Neue Sichtweisen auf Fotomotive

© Fotograf: Herbert Steiner, Elegance in weiß, Blende-Fotowettbewerb Bildgalerie betrachten Herbert Steiner, Elegance in weiß, Blende-Fotowettbewerb

Die Fotografie gilt neben der Malerei und dem Musizieren mit zu den kreativsten Freizeitbeschäftigungen. Bei der Auswahl der Motive beginnt bereits die Kreativität. Ihre weiteren Höhepunkte findet diese in der Bildgestaltung, beim Spiel mit Zeit und Blende, der Bildbearbeitung und der Ausgabe, wenn diese über FineArt-Papiere erfolgt. Die Motive, die mit der Kamera eingefangen werden, sind nahezu die gleichen, wie vor 10, 20 oder mehr Jahren. Wie aber Motive und in welchen Qualitäten diese heute in Szene gesetzt werden, da liegen Welten zu gestern. Der Fotowettbewerb „Blende“, der seit über 40 Jahren jährlich ausgeschriebene Fotocontest und der schon allein deshalb ein wichtiges Zeitdokument ist, macht die neuen Sichtweisen von Amateurfotografen eindrucksvoll deutlich.

Zu wenigstens 90 Prozent sind die aktuellen Sichtweisen, wie Motive in Szene gesetzt werden, auf die Weiterentwicklungen im Aufnahmebereich zurückzuführen. Die Innovationen der Kamerahersteller ermöglichen uns heute Aufnahmen, die gerade für Amateure in der Analogzeit nahezu ausgeschlossen und an die bis vor wenige Jahre auch in der Digitalfotografie noch nicht zu denken war. Nehmen wir hier nur als Beispiel den Wettbewerbsbeitrag „Nacht im Thüringer Wald“ von Stefan Liebermann, eingereicht zur thematischen Vorgabe „Schätze der Region“. Voraussetzung für seine Aufnahme ist eine Kamera mit einer hohen Sensor-Empfindlichkeit mit ISO-Werten im Bereich von 3.200 bis 12.000 und einem Vollformatsensor. Auch der Wettbewerbsbeitrag „Elegance in weiß“, eingereicht von Herbert Steiner, zum „Blende“-Thema „Doppelt gesehen – Spiegelungen“ ist ein Beispiel dafür, was aktuelle Kameratechnik zu leisten vermag. Die Aufnahme zeichnet eine Brillanz aus, wie sie besser nicht sein könnte. Um diese zu erhalten, muss das Zusammenspiel von Kamera und Optik perfekt aufeinander abgestimmt sein. Aber nicht nur das. Solch eine Aufnahme bedingt eine lichtstarke Teleoptik von wenigsten 400 mm und eine Kamera mit einer raschen Serienbildfunktion, die in einem zuvor festgelegten Intervall möglichst viele Aufnahmen zulässt. Ein weiteres Beispiel für die Revolution der Momentfotografie stellt auch der „Blende“-Wettbewerbsbeitrag „Landung auf allen Vieren“ von J.C. Krüger zur thematischen Vorgabe „Beine aller Art“ dar. Oder schauen wir uns die Mehrfachbelichtung „Radschlag“, eingereicht von Christoph Keil zu „Blende 2016“ zur thematischen Vorgabe „Beine aller Art“ an – so eine Aufnahme setzt entsprechende Kamerafeatures voraus.

Die Bildbeispiele ließen sich problemlos weiter fortführen. Allen gemeinsam ist, dass heutiges Fotoequipment neuerliche Sichtweisen auf Motive zulässt. Natürlich steht an erster Stelle des fotografischen Schaffensprozess das Motiv. Gleich danach folgt die Bildidee. Diese lässt sich aber nur dann umsetzen, wenn es Kamera und Optik auch gestatten. Von Vorteil sind natürlich fotografische Kenntnisse. Jeder der fotografiert weiß, dass man hier nie auslernt. Stets muss man sich von Neuem an den Erfolg herantasten. Das macht aber wiederum auch den Reiz der Fotografie aus.

Mit den wachsenden Möglichkeiten, wie sie die Hersteller mit ihren Produkten anbieten, steigen schlichtweg die kreativen Möglichkeiten. Auch, wenn aktuelle Features gerade bei den höherwertigen Kameramodellen einen glauben lassen, dass es schneller, weiter und besser künftig wohl nicht mehr gehen kann, wird man von der Industrie überrascht.

Vielfach ist heute gerade im Zusammenhang mit Produktneuheiten zu lesen, dass es sich bei den Weiterentwicklungen um technische Evolution handle und nicht um eine Revolution. Wir sehen dies anders. Evolution bringt zum Ausdruck, dass ein weiterer Schritt hin zur Perfektion vollzogen wurde. Streitbar ist zudem, was der Evolution und der Revolution zugeschrieben wird. So sehen wir die Technologien 4K, Multishot, Zeitraffer eher als Revolution statt als Evolution.

Ob nun Evolution oder Revolution, wichtig ist, sich in regelmäßigen Abständen mit den aktuellen Innovationen auseinanderzusetzen. Dazu gehört auch, sich zu hinterfragen, welche Weiterentwicklungen und neuen Features einen noch besser bei der Entfaltung der eigenen fotografischen Kreativität unterstützen können.

Aufgegriffen 01 / 2017

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