Klassische Bildanalyse - Was ist ein gutes Bild und wie beurteilt man ggf. ob es ein gutes Bild ist

© Fotograf: Jan Kniel, Sonnenfinsternis 2015, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jan Kniel, Sonnenfinsternis 2015, Blende-Fotowettbewerb
Was ein gutes Bild ist, darüber entfachen immer wieder Diskussionen. Ob diese zielführend sind darüber läßt sich ebenso vortrefflich Streiten wie über die Fragestellung an sich. Ob man selbst in der Lage ist, beurteilen zu können, ob es sich bei dem eigenen Werk um ein gutes Bild handelt, muss menschlicher Weise in Frage gestellt werden. Das ist kein Vorwurf, denn das hier die Objektivität auf der Strecke bleiben kann liegt auf der Hand. Ein stückweit ist jeder von uns doch bei der Betrachtung seiner Bilder eingenommen von der Stimmung im Vorfeld, während des Auslösens und danach. Das mag kitschig klingen und wenig professionell, aber da hört man doch beispielsweise bei die Bildbetrachtung das Meer rauschen oder der Duft der frisch gemähten Wiese drängt sich auf oder man erinnert sich an den tollsten Sonnenuntergang seines Lebens, auch wenn die vorliegende Fotografie diesen überhaupt nicht thematisiert. In unseren eigenen Aufnahmen sehen wir mitunter sehr viel mehr als der Außenstehende und das erschwert die Beurteilung noch einmal.

© Fotograf: Aljosha Brack, Wolkenbruch, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Aljosha Brack, Wolkenbruch, Blende-Fotowettbewerb
Natürlich muss die Frage zulässig sein, ob es überhaupt zielführend ist, in Erfahrung zu bringen, ob die eigenen Aufnahmen gut sind. Ein stückweit schon, ist die Fotografie doch ein kreativer Prozess, bei dem man ständig (auch unterbewusst) dazulernt und sich weiterentwickelt. Auf dem Weg zur eigenen Bildsprache, und die streben immer mehr ambitionierte Fotografen an, um sich von der Bildermasse abzuheben, ist es sicherlich ratsam, seine Werke selbst immer auch zu hinterfragen. Welchen Weg man für sich wählt muss jeder für sich entscheiden. Einer könnte in der klassischen Bildanalyse liegen.

Klassische Bildanalyse

In der Bildenden Kunst sowie in den theoretischen Fächern der Kunstgeschichte sowie -wissenschaft bedient man sich der klassischen Bildanalyse, um Werke zu erfassen und einzuordnen. Hier geht es um das „Wie“, „Was“ und „Warum“. Diese Systematik der Bildanalyse mit der Untergliederung in die drei Bereiche: Beschreiben, Analysieren und Interpretieren kann natürlich auch für Fotografien herangezogen werden – ob die Aufnahme bei einer positiv verlaufenden Bildanalyse gefällt sei erst einmal dahingestellt.

© Fotograf: Martin Höhne, Frei wie der Wind, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Martin Höhne, Frei wie der Wind, Blende-Fotowettbewerb
Im beschreibenden Teil der Bildanalyse geht es darum, wer die Aufnahme gemacht hat, wann sie gemacht wurde, was die Fotografie zeigt und zu welchem Genre sie angehört. Bei der Analyse geht es dann um die Komposition, also um Bildgestaltung (Gestaltungselemente, Grundelemente, Blickführung), Tonwerte, Farben (Farbmodelle, Farbton-Kontrast, Farbqualitäts-Kontrast etc.) und um Struktur (Schärfe, Körnung, Bildrauschen, Artefakte). Ganz am Ende steht der Spannungsbogen der letztlich eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte ist. Als dritter und letzter Teil der Bildanalyse folgt die Interpretation. Hier geht es um die angenommene Absicht des Fotografen mit seinem Werk, ist in der Serie betrachtet dem Foto eine Weiterentwicklung zu konstatieren, hat der Fotograf die richtigen Mittel eingesetzt, um seine Botschaft zu vermitteln und hätte man sowohl inhaltlich als auch formal noch Verbesserungsvorschläge.

Sicherlich ist Wissen um solch ein Bewertungstool nicht schlecht – ob es zur Anwendung kommt muss jeder für sich entscheiden. Wir für unseren Teil würden darauf nicht zurückgreifen, sondern stattdessen lieber die Zeit zum Fotografieren nutzen, Fotoausstellungen besuchen, in Fotobüchern blättern etc. Uns würde die klassische Bildanalyse den Spaß an der Fotografie rauben. Natürlich sollte man auch hinterfragen wie aussagekräftig so eine Analyse ist – sie sagt nicht aus, ob einem das Bild gefällt und mitreißt.

