Liebesbeweis 2.0: Was sich liebt, das checkt sich

Bilder als Liebesbekundung in sozialen Netzen

© Fotograf: Nadine Kreutter, Liebesbeweis, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Nadine Kreutter, Liebesbeweis, Blende-Fotowettbewerb
Man kann nicht oft genug und auch nicht deutlich genug sagen, dass man einen Menschen liebt. Und wer mag, macht es auch öffentlich. Seit jeher ritzen Verliebte Herzen mit Namen in die Rinde von Bäumen und in das Holz von Parkbänken. Verknallte Landwirte säen oder düngen den Namen der Angebeteten in Felder und laden sie dann zum Rundflug ein. Tonnenweise Schlösser mit Namen darauf als Liebesweise drohen altehrwürdige Brückengeländer in Flüsse zu reißen. Und dann gibt es noch den Liebesbeweis 2.0, für den man (und Frau) weder einen Traktor noch ein Schnitzmesser oder einen Tätowierer braucht: den offiziellen Beziehungsstatus mitsamt Bildergruß auf Facebook und Co. Nun, heute gibt es zu allem Studien und so natürlich auch zum Einfluss von Facebook und Facebook-Bildern auf die Haltbarkeit von Beziehungen. Klare Ansage darin: Was sich liebt, das checkt sich!

Okay, reden wir nicht lange herum: Das Thema ist kein Dauerspender mit Glückshormonen für jedermann. Jeder kennt solche Paare, die in Facebook mit 40 noch so tun, als wären sie 20. Bussi hier, Bussi da. Ein neues inniges Profilbild nach dem nächsten und natürlich nur paarweise auf jedem Event unterwegs. Kitsch von vorne bis hinten, auch in jedem Kommentar zum Lieblingsfoto des anderen. Ein zweisames Leben, wie in rosa Watte gepackt, auf Duftrosen gebettet und mit Süßholzöl gesalbt. Das per Facebook im Freundeskreis miterleben zu müssen, ist bisweilen schwer verdauliche Kost – es lädt bisweilen zum Spötteln ein. Zu Unrecht, wie Catalina Toma herausgefunden hat. Wir sollten also unsere Zunge zügeln. Die Forscherin an der amerikanischen Universität Wisconsin-Madison beobachtete die Facebook-Aktivitäten von Paaren und die Dauer ihrer Beziehung. Ihre Schlussfolgerung: Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Öffentlichmachen seiner Beziehung auf Facebook, dem Veröffentlichen gemeinsamer Bilder sowie dem Schreiben in die Chronik des Partners auf der einen Seite und der Stabilität einer Beziehung auf der anderen.

Offenbar steckt hinter dem zur Schau gestellten Geturtel mehr als oberflächliche Effekthascherei. Catalina Toma erklärt, dass die auf Facebook gezeigte öffentliche Selbstdarstellung offenbar Einfluss darauf hat, wie Verliebte ihren Partner sehen. Das vor großem Publikum geäußerte Bekenntnis zur Beziehung nennt die Forscherin in ihrer Mitteilung gar in einem Atemzug mit dem Ringetausch. Mit konkreten Alltagstipps zu dem abstrakten Thema hält sich die Universität zurück. Aber das Signal ist angekommen: Wer verliebt ist, soll das auch zeigen: öffentlich, seinem Partner und auch sich selbst. Nun, ob das immer gleich bei Facebook und Co. sein muss, muss jeder selbst entscheiden. Das Netz vergisst nie. Unserer Meinung nach gibt es noch andere Optionen außerhalb der Datenautobahn, die auch reizvoll sind und auch dann Bestand haben, wenn nicht auf irgendein Display geschaut wird.

Weil Bilder mehr sagen als tausend Worte, liegt es natürlich nahe, seine gemeinsame Liebe in Bildern auszudrücken. Die Möglichkeiten dafür sind unbegrenzt und sie sind obendrein nicht auf Facebook oder andere soziale Medien beschränkt. Was ist zum Beispiel mit dem klassischen Schreibtischfoto der Liebsten/dem Liebsten? Aus der Mode gekommen? Nein! Mit einem edlen Rahmen sieht das richtig gut aus und zeigt obendrein, dass man ein Familienmensch ist. Diese Fotos versüßen so manchen Arbeitsstress.

Nächster Punkt für schon länger Verliebte: Alte Fotos neu präsentiert. Gute Fotostudios haben noch die Originalaufnahmen der Hochzeitsbilder und können daraus alles zaubern, was einst noch nicht so einfach zu bekommen war, wie Großdrucke auf Leinwand, Collagen oder monochrom-getönte Abzüge. Obendrein: Es braucht keinen offiziellen Anlass, um sich mal wieder – oder zum ersten Mal – ein Paar-Shooting beim Profifotografen zu gönnen. Es macht auch einfach Spaß, sich gemeinsam vor der Kamera zu zeigen und auch zu erleben, wie Fotografen das Verliebtsein interpretieren. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt, und gerade auch ein Ausflug in die ansprechende erotische Fotografie kann Paare in jeder Hinsicht beflügeln.

Fotobuch statt Facebook: Wer es nicht ganz so öffentlich mag wie soziale Netze, kann seine gesammelten Liebesbilder in Form eines Fotobuchs präsentieren. Das kann ein Partner allein erstellen, zum Beispiel als ganz individuelles Geschenk. Oder man gestaltet bewusst zu zweit eine solche gedruckte Sammlung der schönsten Erinnerungen. Dabei ist der Weg das Ziel: Sich mit den gemeinsamen Bildern zu beschäftigen, schafft Nähe durch Erinnerungen. Das ist vielleicht nicht wissenschaftlich belegt, aber für alle Verliebten leicht nachvollziehbar.

Aufgegriffen 09 / 2016

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