Bilderklau ist wie Ladendiebstahl

Bilderklau ist wie Ladendiebstahl

Wir würden in keinem Laden einfach mal so eine teure Uhr einstecken. Nicht einmal einen Apfel würden wir mitgehen lassen. Ganz gleich also, ob etwas teuer oder günstig ist, es steht uns nicht zu etwas, “ohne es zu bezahlen oder explizit als Geschenk zu erhalten”, aus einem Geschäft mitzunehmen. Denn das, was im Laden verkauft wird, sind “Produkte”. So sind es auch die Fotos von Fotografen.

Warum scheuen wir uns also davor, Produkte zu stehlen, drücken aber bei Bildern ein Auge zu? Gemeinsam mit Serge Licht, CEO des automatisierten Bildersuchtdienstes LAPIXA und dem Fotografen Johannes Knuth wollen wir Antworten auf diese Frage finden.

Fotografen sind stolz auf ihre Bilder

Das Glück, immer auf den ersten Drücker das perfekte Foto zu schießen, ist nur den allerwenigsten unter uns gegönnt. Meist steckt Recherche, harte Arbeit, Geduld, ein Mehraufwand an Kosten und Fingerspitzengefühl dahinter. Das perfekte Foto entsteht also nicht einfach so, sondern ist dem Einsatz und der Leidenschaft des Fotografen zuzuschreiben.

Bilderklau ist wie Ladendiebstahl

Natürlich ist man, hat man nun endlich das perfekte Bild geschossen, stolz aufs eigene Werk und man teilt es auf der eigenen Website und auf seinen eigenen Social Media Accounts. Oftmals auch mit dem Wunsch, anderen dieselbe Emotion zu verschaffen, wie die, die man selbst empfunden hat. Das ist einer der wundervollen Beiträge, den Fotografen an die Welt weitergeben.

Sieht man so ein schönes Foto, möchte man es natürlich auch gerne mit dem eigenen Netzwerk teilen oder auch für seinen eigenen Beitrag verwenden. Auch als Agentur sieht man die Chance, das perfekte Foto für die neue Kampagne gefunden zu haben.

Darf ich ein fremdes Bild teilen oder für kommerzielle Zwecke nutzen, das mir gut gefällt?

Jein: Das Bild einfach mal so ohne Angaben zum Eigentümer zu teilen oder gar zu kommerziellen Zwecken zu nutzen, ist ein NO-GO. Wenn Sie den Fotografen jedoch vorher fragen und seine ausdrückliche Zustimmung einholen sowie einen Urheberrecht-Vermerk unter das Bild setzen, dann dürfen Sie das Bild teilen.

Profi-Fotografen wissen, dass ihre eigenen Bilder, sofern sie nicht explizit Dritten die Verwendung Ihrer Bilder einräumen, ihr geistiges Eigentum sind und sie das exklusive Uhreberrecht darauf besitzen. Ihnen ist die Gesetzeslage daher mehr als klar, einen Verstoß dürfen sie getrost melden.

Serge Licht, CEO des automatisierten Bildersuchtdienstes, https://lapixa.de/
Serge Licht, CEO des automatisierten Bildersuchtdienstes LAPIXA

„Hobby-Fotografen, jedoch, wissen über die Gesetzeslage nicht immer genau bescheid oder verkaufen sich sozusagen unter ihrem Wert. Sie werden zwar auf den Bilderklau aufmerksam, sagen jedoch nichts. Damit schaden sie sich finanziell und im schlimmsten Fall auch ihrer sich gerade aufbauenden Reputation als Fotografen“, so Serge Licht.

Doch auch Personen, die die Bilder einfach schön und ansprechend finden oder sie passend für ihre eigenen Verwendungszwecke finden, wissen nicht immer über die genaue Gesetzeslage Bescheid. Sie sind dann natürlich peinlich.

Mehr als eine halbe Millionen Urheberrechtsverletzungen wurden im Jahr 2017 in Deutschland begangen. Viele davon unwissentlich, einige davon durchaus bewusst.

„Diejenigen, denen es durchaus bewusst ist, hält es auch nicht davon ab, Urheberrechtsverstöße zu begehen. Alleine auf unserem Bildrechteportal verfolgen wir monatlich zahlreiche Copyright-Verstöße und bekommen dann allerhand Ausreden zu hören oder zu lesen“, so Serge Licht.

