Fotografie: Andere Länder, oftmals andere Regeln

Wir kennen alle den Ausspruch „Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu erzählen“ und zwar bevorzugt in Form von Fotos. Sie vermögen das Gesehene und Erlebte am eindringlichsten zu konservieren sowie zu erzählen – Wie heißt es doch so schön: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Hier in Deutschland genießen Fotobegeisterte hinsichtlich dessen, was alles fotografiert werden darf, im Vergleich zu anderen Ländern große Freiheiten. Dies liegt u.a. mit an der recht weitgehenden Panoramafreiheit. Diese gestattet, dass Bau- und Kunstwerke im öffentlichen Raum fotografiert und die Bilder in sozialen Netzwerken verbreitet und sogar für kommerzielle Zwecke genutzt werden dürfen. Natürlich gibt es in Deutschland auch Ausnahmen – Schilder machen in der Regel dann darauf aufmerksam. Ein Beispiel ist der Landschaftspark Duisburg. Alles darf fotografiert werden. Sobald jedoch die Aufnahmen kommerziell genutzt werden sollen, muss man sich mit den Verantwortlichen in Verbindung setzen und die Modalitäten vereinbaren.

Heinz Peter Dickmann, Aufwärts zur Zeche Zollverein, Blende-Fotowettbewerb
Heinz Peter Dickmann, “Aufwärts” zur Zeche Zollverein, Blende-Fotowettbewerb

Bei aller Panoramafreiheit in Deutschland – teilweise übrigens auch in Österreich und der Schweiz – dürfen Grenzen nicht überschritten werden. Dazu gehört beispielsweise das Betreten von Privatgelände ohne Einwilligung des Besitzers. Denken wir hier nur an den Fotoschwerpunkt Lost Places – Bei den veröffentlichen Aufnahmen sieht man oftmals keine Angaben zum Ort, denn das würde einen der strafbaren Handlung überführen. Der weitere Grund ist natürlich, dass man damit auch versucht „Gruppenreisen“ zu diesen Orten zu verhindern.

Kommen wir zum Kunstwerk am Beispiel von Tattoos. Fotografieren darf man diese – bei der Verbreitung existieren gegebenenfalls Einschränkungen. Steht ausschließlich das Tattoo im fotografischen Blickpunkt und wird diese Fotografie beispielsweise über die sozialen Netzwerke verbreitet, dann kann eine Urheberrechtsverletzung vorliegen, wenn man zuvor nicht das i.O. vom Tätowierer eingeholt hat.

Fazit: Das Fotografieren als solches ist bis auf wenige Ausnahmen in Deutschland nahezu überall erlaubt. Über die Verbreitung sowie die kommerziellen Nutzung sollte man sich vorab bezüglich möglicher Verstöße informieren. Bei Personenaufnahmen gilt das Recht am eigenen Bild. Dies ist zu beachten, wenn Aufnahmen von Personen den privaten Raum verlassen.

Andere Länder – Was ist erlaubt und was nicht

Geht es über die Grenzen Deutschlands hinaus so kann der Rat nur lauten, sich vorab zu informieren, was man als Fotobegeisterter in jedem Fall beachten sollte und wo Fotografierverbot vorliegt. Daran sollte man sich halten, denn es kann ansonsten ungemütlich werden und zwar nicht nur von Seiten der Behörden, sondern beispielsweise auch von Gläubigen oder Drogenhändlern – letztgenannte haben verständlicherweise kein Interesse an der Streetfotografie.

Michael Kästner, Kubus, Blende-Fotowettbewerb
Michael Kästner, Kubus, Blende-Fotowettbewerb
Blick über die Dächer der Kubushäuser von Rotterdam. Der Architekt Piet Blom hat hier in einem einzigartigen Projekt das Leben in Würfelhäusern möglich gemacht.

In der Regel sind Menschen Fotobegeisterten gegenüber sehr aufgeschlossen. Wichtig ist, sie mit einzubeziehen. Wie hier zu Lande ist auch im Ausland den Abgelichteten gegenüber der nötige Respekt entgegenzubringen. Die Sitten sowie Bräuche sind zu beachten sowie zu respektieren. Es gibt durchaus Länder in denen abgelichtete Personen meinen, dass man ihnen die Seele raubt, wenn man sie fotografiert. In Ländern wie beispielsweise Brasilien, Guatemala oder den USA sollte man fremde Kinder nicht fotografieren. Die Gründe dafür liegen in der Angst vor Kinderpornografie und Kinderraub. Seine eigenen Kinder kann man natürlich fotografieren, aber bitte nur bekleidet.

In fast allen Ländern ist das Fotografieren von Militäranlagen und Gebäuden von Regierungsmitgliedern verboten. Unzulässig ist vielerorts zudem das Fotografieren in Bahnhöfen oder von Brücken aus. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sollte man das Fotografieren vom Herrscherpalast ebenso unterlassen wie von Industrieanlagen. Führt einen die Reise nach Saudi Arabien zu den beiden heiligen Moschen, so kann die Kameraausrüstung getrost in der Fototasche verbleiben, liegt hier Fotografierverbot vor.

Falk Bersch, Verkehr in Yazhou, Blende-Fotowettbewerb
Falk Bersch, Verkehr in Yazhou, Blende-Fotowettbewerb

Kommen wir noch einmal zur Panoramafreiheit zurück. Das Fotografieren ist vielfach nicht verboten, dafür aber die Verbreitung der Aufnahmen untersagt. Der Eiffelturm ist so ein Beispiel. Am Tag fotografiert, kann man die Aufnahmen in den sozialen Netzwerken verbreiten. Anders verhält es sich, wenn der Eiffelturm nachts mit Beleuchtung fotografiert wird. Da die Beleuchtung geschützt ist, dürfen die Aufnahmen vom angestrahlten Eiffelturm nicht verbreitet werden.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Weitere Informationen zum laufenden Fotowettbewerb „Blende 2017“.

Aufgegriffen 07 / 2017

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