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Ein kurzer geschichtlicher Abriß

Entferntes näher sehen zu wollen beziehungsweise Unüberbrückbares näher heranzuholen, dieser Wunsch hat Bestand seit Menschengedenken. Um 1600 baute Johann Lipperhein in den Niederlanden das erste brauchbare Fernrohr. Er befestigte zwei Brillengläser, eines konkav und das andere konvex, gegeneinander verschiebbar in einer Pappröhre. Der zu seiner Zeit umstrittene italienische Naturforscher Galileo Galilei hörte von der Erfindung und entwickelte einen Fernrohrtyp, der nach ihm benannt wurde. Weitere Fortschritte hinsichtlich der Vergrößerung und der Abbildungsqualität sind den deutschen Wissenschaftlern Johannes Kepler und Joseph Fraunhofer zu verdanken.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen Doppelfernrohre Galileischer Bauart in der freien Natur zum Einsatz, die als "Feldstecher" bezeichnet wurden. Die übliche Vergrößerung lag zwischen 3x und 5x, das Sehfeld glich einem Schlüsselloch. Weit höhere Vergrößerungen erreichte man mit den terrestrischen Doppelfernrohren, die bis zu einem Meter lang waren und sich zusammenschieben ließen. 1854 meldete der italienische Pionier-Offizier Ignaz Porro, der ein monokulares Fernrohr mit Prismenumkehrsystem konstruiert hatte, dies als Patent an. Aufgrund der Auswahl an optischen Glasarten sowie der geringen Präzision der Prismen war die Bildqualität dieser Fernrohre eher bescheiden, so daß sie in Vergessenheit gerieten.

Um 1890 wurde die Idee des Prismensystems von Ernst Abbe wieder aufgegriffen, aber als Doppelfernrohr mit erweitertem Objektivabstand für eine bessere Beobachtungsqualität. Am 9. Juli 1893 erhielt die Firma Carl Zeiss, für die Ernst Abbe arbeitete, für ein solches Fernroh das Patent. Man ging in die serienmäßige Herstellung. Um die gleiche Zeit beschäftigte sich Moritz Hensoldt in Wetzlar mit der Erfindung eines neuen Dachprismen-Systems, das im Gegensatz zum Porro-System eine schlankere Bauweise des Fernglases und größere Objektivdurchmesser ermöglichte. 1905 wurde den Optischen Werken M. Hensoldt & Söhne dafür das Patent erteilt.

Carl Zeiss und die Optischen Werke M. Hensoldt & Söhne haben mit ihren zahlreichen Innovationen die Grundlagen für die weitere Entwicklung von Ferngläsern geschaffen. Alle Ferngläser, gleich wo und vom wem sie heute hergestellt werden, verwenden für ihre Optik eines der beiden Systeme - Porro- oder Dachprismen.

Bereits um 1917 wurden Weitwinkelokulare zur Vergrößerung des Sehfeldes bei Ferngläsern eingeführt. Eine Innovation stellte 1935 die Erfindung der reflexmindernden Vergütung durch Professor Smakula dar, die zu einer Steigerung der Lichtdurchlässigkeit bei Ferngläsern auf 80 Prozent führt. Zur Verkürzung der Bauhöhe und zur Verbesserung der Bildqualität kamen um 1954 erstmals Teleobjektive in Ferngläsern zum Einsatz. In den Folgejahren galt es, Ferngläser vor Staub und Feuchtigkeit zu schützen, Spezialokulare für Brillenträger zu entwickeln, die Lichtdurchlässigkeit weiter zu erhöhen, Interferenzeffekte durch Phasenverschiebungen bei der Bildumkehr zu beseitigen oder beispielsweise Bildstabilisatoren zu entwickeln, die auch bei hoher Vergrößerung Freihandbeobachtungen zulassen.
 

Fernoptik 09 / 2004

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