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Es werde Licht!

Sag mir, wieviel Sternlein stehen. Es sind ziemlich viele. Milliarden allein in unserer Milchstraßen-Galaxie. Doch davon sehen wir am Nachthimmel unserer Breitengrade mit bloßem Auge nur etwas mehr als 2.000. Alle übrigen sind zu weit weg oder zu klein, in jedem Fall aber zu wenig hell um sie zu sehen. Als Galilei und seine Kollegen vor Jahrhunderten das Fernrohr in der Astronomie einführten, veränderte sich der Blick ins All revolutionär - und schon mit dem kleinsten Fernglas oder "Feldstecher" kann jeder diesen Quantensprung erleben.

Alle Teleskope und Ferngläser erfüllen zwei Zwecke: Sie stellen zunächst entfernte Objekte vergrößert dar - daher auch die Bezeichnungen "Fern"-Rohr oder "Fern"-Glas. Aber jede Fernglas-Optik hat noch eine weitere und oft wichtigere Funktion: Sie sammelt Licht.

Zum Vergleich: Die Pupille unserer Augen öffnet sich im Dunkeln auf einen Durchmesser von sechs bis acht Millimeter. Mehr Licht als durch diese natürliche "Optik" kann nicht an die Netzhaut gelangen. Ferngläser besitzen typischerweise Objektivlinsen mit Durchmessern zwischen 25 und 50 Millimetern. Sie sammeln das einfallende Licht mit einer Fläche, die dem Zigfachen der des menschlichen Auges entspricht. Somit machen sie noch Sterne sichtbar, die nur einen Bruchteil der für das bloße Auge notwendigen Helligkeit besitzen. Die Anzahl der Sterne, die mit einem Feldstecher sichtbar sind, steigt je nach Modell auf mehrere Zig- bis einige Hunderttausend.

Die Leistungsfähigkeit eines Fernglases in der Dunkelheit hängt vor allem von seiner so genannten Öffnung ab. Das ist der Durchmesser der Objektivlinsen. Den Wert geben Hersteller zusammen mit der Vergrößerung an. Beispielsweise vergrößert ein 8x30-Fernglas um das Achtfache bei einem Durchmesser der Objektivlinse von 30 Millimetern. Ein 7x50-Glas vergrößert zwar nur siebenfach, sammelt aber auf einer wesentlich größeren Fläche Licht und stellt daher nahezu ein ideales Nachtglas dar.

Weder bei der Vergrößerung noch bei der Öffnung sollten Astro-Einsteiger über handelsübliche Größen hinausgehen. Die Geräte werden sonst zu schwer, was die Arme nach einigen Minuten zu spüren bekommen. Und bei über zehnfacher Vergrößerung kann man die Ferngläser kaum längere Zeit so ruhig halten, daß sich nicht ein störendes Zittern im Bild zeigt. Keine Abstriche sollte man an der Qualität der Feldstecher machen: Nadelstichfeine Sterne und schwächste Lichtpunkte vor pechschwarzem Himmel sind eine harte Prüfung für jede Optik und decken Billigware schnell auf.

Ein Tip: Der Blick zu den Sternen sollte entspannt im Sitzen oder Liegen erfolgen, das beansprucht den Nacken weniger. Der erste Blick könnte auf den Mond fallen, falls er gerade am Himmel steht. Die schönste Zeit, diesen Begleiter unserer Erde zu beobachten, ist außerhalb der Vollmondphase. Dann ist die Oberfläche nicht so blendend hell, und das schräg von der Sonne auf die Mondoberfläche fallende Licht läßt Krater und Gebirge plastisch hervortreten. Für den Mond als helles Objekt, auf dem man möglichst viele Details erkennen möchte, sind Ferngläser mit hoher Vergrößerung besser geeignet. Die Lichtausbeute spielt hier kaum eine Rolle.

Für einen erfolgreichen Blick zu den größeren Planeten Venus, Jupiter und Saturn sind Feldstecher ab zehnfacher Vergrößerung nötig. Damit allerdings zeigt Venus unter günstigen Umständen ähnlich wie der Mond eine Sichelgestalt. Jupiter ist bereits als winziges Scheibchen inmitten seiner vier großen Monde erkennbar. Und selbst das Ringsystem des Saturn läßt sich andeutungsweise erkennen. Nahezu unschlagbar - auch von Teleskopen - sind Ferngläser mit größerer Öffnung beim ungezwungenen Schwenken durch das Reich der Sterne. Das Gefunkel der Sterne in der Milchstraße ist mit keinem anderen Instrument so faszinierend anzuschauen. Sternhaufen und selbst größere Galaxien - Millionen Lichtjahre entfernte Welten - springen als Nebelflecke ins Auge. Erfahrene Feldstecher-Astronomen finden am Himmel sogar unbekannte Objekte: Auch heute noch wird mancher neue Komet mit einem Fernglas entdeckt.

Bildtext:
Der Blick mit dem Fernglas in den Nachthimmel öffnet ein Fenster zu einer anderen Welt. Plötzlich ist ein Vielfaches der Sterne zu sehen. Kometen wie Ikeya-Zhang in der Abenddämmerung (2002) sind im Fernglas ein prächtiger Anblick, und selbst Galaxien wie der große Andromeda-Nebel M31unterhalb des Kometen springen ins Auge.
 

Fernoptik 11 / 2004

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"Es werde Licht"
Stefan Zaruba