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Digiscoping macht es möglich: Wildtierphotographie mit Kompaktkameras

Jeder kennt das Kinderspiel: Man hält die hohle Hand ganz nah vor das Auge und visiert darüber beispielsweise die Kuh auf der Weide an. Es scheint, als könne das mächtige Tier einfach so in der kleinen Hand verschwinden. Ein optische Täuschung, aber doch faszinierend. Ferne, große Dinge zum Greifen nah, das ist seit jeher der Reiz von Teleoptiken. Und mit Digiscoping kann man tatsächlich jede Kuh einfangen - da mag die Digitalkamera in der Hand noch so kompakt sein.

Die effektiven Brennweiten beim Digiscoping mit Spektiven von 1.000 mm und darüber sind wie geschaffen für die Tierphotographie in freier Natur. Weiderinder sind da noch die genügsamsten Motive. Je kleiner, scheuer und zappeliger Tiere sind, desto größer ist die Herausforderung! Zunächst einmal muss die Ausrüstung outdoor-gerecht, wie es neudeutsch heißt, sein. Gute Spektive sind hart im Nehmen, aber Digitalkameras gehören in der Natur, vor allem in feuchter Umgebung, in wetterfeste Phototaschen. Idealerweise verwendet man einen geräumigen Rucksack. Der hat den Vorteil, dass Spektiv und Kamera fest aneinander montiert bleiben können. Das ist wichtig, wenn es schnell gehen soll. Der Reiher in seinem Fischrevier hört nämlich nicht auf Photographenzurufe, sondern wirft sich ganz spontan in die beste Pose.

Was also zählt, ist schnelle Einsatzbereitschaft. Schon beim Aufbruch ins Revier sollten die wichtigsten Einstellungen der Kamera gemacht sein. Der Photograph sollte überdies mit den grundlegenden Kamerafunktionen vertraut sein. Ein Stativ mit Schnellklemmung leistet gute Dienste und in die Hosentasche gehört - vor allem zur kalten Jahreszeit - ein Satz frischer Batterien. Beim Photographieren zählt dann vor allem Ruhe. Hektik schreckt nur die Tiere auf und führt schnell zu verwackelten Aufnahmen. Die lange Brennweite in Verbindung mit bewegten Motiven schreit nach möglichst kurzen Belichtungszeiten. Die erreicht man durch das Einstellen einer hohen Empfindlichkeit an der Kamera und wenn möglich dadurch, dass man sich Motive im Sonnenlicht sucht. Die ausgefeilte Technik der Kameras meistert hohe Kontraste in der Regel problemlos.

Wenn es knapp wird mit der Belichtungszeit, kann man auch das Kamerazoom etwas einfahren. Das verkürzt die Brennweite und schafft die nötige Reserve. Und dann gilt: auslösen, auslösen, auslösen! Sich bewegende Vögel kann man zum Beispiel fast nur mit Serienaufnahmen einfangen. Wenn man dann eine große Auswahl von Bildern zu Hause in Ruhe sichtet, kann man sich die schönsten aussuchen, bei denen Flügelstellung, Körperhaltung und Blickrichtung stimmen. Mit der Zeit sammelt der Naturphotograph die nötige Erfahrung im Umgang mit der Technik, aber auch mit seinen Photomodellen. Auch Tiere haben so ihre Angewohnheiten: Lieblingsplätze, an denen sie sich aufhalten, oder Tageszeiten, zu denen sie besonders aktiv sind. Apropos: Hobbyphotographen sollten nicht jedem wilden Geschöpf zu nah auf den Leib rücken - sonst riskiert man Konflikte mit Jägern oder Naturschutzbehörden und stört die Tiere in ihrem Lebensraum.

Risikolos kann man Tiere aber vielerorts vor die Kamera bekommen. Zum Beispiel an öffentlichen Seen, auf denen Wasservögel gut ausgeleuchtet ihre Runden drehen. Oder im Zoo, wo bunte Exoten oder große Raubkatzen lohnenswerte Motive abgeben. Und sogar im eigenen Garten kann man sich mit etwas Nachhilfe die passenden Gelegenheiten schaffen: Vögel gewöhnen sich schnell an Wassertränken oder Futterhäuschen. Und auch Igel haben in Siedlungen oft feste Marschrouten, an denen man sich auf Lauer legen kann. In diesem Sinne: Viel Glück bei der Jagd!

Übrigens: Die Aktionsfläche „Weitblick“ auf der photokina 2006 in Köln, die vom 26. September bis 1. Oktober ihre Tore öffnet, bietet allen Besuchern die Möglichkeit die Faszination, die vom Digiscoping ausgeht, zu testen. Bei der Neuauflage der Veranstaltung, die zur photokina 2004 ein wahrer Publikumsmagnet war, werden Greifvögel des Wildgeheges Hellenthal über der „Piazza“ ihre Kreise ziehen. Besucher können die tierischen Flugkünstler mit hochempfindlichen Ferngläsern beobachten und natürlich dank Digiscoping im Bild festhalten.
 

Fernoptik 08 / 2006

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Stefan Zaruba