Selfie-Trend - Trauer-Selfies: Briten knipsen Selfies am offenen Grab

© Fotograf: Annett Melzer, ... in Ewigkeit, Blende-Fotowettbewerb
… in Ewigkeit
© Fotograf: Annett Melzer, Blende-Fotowettbewerb
Der Selfie-Trend scheint in die nächste Runde zu gehen. Wie zu lesen ist, scheut sich ein Drittel der trauernden Briten nicht, Selfies auf Trauerfeiern zu machen – das hat eine vom britischen Beerdigungsunternehmen Perfect Choice Funerals in Auftrag gegebene Umfrage unter 2.700 erwachsenen Trauernden aus Großbritannien ergeben, die in den vergangenen Monaten auf einer Beerdigung gewesen waren. Motivationsgrund, die Selfies von Trauerfeiern zu posten, ist für 36 Prozent der Befragten laut Untersuchung, Mitleid zu erhaschen. Ein Drittel bezweckte ein Online-Erinnerungsfoto, während 17 Prozent angaben, die verschiedene Person ehren zu wollen. Nach der Untersuchung scheinen diejenigen, die dem Selfie-Kult auf Beerdigungen frönen, sich nicht daran zu stören, dass ihr Verhalten bei anderen Trauergästen Wut hervorrufen kann.

Kritiker dieses Trends sehen die Gefahr, dass ein würdevoller Abschied von erst kürzlich Verstorbenen in einem feierlichen Rahmen nicht mehr möglich ist. Mit 48 Prozent gehen die meisten Trauer-Selfies auf das Konto der 18- bis 25-Jährigen. Die Altersgruppe zwischen 26 und 30 hingegen ist mit knapp über 30 Prozent geringer vertreten. Mit zunehmendem Alter flacht diese Kurve weiter ab. Perfect Choice Funerals zeigt sich überrascht von der hohen Zahl dieser speziellen Selfie-Fotografen: „Eine Beerdigung bietet Zeit für Erinnerungen an eine geliebte Person und zur Unterstützung von Hinterbliebenen. Deshalb scheint das Posten eines Selfies, um Mitleid zu erwecken, unpassend“, kommentiert das Unternehmen. Das Andenken wird zerstört.

Inwieweit diese Trauer-Selfies auch hier in Deutschland verbreitet sind, darüber liegen derzeit keine Untersuchungen vor. Mit Sicherheit wird es sie auch geben. Wir sind uns nicht sicher, ob wir sie verteufeln sollen. Es ist sicherlich eine Gratwanderung und es kommt zudem auch auf die Art und Weise an. Die Trauer bekommt ein Gesicht und verlässt den Raum der Beisetzung. Auf diese Weise teilen diejenigen ihre Stimmungslage mit und thematisiert den Tod, der in unserer heutigen Zeit mit anonymen Beisetzungen etc. oftmals ein Tabuthema ist. Ebenso verhält es sich mit der Trauer, mit der Mitmenschen ihre großen Probleme haben, weil sie nicht in unsere schnelle Zeit passt. Auf der anderen Seite tun wir uns schwer mit der Vorstellung, dass am offenen Grab Trauergäste Selfies von sich schießen und dabei die Trauergesellschaft beim Abschiednehmen stören. Wie ist Eure Meinung und seid Ihr schon Zeuge von solchen Trauer-Selfies geworden?

Aufgegriffen 08 / 2015

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2 Kommentare

Keine Frage des Alters Christian. Mache gern Selfies aber auf die Idee würde ich nicht kommen.

von Timo
31. August 2015, 19:22:13 Uhr

Eventuell ist es eine Frage des Alters aber ich würde mich gestört fühlen von Selfie-Knipsern auf einer Trauerfeier. Es gibt Grenzen.

von Christian
27. August 2015, 13:35:15 Uhr

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