Echte Fotoprofis - Der manuelle Modus und der perfekte Moment

Entzauberung einiger Mythen rund um die Fotografie

© Fotograf: Heike Storch, Abendlicht im Watt..., Blende-Fotowettbewerb
Heike Storch, Abendlicht im Watt…, Blende-Fotowettbewerb

Sich fotografisch zu verwirklichen, war noch nie so einfach wie derzeit. Selbst Einsteiger-Kameras bieten einen Strauß an Steuerungsmöglichkeiten. Dazu gehören diverse Aufnahmeprogramme vom Sonnenauf- bis -untergang, Kamera-Vollautomatik (mit A oder iA abgekürzt), Teilautomatiken und schließlich ein manueller Modus (M), bei dem alle Einstellungen vom Fotografen vorgenommen werden. Es herrscht in Bezug auf diesen M-Modus leider die verbreitete Annahme, dass „echte“ Fotografen nur in diesem Modus fotografieren würden. Der Automatikmodus trage zurecht die Abkürzung iA, da er die Eselseinstellung sei.

M-Modus entzaubert

Dies sei an dieser Stelle ein für alle Mal aus der Welt geräumt: Die meisten professionellen Fotografen „kleben“ nicht am M-Modus, sondern nutzen auch die vielfältigen anderen Varianten ihrer Kameras bis hin zum Automatikmodus. Erscheint es in der Situation sinnvoll, dann wird der M-Modus natürlich gewählt. Nur weil Profifotografen in der Regel den manuellen Modus beherrschen, heißt es eben noch lange nicht, dass sie nicht um die Vorzüge und Annehmlichkeiten der Automatik sowie Teilautomatik wissen. Letztlich sind Blende und Belichtungszeit ja ein festes Paar, das sich aus der jeweiligen Lichtsituation ergibt. Eine Trennung, die der manuelle Modus bietet, ist nur in wenigen Fällen nötig. In den allermeisten Situationen wird man auch mit aufwändigem Messen plus händischer Einstellung zu den gleichen Paaren kommen wie beim (Teil)automatik-Modi einer soliden Kamera.

Geschwindigkeitsvorteil bei (Teil)automatiken

© Fotograf: Thomas Betz, Blitzlicht, Blende-Fotowettbewerb
Thomas Betz, Blitzlicht, Blende-Fotowettbewerb

Die händische Einstellung kostet mehr Zeit – selbst für einen Profi, der sehr versiert in der Bedienung ist, können es die Millisekunden sein, in denen das Motiv schon nicht mehr optimal einzufangen ist. Amateure unterschätzen häufig, wie lange das manuelle Einstellen dauert. Was vor lauter Konzentration auf die Technik dann schnell verloren geht, ist der Spaß und die Konzentration auf das Motiv und damit auf das Wesentliche. Fototrainer berichten immer wieder, dass sie nicht selten Amateure gesehen haben, die vor lauter Einstellen am Schluss den besten Moment für die Aufnahme verpasst haben.

Fazit: M darf, aber muss nicht

Kameraautomatiken sind heute so gut, dass man ihnen in der Regel blind vertrauen kann. Wer heute noch denkt, er sei manuell schneller und besser als die in der Kamera verbaute Elektronik, der hat schlichtweg den technischen Fortschritt verschlafen. In welchem Kameramodus fotografiert wird lässt keine Aussage über die eigene fotografische Qualität zu. Man sollte sich also nicht ins Bockshorn jagen lassen. Das Motiv und der Spaß sollten in der Fotografie im Vordergrund stehen. Wenn die perfekte Aufnahme im Automatik-Modus eingefangen wurde, so sieht man ihr das im Nachhinein nicht an – außer man schaut in die Exif-Daten.

© Fotograf: Günther Stutz, Schattensprung, Blende-Fotowettbewerb
Günther Stutz, Schattensprung, Blende-Fotowettbewerb

Wer sich damit gut und sicher fühlt, dem sei das spielerische Ausprobieren der Teilautomatiken für Blende und Zeit empfohlen. Sie helfen enorm, auch um ein Gefühl hinsichtlich des Möglichen zu erhalten und bieten den Allermeisten einen guten Kompromiss aus Gestaltungsspielraum und Einstellgeschwindigkeit. Und auch der M-Modus hat seinen Platz, wenn man sich intensiv ins Metier einarbeitet. Er ist sehr hilfreich, um die Grundlagen der Fotografie zu lernen. Aber es kann durchaus sein, dass man ihn in seinem jeweiligen Lieblings-Sujet nur extrem selten einsetzen muss oder möchte. Letztlich ist es mit der Fotografie so wie beim Essen: Man kann sich auch gesund ernähren und ein echter Gourmet sein ohne einen Fond selbst zu kochen oder sein Getreide selbst zu mahlen.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Blende, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

Blende bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Aufgegriffen 03 / 2018

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