Bilder der großen Liebe: Früher zerrissen - und heute im Digitalzeitalter für immer und ewig?

© Fotograf: Helmut Greger, Ewige Liebe, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Helmut Greger, Ewige Liebe, Blende-Fotowettbewerb
Früher, ja früher setzt ein Blick zurück voraus – übrigens nichts Nachteiliges, liegt doch der Ursprung von heutigem nahezu immer in früherem. Die große Liebe – ob die erste, zweite, dritte – oder gar der Partner mit dem man den Bund der Ehe geschlossen hat, da dürfen früher wie auch heute Bilder von dem großen Glück nicht fehlen. Ausgedruckt im Sichtfenster des Portemonnaies immer mit dabei, den Kühlschrank zu Hause verzierend als Ort, den man am Tag mehrmals aufsucht, als Print an der Wand und/oder auf dem Schreibtisch und in Fotoalben liebevoll eingeklebt mit Herzen versehen. In diesen Punkten hat sich heute zu früher kaum etwas geändert. Gut, das Smartphone als ständiger Bildbegleiter ist hinzugekommen und statt der Fotoalben haben wir heute die Fotobücher.

Mit dem Liebsten beziehungsweise der Liebsten möchte man sich immer umgeben, sie immer bei sich haben – das Glück soll also immer greifbar sein. Brüche kann es trotz großer Liebe immer geben und so manchem Zorn fallen Fotografien dann zum Opfer. Sie werden nicht nur aus dem täglichen Leben verbannt, sondern sofern als Papierbilder vorliegend, sogar zerrissen, will man doch diese Zeitepoche dauerhaft löschen oder den neuen Partner damit nicht konfrontieren. Im Digitalzeitalter aktiviert so mancher sicherlich zudem die Löschtaste seines PCs – nichts mehr, aber auch gar nichts mehr soll an die frühere große Liebe erinnern. Im großen ersten Schmerz für manchen sicherlich nachvollziehbar ist das Löschen und Zerreißen von Bildern – so manchem tut dieses Handeln im Nachhinein aber auch leid. Also unser Rat lieber erst einmal aus dem Sichtfeld verbannen statt zerreißen oder löschen.

Sprechen wir von heute und nicht von früher, dann lassen wir heute durch die sozialen Netzwerke einen sehr viel größeren Kreis an unserer großen Liebe teilhaben. Natürlich sind es Bilder die von unserer großen Liebe erzählen. Sie sind das Sinnbild unseres Glücks, das wir in die Welt hinaustragen. Jeder soll es wissen, sind wir doch einfach im siebten Himmel. Wie Elena Caoduro, britische Medienwissenschaftlerin erforscht hat, hängen Nostalgie und soziale Medien eng zusammen. Dies ist auch der Grund dafür, dass auf Netzwerken wie Instagram persönliche Bereiche voller angenehmer Erinnerungen intensiv gepflegt werden. Je nach Netzwerk hat man die volle Kontrolle von dem, was man preisgibt. Dazu gehört natürlich auch die große Liebe mit den Schmetterlingen im Bauch – doch wenn diese verflogen sind, dann wollen viele die Spuren der Vergangenheit nicht mehr sehen. Zerreißen kann man diese Fotos wie Papierbilder nicht. Und löschen – geht theoretisch, aber bekannt ist, dass das Netz nicht vergisst.

Aufgegriffen 07 / 2016

26 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden