Drohnen-Regeln: Multicopter - Was Piloten jetzt wissen müssen

Multicopter, also ferngesteuerte Mini-Hubschrauber, haben das Fotografieren und Filmen aus der Luft erleichtert und die Luftbildfotografie revolutioniert. Der Absatz an Multicoptern steigt von Jahr zu Jahr. Was die einen als neue Kreativ-Beschäftigung betrachten, ist für die anderen eine potenzielle Gefahr, deren Bändigung neuer Regeln bedarf. Dies verwundert nicht, ist doch immer wieder von Beinah-Unfällen zu lesen wo sich Multicopter gefährlich Flugzeugen näherten, über Menschengruppen oder gar auf Autobahnen abstürzten. Die bisherigen bestehenden Regeln erscheinen als nicht ausreichend. Die Bundesregierung will das Fliegen von Drohnen nun ähnlich wie das Autofahren in Bahnen lenken. Das gesetzähnliche Vorhaben ist noch nicht rechtsgültig. Was wir bisher wissen.

Das Schaubild des Bundesverkehrsministeriums fasst die neue Drohnen-Verordnung zusammen. Quelle: BMVI
Das Schaubild des Bundesverkehrsministeriums fasst die neue Drohnen-Verordnung zusammen. Quelle: BMVI

Um was geht es eigentlich?

Steuern Piloten ihre Multicopter außerhalb von Modellflugplätzen, zum Beispiel über Privatgrundstücken, in der Nähe von Flughäfen oder Menschenmengen, müssen sie ganz besonders die Rechte und Sicherheit Unbeteiligter berücksichtigen. Insbesondere die Deutsche Flugsicherung, die den Luftraum über Deutschland managt, fordert bessere Möglichkeiten, Beinnahe-Zusammenstöße mit Flugzeugen zu vermeiden und Unfälle besser nachverfolgen zu können. Die Bundesregierung hat jetzt eine „Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“. Sie wird auch „Drohnen-Verordnung“ genannt und soll den Betrieb von Multicoptern genauer regeln.

Was schreibt die neue Drohnen-Verordnung vor?

Im Kern geht es darum, welche Voraussetzungen private und gewerbliche Multicopter-Piloten erfüllen müssen und was sie nicht dürfen. Das sind die wichtigsten Regeln:

Nummernschild: Jedes Auto hat eines. So etwas ähnliches bekommen wohl auch praktisch alle Multicopter. Wiegt das Luftgefährt mehr als 0,25 Kilogramm, müssen Piloten eine Plakette mit ihrem Namen und ihrer Adresse anbringen. Nur manches Spielzeug-Modell wiegt weniger als 250 Gramm.

Führerschein: Bringt ein Multicopter 2 Kilogramm oder mehr auf die Waage, muss der Pilot nachweisen können, dass er über genügend Kenntnisse verfügt, das Luftgefährt zu beherrschen.

Starterlaubnis: Alle Multicopter mit einem Gewicht von 5 Kilogramm und mehr dürfen nicht mehr einfach so abheben. Piloten brauchen in diesem Fall eine Aufstiegserlaubnis. Für gewerbliche Piloten ist das eine Erleichterung. Sie brauchten bislang auch dann eine Erlaubnis, wenn das Fluggerät leichter als 5 Kilogramm war.

Nicht höher als 100 Meter: Außerhalb von Modellflugplätzen dürfen Piloten ihre Multicopter nur bis auf maximal 100 Meter steigen lassen. Ein Flug über dieser Marke ist grundsätzlich verboten. Eine behördliche Ausnahme ist aber möglich. Wie viel Luftlinie horizontal zwischen Multicopter und Pilot liegen darf, hängt von der Sicht ab. Generell müssen Multicopter immer in Blick-/Sichtweite fliegen.

Videobrille: Der Einsatz von Videobrillen wird leichter. Bisher durfte der Pilot in keinem Fall gleichzeitig eine Videobrille tragen, sondern brauchte stets einen Kameramann, der Live-Bilder von der Multicopter-Kamera kontrollierte. Die neue Verordnung erlaubt einen Flug mithilfe einer Videobrille, wenn der Multicopter nicht höher als 30 Meter steigt und nicht schwerer als 0,25 Kilogramm ist. Alternativ muss eine zweite Person Sichtkontakt zu Drohne behalten und den Steuerer auf Gefahren aufmerksam machen können.

Steigt der Multicopter nicht höher als 30 Meter und wiegt das Fluggerät nicht mehr als 250 Gramm, dürfen Piloten künftig eine Videobrille beim Fliegen tragen. Quelle: Ehang
Steigt der Multicopter nicht höher als 30 Meter und wiegt das Fluggerät nicht mehr als 250 Gramm, dürfen Piloten künftig eine Videobrille beim Fliegen tragen. Quelle: Ehang

Hier nicht fliegen: Die neue Verordnung listet Bereiche auf, wo Multicopter grundsätzlich nicht fliegen dürfen. Als Flugverbotszonen gelten Verfassungsorgane, Bundes- oder Landesbehörden, Kontrollzonen von Flugplätzen, Industrieanlagen, Wohngrundstücke, Naturschutzgebiete, Menschenansammlungen sowie Einsatzorte von Polizei und Rettungskräften.

Wie und woher bekommen Multicopter-Piloten einen Flugführerschein?

Das muss noch geklärt werden. Im Flyer zur Drohnen-Verordnung heißt es: „Der Nachweis wird entweder nach Prüfung durch eine vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannte Stelle erteilt oder bei Modellflugzeugen durch einen Luftsportverband nach einer Einweisung ausgestellt.“ Wie genau das Flugtraining aussehen soll und an welche Stelle sich Interessierte konkret wenden können, ist noch nicht bekannt.

Wer erteilt eine Aufstiegserlaubnis für Multicopter ab 5 Kilogramm?

Wie bisher auch, wird die Erlaubnis bei der zuständigen Landesluftfahrtbehörde ausgestellt. Welche das ist, unterscheidet sich je nach Bundesland. Die jeweiligen Anlaufstellen listet eine Broschüre des Bundesverkehrsministerium auf.

Ab wann gelten die neuen Regelungen?

Ein konkretes Startdatum gibt es nicht. Die Verordnung hat zwar die Kraft eines Gesetzes, allerdings muss in diesem Fall noch der Bundesrat zustimmen. Die nächste Sitzung des Verkehrsausschusses ist am 25. Januar 2017, die nächste Plenarsitzung am 10. Februar 2017. Ob die Regelungen zu weit oder nicht weit genug gehen, ist bei Verbänden sowie SPD und Grünen umstritten.

Änderungen vorbehalten.

Aufgegriffen 01 / 2017

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