Fotografieren barrierefrei - Wie kann man sich mit Handicap das Foto-Leben leichter machen?

Mit ein paar Tipps und Tricks ist das barrierefreie Fotografieren heute problemlos möglich

Fotograf im Rollstuhl | Foto: istockphoto

Die Fotografie ist eine körperliche Betätigung, die dann herausfordernd sein kann, wenn körperliche Einschränkungen vorliegen. So sind beispielsweise grundsätzlich funktionstüchtige Hände notwendig, um die Kamera halten und perfekt auf das Motiv auszurichten sowie auslösen zu können. Jeder der schon einmal kurzfristig eine Handverletzung hatte weiß um die Einschränkungen. Oder wie sieht es mit dem Fotospaß aus, wenn die Beine nicht mehr so wollen oder wegen einer Verletzung an der Halswirbelsäule jedes Gramm mehr an Gewicht zur Tortour wird? Körperliche Einschränkungen bedeuten heute nicht mehr, der Fotografie nicht aktiv nachgehen zu können. Mit einigen Tricks ist das barrierefreie Fotografieren heute für immer mehr behinderte Menschen kein Problem mehr.

Erster Schritt: Gewicht reduzieren

Ob wegen eines Zipperlein in der Schulter oder ernsthaften körperlichen Beeinträchtigungen: Wenn der Körper nicht mehr so will, wie man es gerne hätte, dann leidet gegebenenfalls auch das Fotohobby. Auf Wanderungen und Ausflügen wiegt dann jedes Gramm mehr an Gewicht schwer. Ratsam ist, das Gewicht von Kamera und Zubehör zu reduzieren. Dazu gibt es mittlerweile zum Glück viel Auswahl an leichten und dennoch qualitativ hochwertigen Kameramodellen. Man muss also nicht auf eine Smartphone-Kamera als vermeintlich leichteste Alternative ausweichen, denn dort ist der nötige Kompromiss in Sachen Qualität und Flexibilität immer noch sehr hoch. Hochwertige kompakte Sucherkameras punkten dagegen mit geringem Gewicht und hoher Bildqualität auch bei schwachem Licht. Mit Wechseloptik sind mittlerweile sogar Systemkameras für unter 500g erhältlich. Selbst bei chronischen Nackenschmerzen oder einer Verspannung in der Schulter oder schmerzenden Händen kann ein solches Modell in den meisten Fällen problemlos genutzt werden. Ambitionierte Fotografen wissen auch zu schätzen, dass die Objektive deutlich kleiner und leichter sind. Selbst mehrere Festbrennweiten bringen nur weniger als 500g auf die Waage.

Mehrere Festbrennweiten bringen weniger als 500g auf die Waage | Foto: Petra Vogt

Wer also gerne mit Brennweiten spielt, kommt selbst bei einer umfangreichen Ausrüstung mit noch mehr Objektiven nur auf weniger als zwei Kilogramm. Spiegelreflexfotografen dagegen liegen bei ähnlichen Brennweiten-Bereichen schnell bei über fünf Kilogramm. Kompaktkameras bringen je nach Modell ein Gewicht ähnlich der kompakten Systemkameras auf die Waage. Es gibt unter ihnen auch sehr leichte Vertreter – in der Regel ist bei diesen Modellen der Funktionsumfang jedoch reduziert. Wer nur Videos machen möchte, dem sei eine ActionCam empfohlen. Diese sind nicht nur stoßfest und wasserdicht, sondern vor allem sehr klein und leicht.

Ein noch so leichtes Kameraequipment kann beim Transport ins Gewicht fallen, wenn das Augenmerk beim Kauf einer Fototasche beziehungsweise einem Rucksack nicht auf einem hohen Maß an Tragekomfort liegt. Die Auswahl ist heute gigantisch und die Zahl an ergonomisch perfektionierten Ausführungen nimmt zu. Beim Kauf sollte man seine Ausrüstung mitnehmen und Fototasche beziehungsweise Rucksack dem Praxistest unterziehen. Auch ein passender Kameragurt hilft während der Fototour unter anderem die Halswirbelsäule zu entlasten.

