Macht Künstliche Intelligenz (KI) in Zukunft aus unseren Fotos einen visuellen Einheitsbrei?

Wie funktioniert Künstliche Intelligenz?

Warum Künstliche Imaging-Intelligenz für den Nutzer einen Mehrwert darstellt

Macht Künstliche Intelligenz (KI) in Zukunft aus unseren Fotos einen visuellen Einheitsbrei?

Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ist es mittlerweile möglich, zum Beispiel die Nachbearbeitung von Fotos komplett durch den Computer erledigen zu lassen. Das ist mehr als praktisch und stellt eine grandiose Zeitersparnis dar. Auf der anderen Seite stellt man sich als Nutzer die Frage, ob dies zu einem einheitlichen Bilder-Look bei jedermann führt und ob künftig alle Aufnahmen einem gleichen Bildstil folgen.

Schaut man sich die Werbung für die neuen KI-unterstützten Bildbearbeitungs-Programme an und testet sie, kann man in der Tat auf die Idee kommen, jedes Foto werde damit auf einen „Einheitslook“ getrimmt. Meist sieht man dort nämlich den derzeit angesagten Stil: Die Aufnahmen sind stark nachgeschärft und die Kontraste hochgezogen sowie Tiefen- und Lichter mit HDR ausgeglichen. So wirkt alles ein bisschen bombastischer als im wirklichen Leben. Besucht man die großen Foto-Plattformen von der Fotocommunity über Flickr bis hin zu 500px, sehen viele der manuell nachbearbeiteten Bilder allerdings auch nicht anders aus als die KI-Varianten. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich die Bildbearbeitungsprogramme mit künstlicher Intelligenz genau auch dort positionieren.

Bilder der fotocommunity

Kann es KI geben, die ein breites Spektrum an Bildstilen zulässt?

Nun kann man einwenden, dass man bei Bildbearbeitungsprogrammen derzeit aber immer noch die Chance hat, seinen eigenen Stil zu verfolgen, da es viele manuelle Wahlmöglichkeiten gibt. Besteht nun die Sorge, dass solche Einstellungen wegfallen und wir in Zukunft mit dem automatisch per KI generierten Bildstil leben müssen? Dies wird an einigen Stellen schon prognostiziert und Smartphones sowie Programme wie Photolemur machen es vor. Allerdings wäre das nur dann der Fall, wenn KI zwingend auf einen „Einheitsstil“ hin getrimmt wird. Kann es nicht auch eine KI-Variante geben, die ein breites Spektrum an Bildstilen zulässt?

So funktioniert Künstliche Intelligenz

Wenn man sich mal genauer anschaut, wie Künstliche Intelligenz funktioniert, wird es einfacher, diese Frage zu beantworten: Vom Grundprinzip her ist es so, dass KI mit der derzeit sehr beliebten Methode des Deep Learning eine – idealerweise riesige – Anzahl von als gut bewerteten „Vorbildern“ vorgesetzt bekommt. Die KI versucht dann immer wieder, selbst ähnliche Ergebnisse mit neuen Bildern zu produzieren. Durch den ständigen Vergleich mit den Vorbildern erarbeitet sie sich mit der Zeit, wie sie vorgehen muss. Die KI lernt also ähnlich wie ein Kind im Lauf der Zeit den erwünschten Output – nur sehr viel schneller als ein Mensch. Es gibt bei heutiger KI keine geheimnisvolle Instanz, die die Kreativität oder Qualität selbständig bewerten kann. Sie arbeitet einzig und allein auf der Basis dessen, was man ihr vorher als „gutes Vorbild“ gegeben hat. Wenn man ihr sagt, dass verwackelte Bilder gut sind, dann wird sie in Zukunft verwackelte Bilder auswählen oder produzieren.

KI lernt auch aus den individuellen Vorlieben des Fotografen

Mit diesem Wissen lässt sich die Frage nach dem Einheitsbrei leicht beantworten: Wenn die KI Einheitsbrei vorgesetzt bekommen hat, dann wird sie ihn auch reproduzieren. Wenn Programme jedoch so aufgesetzt sind, dass die KI zum Beispiel rein aus den individuellen Nachbearbeitungen eines einzelnen Fotografen lernt, dann könnte sie auch dessen individuellen Bildstil reproduzieren. Man kann dies heute schon an KI-Anwendungen sehen, die den Stil bestimmter Künstler nachahmen können und eigene Aufnahmen in den Look bringen.

Allerdings hat dies einen entscheidenden Haken: KI funktioniert besser, je mehr Vorbilder man ihr zur Verfügung stellt. Wer also nur einmal im Monat ein wenig Bildbearbeitung an einem Bild macht, wird es kaum schaffen, damit ein KI-Modul gut zu trainieren. Da funktioniert der Vergleich zum Menschen: Wer nur einmal im Monat selbst seine Mahlzeiten zubereitet, kann es auch nicht mit einem Meisterkoch aufnehmen.

Die großen Firmen setzen daher auf einen kombinierten Ansatz und geben ihrer Software eine Art „Basistraining“ mit, so dass das Programm dann mit den eigenen Daten schneller lernt. So kommt dann mit der Zeit idealerweise ein individuellerer Look zustande, der trotzdem bequem per KI erzeugt wird und einem viel Arbeit bei der Bildoptimierung abnimmt. In besonderem Maße gilt dieses Prinzip auch für individuelle Bildbearbeitungs-Werkzeuge innerhalb eines Programms. Das bisher Gesagte bezog sich vor allem auf die Komplettbearbeitung. Viele Hersteller arbeiten aber auch daran, einzelne Tools mit KI zu unterstützen. So werden dann zum Beispiel Masken zum Freistellen viel präziser als bisher. Die sonstige Bearbeitung kann genauso individuell funktionieren wie bisher. Wenn Menschen ihre Kreativität ausleben so wird KI nicht zu mehr visuellem Einheitsbrei führen, als er jetzt bereits vielfach schon vorliegt.

Künstliche Intelligenz (KI) ist eines der zentralen Trendthemen der Imagingbranche und damit auch der photokina 2018, die vom 26. bis 29. September 2018 in Köln ihre Tore öffnet. Schon heute steht fest, dass KI vieles in der Fotografie revolutionieren wird und zwar für den Anwender unterstützend.

Aufgegriffen 05 / 2018

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