Facebook - Nicht sichtbar heißt nicht gelöscht

24 Stunden sichtbar - aber die Dateien sind dann schon in der Welt
24 Stunden sichtbar – aber die Dateien sind dann schon in der Welt
Mit der neusten Version der Facebook-App für iOs und Android hat das soziale Netzwerk Features für Vergängliches eingeführt. Fotos und Videos lassen sich einen Tag lang anzeigen, bevor sie automatisch wieder aus der Chronik verschwinden. Aber was heißt „verschwinden“? Man könnte dem Trugschluss aufliegen, die Inhalte würden für immer verschwinden.

Snapchat hat es vorgemacht, Facebook zieht nach: Nachrichten aus Bildern und Videos, die von selbst wieder verschwinden. Man kann der Welt etwas mitteilen, das nur eine bestimmte Zeit verfügbar sein wird. Aber sind die Daten dann auch wirklich weg? Wohl eher nicht. Snapchat-User haben das bereits gemerkt, als hunderttausende Dateien eben doch nicht weg waren, sondern von Hackern veröffentlicht wurden – lange, nachdem sie in die Welt gesetzt worden waren. Man will zu sehr daran glauben, dass Daten im Internet auch vergänglich sein können, aber das sind sie eben nicht. Was einmal online ist, ist im Zweifel nie wieder löschbar.

Dabei bedarf es gar nicht erst eines Hacker-Angriffs, der wie bei Snapchat beispielsweise entweder über eine fingierte Website ausgelöst wurde oder über die Apps von Drittanbietern Zugriff auf die Daten der User ermöglichte. Man muss sich nur klar darüber sein, dass Bilder, die irgendwo angezeigt werden, da schon einmal auf dem Ausgabegerät vorhanden sind. Klar, um ein Foto anzuschauen, muss es zunächst einmal heruntergeladen und lokal zwischengespeichert werden. Damit ist das Bild in der Welt und jeder, der es gesehen hat, hat es auch heruntergeladen.

Facebooks neue Feature sind in der Kamera integriert
Facebooks neue Feature sind in der Kamera integriert
Nun bedarf es nicht wirklich großer technischer Kenntnisse, um ein einmal heruntergeladenes Bild abzuspeichern. Am Computer reicht meist die rechte Maustaste mit der Option, das Bild lokal zu speichern. Und wenn das nicht geht, dann tut’s auch ein Screenshot. Der ist genauso schnell erstellt und, wenn er auch vielleicht etwas verkleinert ist, er hat alle Bild-Informationen. Wer da glaubt, ein Bild verschwinde wieder, nur weil es in der Facebook-Chronik nicht mehr sichtbar ist, befindet sich ganz sicher auf dem Holzweg.

Hinzu kommt noch eine Unklarheit, zu der es von Facebook keine Aussage gibt. Dort wird zwar beschrieben, dass solche vorübergehenden Fotos nach 24 Stunden nicht mehr in der Chronik sichtbar sind. Unklar ist allerdings, ob die Bilder (und Videos) auch tatsächlich gelöscht werden. Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Facebook diese Dateien eben nicht löscht, sondern nur auf unsichtbar stellt, sie in den Datenbanken aber in Wirklichkeit noch vorhanden sind. Abgesehen davon, dass jemand nur wenig kriminelle Energie aufwenden muss, um wie bereits beschrieben Bilder zu vervielfältigen, kann es also durchaus sein, dass solche Dateien irgendwann wieder zum Vorschein kommen – ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt ist dabei zweitrangig.

Auch Direktnachrichten verschwinden nicht von alleine
Auch Direktnachrichten verschwinden nicht von alleine
Das Problem, dass sich Dateien im Internet nicht mehr löschen lassen, ist nicht neu. Eine Lösung gibt es bislang aber nicht. Da mag der Vorschlag, Bilder verschlüsselt bereit zu stellen und so die Möglichkeit zu haben, mit Entfernung des zentral verwalteten Schlüssels die Bilder tatsächlich unbrauchbar zu machen, prinzipiell vernünftig klingen. Tatsächlich basiert dieser Vorschlag aber auf der Annahme, dass Bilder immer nur im Original weitergegeben werden. Sobald das Bild neu abgespeichert oder mit Hilfe eines Screenshots vervielfältigt wird, bringt auch die Verschlüsselung nichts mehr. Verschlüsselte Nachrichten oder E-Mails sind eine feine Sache, da kann im Bestfall nur der Empfänger eine Nachricht vervielfältigen und so die Verschlüsselung umgehen. Ein Foto, das aber zuerst einmal auf hunderten oder tausenden Endgeräten gezeigt wird, ist da schon viel zu weit gestreut, um noch wirkungsvoll Zugriff darauf zu haben.

Am Ende bleibt nur die Möglichkeit, außer harmlosen Fotos nichts online zu stellen. Wer denkt, mal richtig auf den Putz hauen zu können, weil das Video oder Foto am Montagmorgen wieder weg ist, kann böse Überraschungen erleben. Man sollte sich also genauestens überlegen, welche Bilder und Videos man hochlädt, denn nicht sichtbar heißt nicht automatisch gelöscht.

Aufgegriffen 04 / 2017

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