Fotos verpixeln ist nicht mehr sicher - Verpixelten Bildern wieder Gesichter geben

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Links das verpixelte Bild – in der Mitte das berechnete Gesicht – rechts das Originalbild

Wer auf Fotos etwas verbergen will, beispielsweise ein Gesicht, greift oft zur Methode des Verpixelns. Im Photoshop ist dies der wohlbekannte „Mosaik“-Filter. Dabei werden Informationen aus dem Bild entfernt, mehrere Pixel zu einer Fläche zusammengefasst, das Originalbild ist nicht mehr vorhanden. Allerdings ist diese Methode nicht mehr sicher. Forschern von Google ist es gelungen, aus verpixelten Bildern wieder Gesichter zu berechnen. Und die Ergebnisse sind erschreckend wirklichkeitsgetreu.

Dabei haben die Forscher nicht etwa das Originalbild in irgend einer Form wieder hergestellt, sondern tatsächlich nur auf Bilder zurückgegriffen, die bereits verpixelt waren, denen also Informationen fehlten, wie sie in einem Blogbeitrag berichten. Allerdings kann das System bisher nur in beschränktem Umfang ermitteln, was sich hinter einzelnen Mosaikflächen verbirgt. Und tatsächlich wollten die Forscher damit nicht etwa unkenntlich gemachte Fotos wieder herstellen, sondern verfolgen einen ganz anderen Zweck.

Wie sie ausführen, kann die Technologie nicht etwa nur unkenntlich gemachte Gesichter wieder herstellen, sondern auch andere Bilder wieder zusammensetzen. Und damit wird ein ganz praktischer Nutzen der Technologie offensichtlich: Künftig könnte eine Menge Speicherplatz gespart werden. Denn wenn es eine Technologie gibt, die zuverlässig fehlende Bildteile wieder ersetzen kann, dann müssen die in Zukunft auch nicht mehr abgespeichert werden, was eine Menge Speicherplatz sparen würde.

Dabei würde sich das Verfahren deutlich von dem unterscheiden, was beispielsweise mp3 in der Musik ist. Denn bei mp3 werden zunächst einmal nicht hörbare Teile eines Musikstücks entfernt, der Rest dann komprimiert. Die entfernten Teile bleiben weg – bei entsprechend großer Kompression ist also sehr wohl zu hören, dass etwas fehlt. Mit der neuen Technologie aber würden die fehlenden Teile eines Bildes zum Betrachten wieder hinzugefügt, es würde am Ende nichts fehlen.

Das System wurde bislang nur mit gering aufgelösten Fotos erfolgreich getestet – und das nicht immer. 30 Prozent der Tests brachten ein Gesicht zum Vorschein, bei 10 Prozent der Bilder waren die Gesichter so echt, dass sie nicht mehr von unechten zu unterscheiden waren. Das sind zwar noch geringe Zahlen, aber sie sollten trotzdem Beachtung finden. Denn jede Technologie fängt einmal klein an, mit entsprechend verbesserten Programmen und mehr Rechenleistung wird es auch bessere Ergebnisse bringen.

Nutznießer werden zunächst institutionelle Anbieter sein. Wenn jemand wie Google beispielsweise erlaubt, unbegrenzt Fotos in seine Cloud zu laden, dann ließe sich mit der neuen Technologie richtig viel Speicherplatz sparen. Und nicht nur das, kleinere Bilddateien brauchen zum Übertragen auch deutlich weniger Internet-Bandbreite. Nutznießer dürften am Ende irgendwann alle sein.

Nur wer dauerhaft Gesichter im Internet unkenntlich machen will sollte sich überlegen, ob das Verpixeln auch für die Zukunft der richtige Weg ist. Ein großflächiges übermalen des ganzen Kopfes sieht zwar nicht so elegant aus, scheint auf Dauer aber sicherer zu sein.

Aufgegriffen 03 / 2017

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