Fotografieren ohne Fehler … Langweilig!?

© Fotograf: Paula Hardt, Blattperspektive, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Paula Hardt, Blattperspektive, Blende-Fotowettbewerb
Im Zusammenhang mit der Fotografie ist oftmals von Fehlern die Rede – aus unserer Sicht wenig inspirierend und womöglich hier und da auch ein Spaßkiller. Und wir stellen uns auch die Frage, ob es bei einem so kreativem Prozess wie dem Fotografieren nicht mitunter auch ein stückweit anmaßend ist, von Fehlern zu reden. Jeder Fotobegeisterte hat Spaß am Fotografieren und natürlich an seinen Aufnahmen. Da ist oft nicht immer alles perfekt, aber kommt es denn darauf wirklich immer an? Wissen wir als Außenstehende denn immer, was die Intention des Bildschaffenden ist – bisweilen bleibt dies sein Geheimnis. Und die Diskussion, was ein gutes Bild ist, ist bekanntlich nahezu so alt wie die Fotografie selbst.

© Fotograf: Hanna Heuer, Kunst auf der Straße, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Hanna Heuer, Kunst auf der Straße, Blende-Fotowettbewerb
Glücklich kann man sich übrigens dann schätzen, wenn man schon lange Fotografiert – insbesondere fotografischen Einsteigern werden nämlich bevorzugt Anfängerfehler nachgesagt. Unser Rat an alle Einsteiger: Lasst Euch nichts einreden, sondern spielt mit den großen Vorteilen, die sich für Euch daraus ergeben, dass Ihr „Grünschnäbel“ seid. Ihr, so unsere Erfahrung, seit oftmals extrem neugierig und experimentierfreudig. Das bedingt dementsprechend unkonventionelleres Handeln ebenso wie eine gewisse Unbekümmertheit. Dazu gehört auch, dass bestehende fotografische Regeln auch aus Unwissenheit gebrochen werden. Das ist gut so, denn daraus entwickeln sich mitunter auch ganz neue Trends mit Inspirationpotential – auch für die „alten“ Fotohasen. Wir möchten natürlich jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass diese nur an Bewehrtem festhalten.

© Fotograf: Fynn Knebel, Beste Freunde, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Fynn Knebel, Beste Freunde, Blende-Fotowettbewerb
Kommen wir noch einmal auf die Angst zurück – Angst vor Neuem kann sicherlich vorkommen, aber bitte nicht im Zusammenhang mit der Fotografie. Was wäre das für eine Grundlage und warum sollte man beispielsweise Angst vor der ersten und/oder neuen Kamera haben. Angst vor Fehlern – das gibt es bestimmt und zwar dann, wenn es um elementare Dinge/Entscheidungen geht. Aber doch nicht in Bezug auf die Fotografie. Ein schiefer Horizont, die falsche Belichtungszeit, ein leerer Akku, die fehlende Speicherkarte sind Ärgernisse, aber doch keine Fehler vor denen man Angst hat. Und wenn man bei Fehlern sprachlich unbedingt bleiben möchte, so kann man doch aus diesen lernen und somit seine Kenntnisse verbessern. Wer Angst davor hat – sofern dem überhaupt so ist – Fehler vorgehalten zu bekommen, der wird über kurz oder lang den Spaß an der Fotografie verlieren und die öffentliche Präsentation der eigenen Bilder einstellen. Das wäre mehr als schade.

© Fotograf: Alena Klauke, Dancing in the street, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Alena Klauke, Dancing in the street, Blende-Fotowettbewerb
Wir fragen uns, was all jene beabsichtigen, die im Zusammenhang mit der Fotografie immer wieder die Angst und natürlich auch Fehler thematisieren. Wir erachten das als kontraproduktiv und versetzen uns gerade in die Situation des fotografischen Einsteigers. Dieser muss doch zwangsläufig denken, dass er ganz viele Lehrjahre durchschreiten muss, bis seine Aufnahmen nicht mehr Fehlerbehaftet sind. Ja und am besten bucht er mit dem Kameraerwerb auch gleich noch einen Therapieplatz, damit er Herr über die Angst vor möglichen fotografischen Fehlern wird.

Ein möglicher Grund, warum womöglich Fehler von Anfängern so gerne thematisiert werden, könnte auch daran liegen, dass die „alten Hasen“ die junge Konkurrenz fürchten. Die „jungen Wilden“ gehen, so unsere Erfahrung, viel intuitiver mit der Technik von heute um. Daraus ergeben sich womöglich Vorteile und auch eine neue Bildsprache, um die sie beneidet werden.

Aufgegriffen 04 / 2016

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3 Kommentare

kann es nicht auch sein, dass manche so gern von Fehlern reden und schreiben weil sie hoffen, dass man ihnen dann zuhört. Den Eindruck habe ich manchmal.

von Anne
08. April 2016, 10:13:57 Uhr

Danke für den Artikel. Ich kenne einige, die nicht mehr fotografieren weil ihnen immer irgendwas fehlerhaftes bei ihren Aufnahmen vorgehalten wird. Abschreckend finde ich auch, wenn dann so Kommentare kommen das musst Du so und so machen. Wenn man danach fragt ist das iO aber ansonsten nimmt es mir den Spaß

von Marcus
08. April 2016, 10:10:02 Uhr

Fehler sind keine neue Bildsprache. Bilder von 'jungen Wilden' erkennt man schon wenn alte Bildgestaltungsregeln gebrochen werden. Bei manchen klappt es, bei manchen nicht. Viele "Junge Wilde" machen aber auch nur den Stil von den Eltern nach.

von Detlev Motz
08. April 2016, 09:31:59 Uhr

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