Kameras und Fotozubehör aus dem 3D-Drucker

SLO © Amos Dudley Bildgalerie betrachten SLO © Amos Dudley

Was wäre, wenn Fotografen sich in Zukunft ihre Ausrüstung einfach direkt zu Hause ausdrucken könnten? Das klingt im Moment noch utopisch, dabei ist diese Vorstellung gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt. Der 3D-Druck entwickelt sich rasend schnell weiter und es gibt einige spannende Ansätze. So gelang es beispielsweise dem amerikanischen Studenten Amos Dudley, eine komplette analoge Kamera zu drucken. Auf seinem Blog http://amosdudley.com bietet er den Bauplan zum kostenlosen Download an. In seine sogenannte „SLO“ (für „Single Lens Objective“) passt ein 35mm Film und sie funktioniert rein mechanisch. Sogar die Linse lieferte sein „Form 2 SLA“-3D-Drucker – dieser Formlab-Printer für den Schreibtisch kann transparente Objekte aus klarem Kunstharz herstellen. Allerdings musste Dudley diese Optiken sehr aufwendig von Hand polieren und hatte auch danach noch feine Kratzer auf der Linse. Entsprechend haben die Fotos, die er mit seiner selbstgedruckten Kamera schießt, keine besonders gute Qualität. Nichtsdestotrotz ist es erstaunlich, was bereits heute möglich ist.

Ein eigenes Objektiv entwerfen

Auch der französische Fotograf Mathieu Stern träumte davon, einmal sein eigenes Objektiv zu entwerfen. Stern hatte einige ältere Linsen gesammelt und wählte als Grundlage für sein Experiment eine Optik von 1880. Anhand ihrer Maße entwarf er zunächst ein 2D-Modell. Die französische Firma Fabulous druckte ihm das passende 3D-Objektiv dazu aus. Stern testete es bei Landschaftsaufnahmen und Portraits. Mit dem Ergebnis war er nicht unzufrieden. „Ich mag dieses Objektiv wirklich. Auch wenn es nicht perfekt ist, es ist ein erster Schritt, um seine eigenen Objektive zu designen“, findet der Fotograf.

Fotozubehör selbstgedruckt

Bereits kaufen kann man eine Kombination aus Sonnenblende und universellem Filterhalter aus dem 3D-Drucker: die “LensLid“ von Fotograf Christian Günther. Er hat 2016 die Firma FSP, Foto Special Parts, in Leipzig gegründet. Für ihn liegen die Vorteile des 3D-Drucks klar auf der Hand. „Es ist schlicht die einzige Technologie, die es mir ermöglicht, selbst entwickelte Hilfsmittel fürs Fotografieren in höchster Präzision, in kürzester Zeit und bei überschaubaren Kosten einfach selbst zu produzieren“, sagt Günther. Und sie ermöglicht ihm, auch sehr kurzfristig auf Anfragen zu reagieren. Wenn es sein muss, kann er ganz individuelles Fotozubehör am Abend konstruieren und über Nacht drucken lassen. Außerdem kann der Startup-Unternehmer aus Sachsen Bauteile auch in sehr geringer Stückzahl anbieten, da keine teuren Werkzeugkosten anfallen. Die relativ lange Druckzeit von über zwei Stunden für eine mittelgroße LensLid kompensiert der Kamera-Zubehör-Spezialist mit einer ausreichenden Anzahl Druckern.

Mikroobjektive auf Kamerachips drucken

Und nicht nur Fotografen experimentieren mit der 3D-Druck-Technologie. Forschern der Universität Stuttgart ist es gelungen, Mikroobjektive auf Glasfasern und direkt auf Kamerachips zu drucken. Die optischen Linsen sind nur etwa so groß wie ein Salzkorn. Damit lassen sich beispielsweise Endoskope verwirklichen, oder Kameras für Drohnen, die kaum größer als eine Biene sind. Ihre Ergebnisse stellten die jungen Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Photonics“ vor.

Formentwicklung neuer Produkte

Die großen Kamerahersteller selbst sind derweil nicht untätig. Olympus zum Beispiel nutzt die innovative Technologie bereits bei der Formentwicklung neuer Produkte. Über Nacht liefern 3D-Drucker einen Dummy, der anschließend mit viel Handarbeit nachbearbeitet wird. Auf alle Fälle eine sehr gute Möglichkeit, um verschiedene Materialien und Oberflächen zu erproben und mit Kunden zu testen.

Änderungen vorbehalten.

Aufgegriffen 02 / 2017

1 Kommentare

Schöner Artikel. Ergänzend dazu das Beispiel "Camera Restricta". Mal unabhängig von der Software der Kamera (die löscht Bilder, wenn ein Motiv schon zu häufig im Netz zu finden ist) wurde das Gehäuse komplett mit dem 3D-Drucker gedruckt: https://www.3d-grenzenlos.de/magazin/startups/camera-restricta-27129383/ Im Netz und auf 3D-grenzenlos.de gibt es noch zahlreiche weitere Beispiele für den Einsatz von 3D-Drucker im Bereich der privaten Hobby-Fotografie. Ich hoffe dieser ergänzende Hinweis ist in Ordnung. Gruß, Marcel

Marcel

von Marcel
23. Februar 2017, 08:45:14 Uhr

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