Kann KI Fotografen helfen, den eigenen Bildstil zu finden?

Warum ist ein wiedererkennbarer Stil wichtig?

Künstliche Intelligenz (KI) ist derzeit in aller Munde und auch eines der zentralen Themen der photokina 2018, die im September in Köln stattfindet. KI wird die Fotografie revolutionieren und zwar von der Aufnahme bis hin zur Bildausgabe. Die Frage liegt da nahe, inwieweit KI Fotobegeisterte darin unterstützen wird, den eigenen Bildstil zu finden – ein Ziel das jeder ernsthaft Fotografierende eher früher als später verfolgt.

Der Fotograf Karl Blossfeldt hat einen klar erkennbaren eigenen Stil. Fotos: Karl Blossfeldt.
Der Fotograf Karl Blossfeldt hat einen klar erkennbaren eigenen Stil. Fotos: Karl Blossfeldt.
Quelle: Getty Open Content. The J. Paul Getty Museum, Los Angeles [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Was zeichnet einen eigenen Bildstil aus?

Alle großen Fotografen wie August Sander, Barbara Klemm, F.C. Gundlach, Helmut Newton oder Karl Blossfeld haben eine wiedererkennbare fotografische Handschrift. Diese identifiziert sie als Bildautor auch dann, wenn man nur ein einzelnes oder neues Werk sieht. Der eigene Bildstil ist charakterisiert durch klar identifizierbare Merkmale, denen man in der Regel über ein längeres Zeitfenster folgt oder sogar lebenslang treu bleibt, ohne sich in seinen Fotografien zu wiederholen. Die Vorliebe für Schwarzweiß kann dabei ebenso ein typisches Merkmal sein wie das Betreiben der Architekturfotografie aus der Froschperspektive oder eine ganz bestimmte Lichtsetzung in der Porträtfotografie.

Selbst wenn sich Bildstile im Laufe des Schaffens verändern, bleibt meist noch eine Essenz, die den jeweiligen Fotokünstler ausmacht. In der Regel ist sie auch eng mit den Themen des Fotografen verknüpft und hilft, diese zu transportieren. Ein drastisches, trauriges Thema wie Krieg lässt sich mit der Schwarzweißfotografie eindrucksvoller vermitteln als mit Pastelfarben wie der Fotograf James Nachtwey mit seinem Oeuvre eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Was hat man vom eignen Bildstil?

Zunächst einmal hilft der Bildstil, das eigene Anliegen besser zu vermitteln. Wer der Fotografie intensiver oder professionell nachgeht und beispielsweise Plattformen wie die Fotocommunity für sich nutzt, hat auch einen klaren Marketing-Nutzen. Er kann sich mit Aufnahmen mit hohem Wiedererkennungswert positionieren.

Es ist allerdings gar nicht so einfach, einen eigenen Bildstil für sich zu entwickeln, denn es ist notwendig, die eigenen, wiedererkennbaren Merkmale für sich auszumachen und vor allem das eigene Anliegen in der Fotografie. Es ist daher bei den meisten ein Prozess, der viel Übung und Reflexion der Ergebnisse erfordert. Naheliegend ist da zu hinterfragen, ob man mit KI schneller zum Ziel kommt.

Was kann KI derzeit überhaupt?

Um diese Frage zu beantworten, hilft es, sich klar zu machen, was „Künstliche Intelligenz“ derzeit überhaupt kann. Das ist deutlich weniger als man bei den hochgegriffenem Begriff „Intelligenz“ erwarten würde. Eigentlich handelt es sich bei KI eher um maschinelles Lernen. Programme können mittlerweile sehr gut – selbst hochkomplexe – Muster erkennen, wie etwa immer ähnliche Anordnungen von Motiven oder Korrekturen von Fotos. Wessen Aufnahmen also bereits sich wiederholende charakteristische Merkmale aufweisen, dem kann KI helfen, sie zu erkennen.

Allerdings benötigen die KI-Programme dazu viele ähnliche Ausgangsbilder. Wer also bereits einen Bildstil hat, dem kann KI theoretisch helfen, ihn zu verdeutlichen. In den meisten Fällen ist es dann allerdings auch nicht mehr nötig. Für alle, die noch auf dem Weg zum eigenen Bildstil sind, ist es derzeit noch einfacher, der eigenen Bildbetrachtung mehr Raum zu schenken. Dies gilt vor allem auch in punkto inhaltlicher Aussage. Da ist derzeit noch in weiter Ferne, dass KI diese beurteilen kann.

Wie kann KI denn trotzdem nützlich sein?

Wer bereits einen Bildstil hat, den kann KI darin zu unterstützen, immer wieder einheitliche Nachbearbeitungsprozesse automatisch zu erkennen und mit einem Mausklick verfügbar zu machen. Am Beispiel von Anwendungen, die die Nachbearbeitung der eigenen Fotos im Stil bekannter Künstler wie van Gogh erlauben, kann man sehr deutlich erkennen, was KI in diesem Bereich heute schon zu leisten vermag. (siehe Abbildung)

Hier sieht man eigene Aufnahmen, die im Stil bekannter Maler von der KI-unterstützen Anwendung Fotor nachbearbeitet wurden. Ausgangsfoto: Petra Vogt
Hier sieht man eigene Aufnahmen, die im Stil bekannter Maler von der KI-unterstützen Anwendung Fotor nachbearbeitet wurden.

Fazit

KI wird Fotografen in vielerlei Hinsicht unterstützen und Prozesse wie Bilddatenarchivierung und das Wiederfinden digital gespeicherter Fotos vereinfachen und beschleunigen. Dadurch kann man den Prozess des Erkennens eigener charakteristischer Stil-Merkmale etwas beschleunigen. Dass die KI uns diese Arbeit völlig abnimmt, ist aber nicht erkennbar. Wirkliche Künstler entwickeln auf visuelle Art Themen. Dazu muss man aber eben erst mal ein Thema haben und dann auch noch eine angemessene persönliche Ausdrucksform dafür finden. Diese Aufgabe ist noch deutlich zu komplex für heute vorstellbare KI.

Aufgegriffen 06 / 2018

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