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Typen gibt's!

Fernrohr-Käufer haben die Wahl zwischen
Linsen- und Spiegelteleskopen


Den Einsteiger in die Astronomie verwirrt oft die Fülle unterschiedlicher Arten von Fernrohren - und vor allem deren bisweilen merkwürdiges Aussehen. Das klassische Teleskop stellt man sich als dünne Röhre nach Bauart der Piraten-Fernrohre vor: Hinten ist der Einblick, und das vordere Ende muß zum Himmel zeigen. Doch funktionieren auch die "komischen" tonnenförmigen Geräte, die mit einem Einblick seitlich am vorderen Ende angeboten werden, so? Sie funktionieren! Bestens sogar. Erst diese Spiegelteleskop genannte Bauart beschert den forschenden Astronomen entscheidende Erkenntnisse über unser Universum - denn große, leistungsfähige Fernrohre lassen sich auf diese Weise nicht nur einfacher herstellen, sie sind auch leichter zu bedienen. Das gilt auch für den Markt der Hobbygeräte.

Wo liegen die Unterschiede? Klassische Fernrohre verfügen über Glaslinsen. Diese sind an dem Ende des Rohres eingebaut, das zum Objekt zeigt. Der Fachmann spricht daher auch von Objektivlinsen. Dieses Objektiv erzeugt von einem weit entfernten Objekt ein Bild; und zwar in der sogenannten Brennebene. Diese liegt um die Brennweite versetzt am hinteren Ende des Rohres (das auch Tubus genannt wird). In das hintere Ende des Tubus wird ein Okular gesteckt, eine gefaßte Augenlinse, wie sie beispielsweise bei Feldstechern fest eingebaut ist. Mit diesem Okular betrachtet der Benutzer das Bild in der Brennebene. Es ist auswechselbar; so können verschiedene Okulare zum Beispiel unterschiedlich stark vergrößerte Bilder erzeugen. Das macht astronomische Teleskope enorm flexibel.

Bei einem Spiegelteleskop erzeugt ein Hohlspiegel das Bild durch Reflexion. Die Brennebene würde also genau zwischen diesem Spiegel und dem Objekt liegen, das betrachtet wird: mitten im sogenannten Strahlengang. Eigentlich ein ungünstiger Ort, weil man mit seinem Kopf genau das Bild verdecken würde, das man betrachten möchte. Deswegen haben sich Astronomen einige Tricks einfallen lassen. Die verbreiteste Bauart von Spiegelteleskopen, das Newton-Teleskop, hat im Strahlengang einen kleinen Umlenkspiegel ("Fangspiegel"). Dieser wirft das Bild seitlich aus dem Tubus. Dort kann man es mit einem Okular genauso betrachten, wie mit einem Linsenteleskop.

Erwähnt werden sollte noch ein beliebter Typ von Spiegelteleskopen: Bei Cassegrain-Teleskopen und verschiedenen davon abgeleiteten Typen wird das Bild vom Fangspiegel nicht aus dem Strahlengang heraus geleitet, sondern in Richtung des großen Hauptspiegels zurückgeworfen. Dieser hat in der Mitte ein Loch, durch das der Strahlengang führt. Damit kann das Bild mit dem Okular wie beim Linsenteleskop am hinteren Ende betrachtet werden. Weil der Strahlengang regelrecht zusammengefaltet ist, erlaubt diese Bauart sehr lange Brennweiten - und damit hohe Vergrößerungen - in kompakten Teleskopen. Das System wird beispielsweise auch in der Phototechnik für Telebrennweiten ab 500 mm angewandt.

Welches Teleskop soll sich der Anfänger kaufen? Das ist eine der schwierigsten Entscheidungen. Beide Bauarten, Linsen- und Spiegelteleskop, haben Vor- und Nachteile. Eines der wichtigsten Kriterien für astronomische Leistungsfähigkeit von Optiken ist die sogenannte Öffnung. Das ist der Durchmesser der Linse beziehungsweise des Hauptspiegels. Die Öffnung gibt vor, wieviel Licht ein Fernrohr "einsammelt". Denn fast wichtiger als die Vergrößerungsfunktion eines Teleskops ist seine Eigenschaft, lichtschwache Objekte am Himmel sichtbar zu machen.

Wie bereits erwähnt, können die Spiegelteleskope bei der Öffnung punkten. Bezahlbare Linsenteleskope sind mit Öffnungen zwischen 60 und 120 mm auf dem Markt. Newton-Spiegelteleskope beginnen dagegen mit der typischen Öffnung von 114 mm und sind im Einsteigerbereich bis 200 mm verbreitet. Das entspricht einem Mehrfachen an Lichtsammelvermögen. Dazu erzeugen Spiegelteleskope Bilder ohne Farbfehler. Günstige Linsenteleskope zeigen dagegen meist einen bauartbedingten blauen Farbsaum um sehr helle Sterne oder Planeten.

Linsenteleskope bieten vor allem Einsteigern Vorteile in der Benutzung. Viele Anfänger kommen mit der klassischen Konstruktion - hinten hineinblicken, vorne anpeilen - leichter zurecht, wenn sie am Himmel ein bestimmtes Objekt suchen. Und die starr im Tubus gefaßten Linsen müssen in der Regel nicht justiert werden. Die Konstruktion mit zwei Spiegeln dagegen ist gegen Erschütterungen anfällig und muß von Zeit zu Zeit an ein paar Stellschrauben optimiert werden (was man aber leicht erlernen kann). Eine Entscheidungshilfe kann immer ein Besuch im Photo- oder Optikfachhandel sein. Im Idealfall hat der Händler Fernrohre beider Bauarten vorrätig. Dann sollte auch das "Handling" einfach einmal getestet werden. Manchem angehenden Astronomen liegt der Einblick der Spiegelteleskope in Brusthöhe nämlich eher, als wenn er sich beim Linsenteleskop vornüber bücken muß.
Linsente
"Linsente", Stefan Zaruba
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Newton
"Newton", Stefan Zaruba
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Fernoptik 12 / 2004

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