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Fern und doch so nah - Gütekriterien für Ferngläser

Ob auf der Vogelpirsch oder bei der Bergwanderung, ob während der Theateraufführung oder einer Sportveranstaltung - mit einem Fernglas werden viele Unternehmungen gleich noch einmal so schön. Mit ihm macht man Entdeckungen, die einem sonst verborgen blieben: Das Mienenspiel der Schauspieler auf der Bühne, das Gefieder eines Vogels oder die gekonnte Pirouette auf dem Eis, alles rückt in eindrucksvolle, greifbare Nähe. Aber für welches Fernglas soll man sich entscheiden? Ein ganzer Reigen an Modellen und Typen machen einem die Wahl schwer. So stehen vor allem drei Kriterien beim Kauf eines Fernglases im Vordergrund: seine Verwendung sowie die verschiedenen Ausstattungs- und Qualitätsmerkmale.

Die Qual der Wahl
Vor jeder Kaufentscheidung steht die Überlegung, wofür das Fernglas hauptsächlich eingesetzt werden soll. In der Oper möchte man sich nicht unbedingt mit einem großen, schweren Glas belasten, während man für eine Tiersafari, wo höchste Ansprüche an Helligkeit, Kontrast und Auflösung des Glases gestellt werden, höheres Gewicht und Größe in Kauf nimmt.

Zur Typenbezeichnung eines Fernglases gehören zwei Kennzahlen. Die zwei Werte, die als Angabe immer zu finden sind, präsentieren schon die wichtigsten Hinweise darauf, was ein Fernglas zu leisten vermag. Der erste Wert gibt immer die Vergrößerung an. Das heißt beispielsweise bei einer 8, daß das anvisierte Objekt einem acht Mal näher erscheint. Würde ein Vogel also 100 m entfernt sein, sieht man ihn so als wäre die Distanz nur 12,5 m. Ein höherer Vergrößerungswert bedeutet aber auch, daß durch die Handunruhe die Detailerkennbarkeit abnimmt. Bei mehr als 10-facher Vergrößerung sollte man das Fernglas zur Beobachtung auflegen können oder ein Stativ verwenden.

Der zweite wichtige Kennwert eines Fernglases gibt den Objektivdurchmesser in mm an. Er ist das Maß für die Lichtmenge, die in ein Fernglas eintreten kann. Umso größer der Objektivdurchmesser, desto lichtstärker ist ein Objektiv. Wird man sein Fernglas häufig auch in der Dämmerung oder nachts einsetzen, sollte der Objektivdurchmesser 40 mm bis 50 mm und mehr betragen. Wird das Fernglas vorwiegend tagsüber bei guten Lichtverhältnissen verwendet reichen auch 20 mm bis 32 mm .

Neben diesen beiden Werten gibt es noch weitere Angaben, die von Herstellern zu ihren Modellen oft genannt werden. Dazu gehört die Dämmerungszahl, die rechnerisch die theoretische Leistung eines Fernglases in der Dämmerung beschreibt. Errechnet wird sie aus der Formel "Wurzel aus Vergrößerung mal Objektivdurchmesser". Die Dämmerungszahl ist ein rein mathematischer Wert, der jedoch nichts über die optische Qualität aussagt.

Aufschlußreicher für den Anwender ist da eine Angabe der kürzesten Naheinstellung. Sie gibt die kürzest mögliche Beobachtungsdistanz an, aus der das Objekt, wie zum Beispiel ein Insekt, anvisiert werden kann. Eine Naheinstellung von etwa 2,6 m kann einem beispielsweise bei der Beobachtung von Schmetterlingen neue Seherlebnisse vermitteln.

Die Austrittspupille, oft auch mit AP abgekürzt, ist ein weiterer Indikator für die Dämmerungsleistung. Schaut man aus einigen Zentimetern Entfernung durch das Okular, erkennt man einen hellen Kreis. Er sollte scharf umgrenzt sein. Ein weicher Rand weist auf eine mindere Qualität hin. Je größer die Austrittspupille ist, desto heller erscheint die Abbildung. Errechnet wird sie, indem man den Objektivdurchmesser durch die Vergrößerung dividiert. Ein 8x56 Fernglas hat also eine Austrittspupille von 7 mm.

Eine weitere Angabe im Fernglas ABC ist die Größe des Sehfelds. Je größer das Sehfeld ist, desto besser kann man sich bewegende Objekte, wie beispielsweise flüchtende Tierherden oder Autorennen, verfolgen. Der Sehfeldwert gibt an, wie viele Meter Geländebreite auf 1.000 m Entfernung mit dem Fernglas gesehen werden können. Ist der Sehfeldwert 120, kann man eine Breite von 120 m erfassen.
 

Fernoptik 07 / 2004

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Blende ,"Fernglas"
Carina Christin Rumpf