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Alles dreht sich um zwei Achsen

Was für den Hammer der Stiel ist,
ist für das Teleskop die Montierung


Die größte Hürde für Einsteiger in die Himmelsbeobachtung stellt oft die sogenannte Montierung dar. Das ist jener Teil, der das eigentliche Fernrohr mit einem Stativ verbindet. Die Montierung hat nicht allein die Aufgabe, die Optik zu tragen, sondern muß ihr auch die notwendige Bewegungsfreiheit geben, damit der Astronom seine Lieblingsobjekte am Himmel auffindet. Man unterscheidet zwischen zwei Grundtypen in unterschiedlichen Ausführungen - auf den ersten Blick ist die Sache ganz schön verwirrend.

Aber der Reihe nach: Die einfachste Möglichkeit, ein Teleskop schwenkbar aufzustellen ist, es auf einem Achsenkreuz nach Art eines Photostativ-Kopfes zu befestigen. Die eine Achse steht senkrecht zum Boden, die zweite im 90-Grad-Winkel zur ersten. Wie eine Photo- oder Filmkamera kann man so das Fernrohr nach oben und unten schwenken, sowie seitlich drehen. Diese Art der Montierung heißt in Fachkreisen „altazimutale“ oder kurz „azimutale“ Montierung. Sie ist vor allem für den Anfänger leicht zu bedienen. Kleinere Geräte sind typischerweise auf einer Art Gabel befestigt. Die Bewegung des Teleskops erfolgt zumeist einfach dadurch, daß man den Tubus ergreift und an die Stelle des Himmels dreht, die man beobachten möchte. Nach diesem Prinzip sind beispielsweise Aussichtsfernrohre vor Sehenswürdigkeiten befestigt. In der einmal gefundenen Stellung kann man das Fernrohr bei manchen Geräten mit einer Schraube festklemmen, damit es sich nicht von allein wieder verstellt.

Allerdings sind die Himmelskörper nicht so einfach ruhig zu stellen. So wie die Sonne sich tagsüber scheinbar über den Himmel bewegt, zieht es nachts die Sterne, den Mond und die Planeten von Ost nach West. Tatsächlich ist es die Erde, die sich einmal am Tag unter dem Firmament dreht. Mit bloßem Auge kann man die Bewegung kaum wahrnehmen, aber die hohen Vergrößerungen, die Teleskope am Himmel erzielen, machen die Drehung zum Problem. Ein Stern, der einmal im Teleskop zu sehen ist, bleibt dort nicht lange. Je nach Vergrößerung dauert es höchstens ein paar Minuten, bis er aus dem Gesichtsfeld verschwunden ist.

Das Fatale an der Bewegung der Sterne ist nun, daß sie eine Kreisbahn am Himmel beschreiben. Um mit einer azimutalen Montierung so einen Stern zu verfolgen, muß man beide Achsen bewegen. Jeder kann das nachvollziehen, wenn er versucht, mit einer Kamera auf einem Photostativ einen gedachten Halbkreis am Himmel zu zeichnen. Astronomen haben sich deswegen die sogenannte „parallaktische“ oder „äquatoriale“ Montierung ausgedacht. Bei dieser Bauart wird eine der Achsen so gekippt, daß sie parallel zur Erdachse steht. Das bedeutet, daß ihre Drehung der Drehung der Erde folgt. Hat der Beobachter einmal ein Objekt am Himmel gefunden, muß er nur noch an dieser einen Achse drehen, um den Stern oder den Planeten im Bildfeld zu behalten.

Der nächste Schritt bei einer solchen parallaktischen Montierung ist der Anbau eines kleinen Elektromotors. Dieser nimmt dem Astronomen das lästige Drehen ab - und erledigt diese Aufgabe meist gewissenhafter und mit weniger Zittern. Ein einmal so eingestellter Stern kann stundenlang im Bildfeld bleiben. Für Astronomen, die sich einmal in der Photographie der Himmelkörper versuchen wollen, ist dieser Montierungstyp die erste Wahl. Zwar können inzwischen auch die azimutalen Montierungen mit Nachführmotoren ausgerüstet werden, allerdings erfordert ihre Dauerkorrektur über zwei Achsen einen ungleich höheren Aufwand.

Sind azimutale Montierungen also überholt? Keineswegs. Im Amateurbereich gibt es seit einigen Jahren einen Trend zu sogenannten Dobson-Teleskopen. Das sind überwiegend groß dimensionierte Optiken, die auf einem flachen Drehteller befestigt sind. Sie bieten wegen ihrer einfachen aber robusten Verarbeitung in der Regel ein interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Fazit: Für Einsteiger und Astronomen, die nur beobachten möchten, ist die azimutale Montierung eine gute Lösung. Beobachter, die für ihr Geld möglichst viel sehen wollen, greifen am besten zu einem azimutal montierten Dobson-Teleskop. Wer Komfort schätzt und auch Astrophotographie betreiben möchte, kommt um eine parallaktische (äquatoriale) Montierung nicht herum. Hier sollte man aber nicht am falschen Ende sparen, denn erst eine stabile Montierung macht Freude. Ein Teleskop mit einer schwachen Montierung ist wie ein Fahrrad ohne genügend Luft in den Reifen.

Alle besser ausgestatteten modernen Teleskope können mit Motoren an beiden Achsen ausgerüstet werden und dann über ein Steuergerät oder einen Laptop vollautomatisch Objekte am Himmel finden. Es gibt Beobachtungsprogramme mit tausenden gespeicherten Himmelskörpern. Damit kann sich jeder Einsteiger ein bißchen wie die Wissenschaftler an den großen Observatorien fühlen.
Parallaktische Montierung
"Parallaktische Montierung", Stefan Zaruba

Azimutale Montierung
"Azimutale Montierung", Stefan Zaruba

 

Fernoptik 01 / 2005

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