Bildleiste

Mit Augenmaß

Erst das richtige Okular bringt
das Weltall groß heraus


Der wichtigste Unterschied zwischen einem einfachen Fernglas und einem richtigen Teleskop ist die Flexibilität des Teleskops. Der Feldstecher bildet wie das Spektiv ein kompaktes und anwenderfreundliches optisches Instrument, das in seiner Grundausführung bereits alle notwendigen Bauteile für die Beobachtung enthält, also das Gehäuse, Objektivlinsen, eine Scharfstellung, Augenlinsen (Okulare) und je nach Bauart auch Prismen, um das Bild aufzurichten. Teleskope sind dagegen nach dem Baukastenprinzip aufgebaut - und kaum ein Teil am Teleskop wird so gerne ausgewechselt wie das Okular.

Das Okular (Okularlinse oder Augenlinse), im internationalen Sprachgebrauch auch Eyepiece genannt, vergrößert das Bild, das von einer Objektivlinse (bei Linsenfernrohren) oder einem Spiegel (beim Spiegelteleskop) im Brennpunkt gebildet wird. Wie die Objektivlinsen haben auch die Okulare bestimmte Brennweiten. Die Gesamtvergrößerung eines Teleskops erhält man, indem man die Brennweite des Objektivs durch die des Okulars teilt. An einem Teleskop mit einer Brennweite von 1.000 Millimetern erhält der Benutzer mit einem Okular von 10 Millimetern Brennweite eine 100-fache Vergrößerung. Mit einem 5-Millimeter-Okular entsprechend die 200-fache Vergrößerung.

Bei Ferngläsern sind zwei dieser Okulare fest eingebaut. Außer bei Zoom-Ferngläsern kann der Benutzer die gewünschte Vergrößerung nicht beeinflussen. Das Baukastenprinzip der Teleskope erlaubt dagegen jede denkbare Kombination mit Okularen. Diese sind unabhängig von den Herstellern weitgehend kompatibel zueinander, da es drei gängige Maße der Hülsen gibt, in die die Linsen gesteckt und meist mit einer kleinen Schraube festgeklemmt werden.

Besonders günstige Teleskope besitzen einen Anschluß für Okulare mit 24,5-Millimeter Durchmesser. Der Markt für entsprechendes, vor allem höherwertiges Zubehör ist aber nicht besonders groß - das sollte beim Kauf berücksichtigt werden. Die am weitesten verbreiteten Okulare haben einen Steckanschluß mit 1,25 Zoll-Durchmesser (31,8 Millimeter). Dafür gibt der Markt Okulare sowohl jeder Bauart wie Preisklasse her. Spezialokulare, die es beispielsweise mit beleuchteten Linien ermöglichen, Objekte am Himmel zu verfolgen oder gar zu vermessen, werden überwiegend für dieses Anschlußmaß hergestellt. Noch größere Okulare mit einem Anschlußmaß von zwei Zoll (50,8 Millimeter) finden vor allem bei sehr großen Teleskopen Verwendung und übersteigen an Preis und Gewicht die 1,25-Zoll-Okulare deutlich.

Für den Anfänger ist die Welt der Okulare schier unüberschaubar. Vergleichbar mit der Entwicklung verschiedener Motoren - Otto-, Diesel- oder Wankelmotor - haben Astronomen seit Jahrhunderten mehrere Typen von Okularen konstruiert. Immer stand dahinter das Ziel, eine möglichst gute Bildqualität für die jeweilige Anwendung zu erhalten. Es macht nämlich einen großen Unterschied, ob ein Okular ein winziges Objekt, etwa einen Planeten, der sich in der Mitte des Gesichtsfeldes befindet, stark vergrößern soll oder ob der Sterngucker einen möglichst großen Himmelsausschnitt beobachten möchte. In ersterem Fall müssen Okulare vor allem in der Mitte ein scharfes und brillantes Bild erzeugen, der Rest ist zweitrangig. Im zweiten Fall sollen dagegen die Sterne bis zum Rand als nadelfeine Punkte erscheinen. Wieder andere Okulare sind für einen besonders angenehmen Einblick, etwa auch mit einer Brille, optimiert.

Okulare sind zu Preisen zwischen € 15,-- und € 600,-- auf dem Markt erhältlich. Ambitionierte Amateurastronomen decken sich im Lauf der Zeit mit mehreren Okularen für verschiedene Disziplinen der Astronomie ein, deren Anschaffungspreis in der Summe oft an den des eigentlichen Teleskops heranreicht oder diesen sogar übersteigt. Der sogenannte „Okularkoffer“ nimmt die wertvolle Sammlung verschiedener Typen und Brennweiten sorgsam in Schaumstoff gebettet auf.

Einsteiger erhalten mit Teleskopsets typischerweise einen Dreiersatz Okulare mit Brennweiten, die den Bereich von der höchsten bis zur niedrigsten sinnvollen Vergrößerung abdecken. Ihrer Bauart nach sind sie Universalokulare, die für die ersten Ansprüche sicherlich ausreichen. Den kleinen Unterschied kann jeder später testen, wenn er die kompatiblen Okulare gut ausgerüsteter Sterngucker im direkten Vergleich ausprobiert. Viele Fachhändler überlassen ihren Kunden höherwertige Okulare vor dem Kauf zu einer Inaugenscheinnahme.
 

Fernoptik 02 / 2005

Bewerten 80

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren






* Diese Felder müssen ausgefüllt werden

Okulare

"Okulare"
Stefan Zaruba