Sternenfotografie: Lichtverschmutzung - ein neues Phänomen

© Fotograf: Daniel Kalker, Golden Slumbers, Blende-Fotowettbewerb
Lichtermeer Dresden
© Fotograf: Daniel Kalker, Golden Slumbers, Blende-Fotowettbewerb
Das Fotografieren von Sternen liegt hoch im Kurs. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur und sich unter anderem in der Faszination für die Himmelskörper ebenso begründet wie in aktuellen Aufnahmegeräten, mit denen sich heute jeder die sogenannte Astrofotografie erschließen kann. Glaubt man aktuellen Untersuchungen, so sollten wir die Sterne am Himmel wegen der Lichtverschmutzung lieber heute als morgen fotografisch festhalten.

Lichtverschmutzung ist ein Begriff, der die Erhellung des Nachthimmels durch nicht natürliche Lichtquellen bezeichnet. Das Kunstlicht schafft in der Erdatmosphäre eine Art Glocke, die das Licht entsprechend streut und damit nicht nur den Tag-Nacht-Rhythmus der Flora und Fauna durcheinander bringen kann, sondern auch dazu beiträgt, dass astronomische Beobachtungen nur noch fernab von beleuchteten Städten gemacht werden können. Lichtverschmutzung (engl. light pollution) ist somit eine Art Umweltverschmutzung, die mehr als 80% der Weltbevölkerung betrifft.

© Fotograf: Aisha Buchmann, Roppertskapelle, Blende-Fotowettbewerb
Nachthimmel
© Fotograf: Aisha Buchmann, Roppertskapelle, Blende-Fotowettbewerb
Lichtverschmutzung führt dazu, dass der ungehinderte Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel getrübt ist. Das kann der Astrofotograf nicht gebrauchen – er benötigt bestmöglich absolute Dunkelheit. Dies ist auch der Grund dafür, warum Astrofotografen Städten und Ballungsgebieten den Rücken zuwenden. Hier wird die Dunkelheit zunehmend durch beleuchtete Straßen, Plätze und Gebäude verdrängt. Bereits heute können ein Drittel der Weltbevölkerung die Milchstraße nachts vom eigenen Wohnort aus nicht mehr sehen. In dichter besiedelten Gebieten der nördlichen Hemisphäre, beispielsweise in den Vereinigte Staaten und Europa, sind es bis zu 60%.

Ursache der Lichtverschmutzung ist der nach oben abgestrahlte Anteil der künstlichen Beleuchtung, der von Schwebteilchen in der Atmosphäre, beispielsweise Wassertropfen, Staub oder Aerosole, zur Erde reflektiert wird. Das Licht wird dabei gestreut und die Luftschicht erhellt. Auf diese Weise entstehen sogenannte Lichtglocken über Städten, die dafür sorgen, dass es dort nachts nicht mehr richtig dunkel wird. Das Fehlen von Dunkelheit hat natürlich auch Folgen für den Organismus. Scotobiologen (= Dunkelheitsbiologen) untersuchen beispielsweise wie der Wachstumszyklus von Pflanzen beeinflusst wird oder sich das Nachtflugverhalten von Vögeln ändert. Auch sind die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus, insbesondere Störungen des Tag-Nacht-Zyklus oder des Hormonhaushalts, Gegenstand der noch recht jungen Forschung.

Wer Orte sucht, an den die Dunkelheit noch nicht vom Licht verdrängt wurde, wird diese in Europa vordringlich in Schottland, Norwegen und Schweden finden. Eher ländliche geprägte Regionen mit verhältnismäßig wenig Infrastruktur weisen eine reduzierte Nachthelligkeit auf. Bis 2050 erwarten die Vereinten Nationen einen Anstieg der Weltbevölkerung auf etwa 9,7 Milliarden Menschen, also rund 30% mehr als gegenwärtig auf dem Globus. Städte werden weiter wachsen, neuer Wohnraum wird geschaffen und die Urbanisierung wird weiter vorangetrieben. Wer also die Möglichkeit hat, Aufnahmen vom Nachthimmel ohne Einschränkungen zu machen, sollte diese nutzen solange diese Option noch besteht.

Aufgegriffen 07 / 2016

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