© Fotograf: Marius Schneider, Naturschönheiten, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Marius Schneider, Naturschönheiten, Blende-Fotowettbewerb
Eine Alternative zur klassischen Bildanalyse sind sicher Freunde. Wer von uns kennt DSDS nicht und so manches schräge Stimmchen war bereits zu hören. Wurden die Teilnehmer gefragt, dann waren es oftmals Freunde, die zum Vorsingen ermutigt haben. Nun an diesem Beispiel sieht man, dass auf Freunde nicht immer Verlass ist. Über einen gewissen Bildverstand sollten die Freunde verfügen und hinterfragt werden sollte, ob sie dem gewählten Fotosujets überhaupt offen gegenüber stehen. Gerade wenn man eine „moderne“ Bildsprache verfolgt oder eine, die von den fotografischen Regeln abweicht, dann kann es mitunter Kritik hageln obwohl diese nicht angebracht ist. Die Bildbeurteilung kann man auch Mitgliedern von Foto-Portalen oder -Clubs überlassen – nun nett geht es da nicht immer zu und manchmal ist es schon sehr destruktiv. Oftmals wird man auch das Gefühl nicht los, dass es auch hier ein Nehmen und Geben gibt nach dem Motto: Wenn Du mich gut bewertest, dann tue ich dies auch. Ja und zu guter Letzt gibt es noch die sozialen Netzwerke – nun, was man da glauben darf …

Aufgegriffen 05 / 2016

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9 Kommentare

" natürlich sollte Bildbearbeitung aber nie einem Selbstzweck folgen" Aber euer Satz oben ist in vielen, ja, sehr vielen Fällen der Fall! Mir ehrlicher und guter Fotografie kommt man nicht mehr sehr oft zum Erfolg. Ausnahmen bestätigen immer wieder einmal die Regel. Für mich persönlich ist es Ansporn, noch kreativer und besser in der Fotografie mit der Kamera zu werden. Das ist eine tolle Aufgabe, die ich sehr spannend finde. Gruß Lutz

von Lutz Klapp
10. Mai 2016, 13:14:47 Uhr

Hallo Herr Blaich, danke für Ihren kritischen Kommentar. Wenn Sie sich die Galerien anschauen, dann wird erkennbar, dass auch nichtbearbeitete Aufnahmen bei Blende erfolgreich sind. Die Frage ist heute doch eh wo Bildbearbeitung anfängt - denken wir doch nur daran, was heute bereits alles in der Kamera automatisch oder durch Einstellungen möglich ist. Bildbearbeitung ist so alt wie die Fotografie. Jetzt im digitalen Zeitalter wird Sie aber vielfach verflucht. Wir meinen zu Unrecht - natürlich sollte Bildbearbeitung aber nie einem Selbstzweck folgen. Gruß Prophoto-Team

von Prophoto-Team
05. Mai 2016, 14:54:40 Uhr

Lutz und Klaus sagen bzw. schreiben die traurige Wahrheit und was dabei noch trauriger ist, PROPHOTO spielt da mit. Bei den letztjährigen Wettbewerben nahm ich teil, mit 100% UNBEARBEITETEN Fotos. Ich war chancenlos!

von Erich Blaich
04. Mai 2016, 21:09:44 Uhr

Wenn ich Bilder sehe, welche in Wettbewerben die ersten 10 Plätze belegen, dann ist dort eventuell ei Bild was ich ein Gutes Bild nennen Könnte.Das ist dan meistens ohne Retusche am PC entstanden. Bei den anderen 9 vermute ich das eine stundenlange Arbeit am PC dieses Bild hat entstehen lassen. Aber, Bitte jeder nach seinem Geschmack. Mein Geschmack ist es, ein Bild aufzunehmen möglichst ohne spätere Änderung am PC. Gruß Klaus

von Klaus
04. Mai 2016, 15:25:52 Uhr

Wo wird am meisten gelogen? In der Politik, in der Kirche, in Fotoforen...

von Lutz Klapp
04. Mai 2016, 13:59:09 Uhr

Für eine Weiterentwicklung und Verbesserung der Bildgestaltung ist die Bildanalyse durch sich selbst oder durch einen (unabhängigen) Experten unerlässlich. Eine Sezierung halte ich allerdings für Unsinn, das ist was für die Fachprüfung zum Berufsfotograf. Da ich noch analog fotografiere und dies mit 50er Diafilm, ist meine MINOLTA XD7 stets auf ein Stativ montiert und eben dieses Stativ zwingt 1.) zur optimalen Gestaltung und 2.) hat man ALLE Kamerafunktionen zur Verfügung. Tierfotos oder Fotos von Formel 1-Rennen sind dabei nur sehr eingeschränkt möglich. www.diablaich.de

von Erich Blaich
04. Mai 2016, 12:39:46 Uhr

Bilder können doch nur einfach gefallen. Man muss doch nicht alles Analysieren.

von Julia
04. Mai 2016, 12:18:18 Uhr

Aus Sicht eines Kunsthistorikers ist der Ansatz, ein Foto mit den Mitteln der klassischen Bildanalyse beurteilen zu wollen, doch recht fragwürdig. Maßgeblich weil man dabei den Wow-Effekt außer Acht lässt, der ein Foto oft erst sehenswert macht.

von Peter
04. Mai 2016, 12:09:00 Uhr

Zwischen den Zeilen kann man herauslesen, dass man bei Prophoto nicht viel von der Bildanalyse wie sie in der Kunst angewendet wird hält. Das macht mir das Team noch sympathischer. Ich hasste es schon im Kunstunterricht, wenn Bilder totanalysiert wurden. Da kann einem jeder Spass vergehen

von Thomas
02. Mai 2016, 17:03:03 Uhr

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