Gewicht abgeben mit Hilfe eines Stativs

Stativ-Variante in Form eines Wanderstocks mit speziellem Griff | Foto: Hildegard Pluta

Wer nicht mehr so gut laufen kann und für seine Spaziergänge auf einen Wanderstock zurückgreifen muss, der wird sich in der Regel nicht mit einem Stativ belasten wollen. Die Imaging-Hersteller haben die perfekte Lösung mit einer einbeinigen Stativ-Variante in Form eines Wanderstocks mit speziellem Griff. Damit ist das Stativ keine zusätzliche Last, sondern bietet sogar Unterstützung bei langen Strecken. Ein solches Monopod ist geeignet, wenn man seine Kamera noch zeitweise halten kann und sie vor allem auf längeren Wanderstrecken einsetzt.

Stativ-Variante in Form eines Wanderstocks mit speziellem Griff von Novoflex | Foto: Novoflex

Wie man seine Hände entlasten kann

Wer beim Fotografieren die Hände voll entlasten möchte beziehungsweise muss, für den bietet sich das klassische Dreibeinstativ an. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass man es mit seiner Handbehinderung gut bedienen kann. Die Schnellverschlüsse, um die Stativbeine zu verlängern beziehungsweise zu kürzen, sind ebenso eine geniale Erfindung wie die Schnellwechselkupplung, um die Kamera in Sekundenschnelle vom Stativ zu entfernen. Beim Kauf gilt der Grundsatz: Je preisgünstiger und je stabiler, desto schwerer. Wer weniger tragen kann, dem sei ein hochwertiges Carbon-Stativ empfohlen, das bei hoher Stabilität nur wenig auf die Waage bringt. Allerdings muss man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen.

Kamera am Rollstuhl befestigen

Wer auf eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl angewiesen ist, der kann auf ein Stativ zurückgreifen, das am Rolli befestigt wird. Dazu bieten sich vor allem zwei Varianten an: Ein Flex-Stativ hat biegbare Füße und kann damit schnell und flexibel an verschiedenen Stellen montiert werden. Alternativ findet man im Studio-Zubehör spezielle Gelenkarme, die eigentlich dafür gemacht sind, Beleuchtungs-Zubehör im Studio zu fixieren. Da sie auf das Anstecken an Rohren ausgelegt sind, eignen sie sich aber auch prima für den Rollstuhl oder Rollator. Nebenbei bieten solche Stative direkt am Rolli auch noch ungewöhnliche Perspektiven. Hat man Probleme beim anvisieren seines Motivs über den Kamerasucher, so bieten nahezu alle aktuellen Kameramodelle die Option, der Kamerasteuerung über ein Smartphone oder Tablett. Über deren Displays ist auch die Motivbegutachtung garantiert.

Wenn die Hände nicht so wollen – wie bediene ich dann meine Kamera?

Immer mehr Modelle unter den Kompaktkameras sowie den kompakten System- und Spiegelreflexkameras können heute mit Hilfe einer App ferngesteuert werden. Dort lassen sich Belichtungsmessung, Weißabgleich und alle weiteren Einstellungen regeln sowie die Kamera auch auslösen. Falls diese Funktion nicht vorhanden ist, sollte zur bequemen Bedienung ein passender Fernauslöser nicht fehlen. Für die meisten Kameras gibt es kompatible Modelle, die zwar typischerweise mit der Hand betätigt werden, aber ebenso etwa auch mit dem Fuß genutzt werden können. Ist auch das nicht mehr möglich, kann man auf den Einsatz von Apps ausweichen, die eine Sprachsteuerung der Smartphone-Kamera erlauben. Bei einigen Android-Modellen kann sowohl ein Foto, als auch ein Video durch Sprachbefehle wie „Lächeln“, „Aufnahme“ und „Klick“ aufgenommen werden.

Fazit: Es ist möglich!

Auch wenn das Fotografieren bei einer körperlichen Beeinträchtigung deutlich erschwerter ist, muss man auf das geliebte Fotohobby dank moderner Technik nicht verzichten. Mit ein paar Tipps und Tricks ist das barrierefreie Fotografieren heute problemlos möglich und der Fotospaß ist garantiert.

Aufgegriffen 05 / 2018

1 Kommentare

Ein wunderbarer Bericht den ich nur bestätigen kann ! Kürzlich war ich mit meiner Nikon 1 aufgeschraubt auf ein Einbahnstativ in der Bahn unterwegs da wurde ich Zeuge folgenden Gesprächs einiger Jugendlicher : Ey Digga , kuck mal was der Alte da für einen geilen "Selphystik" dabei hat den will ich auch haben ! Gruß aus Hamburg

Hans Lachmann

von Hans Lachmann
30. Mai 2018, 16:26:48 Uhr

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