler mit hochempfindlichen Ferngläsern beobachten und natürlich dank Digiscoping im Bild festhalten.
 

Fernoptik 08 / 2006

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Stefan Zaruba

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