Ausrede #1: Es sollte doch ein Kompliment an den Fotografen sein und das sollte ausreichend sein.

Komplimente zahlen weder die Miete, noch das Equipment, noch die Reisen, die Fotografen für verschiedene Aufträge tätigen. Selbstverständlich freut es jeden Fotografen, wenn das eigene Bild geschätzt wird und man damit Menschen eine Freude machen konnte. Doch wie schon Anfangs erwähnt, ist jedes Bild ein Produkt des Fotografen, das genauso von Wert ist, wie das Produkt im Geschäft. „In erster Linie lebe ich von der Fotografie. Ich mache es also nicht als Hobby. Wir leben in Zeiten, wo auch die fotografische Leistung inflationär ist. Für Menschen, die davon leben, ist es daher essenziell, den Wert des eigenen Fotos zu schützen“, so Johannes Knuth.

Profifotograf Johannes Knuth (http://www.johannesknuth.com)
Profifotograf Johannes Knuth

Privatpersonen, die Bilder ohne vorherige Rücksprache mit dem Eigentümer verwenden, schaden Fotografen wirtschaftlich weitaus weniger, als Unternehmen oder Agenturen, die sich kostenfrei an den Bildern bedienen: „Vor allem Unternehmen, die Produktbilder benötigen oder professionelle Blogger sind oftmals nicht bereit, für gutes Bildmaterial Geld zu bezahlen“, erläutert Serge Licht die Sparsamkeit derjenigen, die sich den Erwerb eines Fotos durchaus leisten könnten und fügt hinzu „wenn so etwas passiert, dann ist das einfach nur dreist“.

Johannes Knuth teilt diese Einstellung: „Für mich ist es dann Bilderklau, wenn die Bilder eingesetzt werden, um Umsätze zu generieren.“

Was können Fotografen tun, um ihre Bilder zu schützen?

Hier gilt, besser zu viel, als zu wenig. Am besten ist es immer noch die ganz offensichtliche Variante, auch wenn sie optisch nicht die Schönste ist: ein Wasserzeichen hinter das Bild zu platzieren. Obwohl es heutzutage durchaus so einige Photoshop-Profis gibt, ist es doch eher unwahrscheinlich, dass sich jemand die Mühe macht und das Wasserzeichen heraus-retuschiert.

Da das Finden des eigenen Bildes meist eher einem Zufall oder einem Hinweis von Außerhalb zu verdanken ist, wurden mittlerweile schon spezielle Reverse-Image-Search-Algorithmen entwickelt. Dabei können Fotografen einfach ein Bild hochladen und weltweit auf copyright-Verstöße prüfen lassen. Dabei gleicht der Algorithmus das Originalbild mit möglichen Plagiaten ab und kann diese selbst dann identifizieren, wenn sie freigestellt, zugeschnitten, gespiegelt oder in schwarz-weiß umgewandelt wurden.

„Wir raten jedem Fotografen, der eindeutig beweisen kann, dass die Bilder ihnen gehören, zu einem Online-Check. Damit können Sie genau nachvollziehen, wo ihre Bilder im Web verwendet werden. Es werden auch die Quellen angezeigt, mit denen die Fotografen bereits Lizenzvereinbarungen haben. So kann jeder selbst entscheiden, in welchem Fall er weitere – eventuell juristische – Schritte einleiten möchte. Damit muss wirklich kein Fotograf mehr seine Bildrecherche auf eigene Faust betreiben“, so Serge Licht.

Wenn jeder das Bild eines Fotografen genauso wie das tolle Produkt im Geschäft betrachtet, wird sich der Bilderklau deutlich reduzieren.

Aufgegriffen 07 / 2018

1 Kommentare

Sollte das Urheberrecht für Fotografen eingeschränkt oder sogar abgeschafft werden, hätte ja eine ganze Branche wieder eine wichtige (?) Einnahmequelle verloren, die Rechtsanwälte. Dieses sind doch geradezu versessen auf derartige "unklare Rechtsverhältnisse" - siehe als Beispiel "Refugees" oder Internet-Abmahner. Damit läßt sich doch auf leichte Weise viele Geld losschlagen.

KielFoto

von KielFoto
18. Juli 2018, 15:09:47 Uhr

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