Auf dem Weg zum Erfolg muss die Fotografie wehtun

© Fotograf: Johann Bergsteiner, Bussard im Flug, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Johann Bergsteiner, Bussard im Flug, Blende-Fotowettbewerb
Die Gründe, warum wir heute den Auslöser betätigen sind vielfältig was eben auch damit zusammenhängt, dass die Fotografie heute wesentlich mehr Aufgaben zu erfüllen hat, als noch vor einigen Jahren. Geht es einem darum, einzigartige Werke zu schaffen, die ein Spiegelbild der eigenen Schaffenskraft sind, die bei Fotowettbewerben herausstechen oder beispielsweise in Fotoausstellungen zum Blickfang werden, dann muss die Fotografie sicherlich auch ein Stückweit wehtun auf dem Weg zum Erfolg. Auf den ersten Blick steht dieses Wehtun natürlich konträr zu dem Spaß, mit dem der fotografische Prozess als solches verbunden ist. Dieses Wehtun, was sicherlich von vielen Fotografen so auch nicht empfunden wird, hat mit dem eigenen fotografischen Schaffensprozess zunächst nicht wirklich etwas zu tun. Es setzt sehr viel früher ein, beispielsweise dann, wenn morgens um 4 Uhr in der Früh der Wecker klingelt. Das ist nicht nur für viele Außenstehende, sondern auch für Fotobegeisterte eine unchristliche Uhrzeit, die wehtut, nach beispielsweise einer langen Arbeitswoche. Aber ohne dieses Wehtun geht es nicht, möchte man beispielsweise die Landschaft in der Morgendämmerung einfangen, bei einem einzigartigen Licht, dass man im Tagesverlauf nicht mehr so antreffen wird. Natürlich könnte man sich auch erst mittags nach dem Ausschlafen auf den Weg machen – dieses fotografische Werk wird jedoch allein durch die äußeren Bedingungen nur schwerlich das Prädikat überaus sehenswert erhalten.

© Fotograf: Markus Farnung, Sonnenaufgang - Blick nach Goßfelden, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Markus Farnung, Sonnenaufgang – Blick nach Goßfelden, Blende-Fotowettbewerb
Gute Fotografien und dies soll dieses Wehtun zum Ausdruck bringen, sind bei allem Spaß den die Fotografie macht, keine Selbstläufer. Natürlich gelingen hier und da auch immer wieder überaus sehenswerte Schnappschüsse, weil man zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und den Moment der Momente einfangen konnte. Wenigstens 95 Prozent, so unsere Schätzung, der überaus sehenswerten Aufnahmen setzen voraus, den inneren Schweinehund auf dem Weg dahin für sich zu überwinden. Natürlich spielt das Auge für Motive eine ebenso entscheidende Rolle wie auch der gekonnte Umgang mit der zur Verfügung stehenden Technik – aber all das nützt einem nichts, wenn man nicht zur richtigen Zeit vor Ort ist. Und das kann eben auch weh tun und das sogar mehrmals, wenn man beispielsweise einen Bussard im Flug wirkungsvoll in Szene setzen möchte. Nicht immer führt der erste Anlauf zum gewünschten Erfolg und man muss mehrere Anläufe nehmen. Das gehört zur Fotografie außerhalb des nebenbei Klicks zum Erfolg dazu.

Als Fotobegeisterte sollte man sich niemals von Außenstehenden auf seinem Weg beirren lassen. Natürlich trifft man hier und da auf Unverständnis – nun dieses hat man als Fotobegeisterter in vielen Situationen auch, wenn man so manches Handeln beobachtet wie das stundenlange spielen vor dem Computer beispielsweise.

Kommen wir noch einmal auf dieses Wehtun zurück, dass in diesem Moment vom Fotografen wahrscheinlich meistens so gar nicht empfunden wird. Dieses Wehtun bringt einfach zum Ausdruck, dass die Zutaten für tolle Fotos ebenso vielfältig sind wie die Glücksmomente und Anerkennungen, die sie anschließend verbreiten.

Aufgegriffen 05 / 2016

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3 Kommentare

Ein sehr schöner Artikel. Ja ein gutes Foto macht viel Mühe und bringt auch einigen Frust mit sich, aber die Freude über ein gutes Foto bleibt.

von Heidi Fischer
25. Mai 2016, 10:50:22 Uhr

Der obige kleine Artikel spricht mir aus der Seele! Und: Der "Schmerz" ist nicht schlimm und auch nur von kurzer Dauer. Die tollen Ergebnisse versprechen immer(!) eine schnelle Heilung!

von Torsten Klose
25. Mai 2016, 09:20:36 Uhr

guter Artikel der auch mal zeigt, dass tolle Fotos kein Selbstläufer sind und man dafür doch viel auf sich nehmen muss. Das tut aber nicht weh denn dazu ist der Spaß für mich genommen einfach viel zu groß. Der Aspekt ist aber richtig gut auch in Bezug auf den Respekt den Fotografen verdienen.

von Theresa W
23. Mai 2016, 14:03:53 Uhr

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