Bildleiste

Scharfe Sache

So bekommt man ein klares Bild im Fernglas

Das Innenleben eines modernes Fernglases besteht aus 50, 70 oder 100 und mehr einzelnen Bauteilen. Nahezu jedes Glas gehobener Ausstattung hat zwei Rädchen, mit denen die Scharfstellung erfolgt. Außerdem lassen sich Ferngläser in der Mitte knicken, denn die Fernglashersteller möchten es jedem Kunden möglichst recht und bequem machen.

Die meisten Doppelferngläser lassen sich auf den individuellen Augenabstand und die mögliche Kurz- oder Weitsichtigkeit des Benutzers abstimmen. Im ersten Schritt dreht man die beiden Fernglashälften um die gemeinsame Mittelachse und zwar so weit, daß der Abstand der beobachterseitigen Linsen ("Okulare") zueinander genau dem Augenabstand entspricht. Alle höherwertigen Ferngläser verfügen zudem über einen Dioptrienausgleich, meistens am rechten Okular. Die gängige Skala reicht von minus 3 bis plus 3. Mäßig kurz- oder weitsichtige Anwender können so Ferngläser (übrigens auch Teleskope) ohne Brille nutzen. Normalsichtige Fernglasnutzer drehen das rechte Okular so weit, bis die Skala auf "0" steht.

Die Scharfstellung auf entfernte Objekte erfolgt für beide Augen mit dem so genannten Mitteltrieb; das ist ein Rad oder eine Stellschraube, jeweils auf der Mittelachse sitzend. Benutzer mit Fehlsichtigkeit blicken zunächst nur mit dem linken Auge durchs Fernglas und stellen mit dem Mitteltrieb auf das entfernte Objekt ihrer Wahl scharf ein. Dann wechseln sie auf das rechte Auge und stellen durch Drehen am rechten Okular auch für dieses Auge scharf. Es gibt vereinzelt auch Modelle ohne Mitteltrieb; bei diesen stellt man an beiden Okularen einzeln für beide Augen scharf.

Wenn trotz aller Bemühungen das Gesamtbild sich nicht brillant zeigen will, oder das Bild zwar scharf erscheint, die Augen aber sehr anstrengt, kann es durchaus am Fernglas liegen. Neue, hochwertige Geräte werden vor Auslieferung auf Herz und Nieren getestet und halten in der Regel viele Jahre oder Jahrzehnte ohne daß sie neu justiert werden müssen. Ein starker Schlag allerdings, etwa wenn das Fernglas aus größerer Höhe zu Boden fällt, verschiebt die optischen Bauteile oder die Achsen beider Fernglashälften gegeneinander. Dies hat zur Folge, daß die beiden vom Glas erzeugten Bilder nicht mehr übereinstimmen und man trotz aller "Scharfstellungen" kein brillantes Bild erhält.

Vor dem Kauf lohnt sich auf jeden Fall ein entspannter Blick durch das Fernglas seiner Wahl. Manche Händler geben ihren Kunden - vor allem höherwertige Gläser - für einen Test mit nach Hause.
 

Fernoptik 09 / 2004

Bewerten 70

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Stefan Zaruba

Stefan Zaruba