Urlaubsfotos machen uns glücklich, das sagen jedenfalls US-amerikanische Wissenschaftler

© Fotograf: Jessy Katschewitz, Ein Hauch von Afrika, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jessy Katschewitz, Ein Hauch von Afrika, Blende-Fotowettbewerb
Wer hat diesen Moment nicht auch schon erlebt, dass man zum Partner sagt, jetzt leg doch mal die Kamera weg, Du solltest ein wenig mehr den Augenblick und die Umgebung genießen. Du bekommst doch so gar nichts mit. Nun wurde das von Psychologen widerlegt, ja sie erklären sogar, dass schöne Momente durch Fotos sogar noch schöner werden können.

Es ist Sommer und gerade Ferien – und Urlaubszeit. Endlich raus und die Seele baumeln lassen und es sich an schönen Orten gut gehen lassen. Ob Sightseeing in Dubai, flanieren auf La Rambla in Barcelona oder Rafting in Österreich – im Urlaub wollen wir es uns gut gehen lassen und uns etwas gönnen. Und welcher Gedanke kommt uns dabei immer ganz schnell: das müsste ich festhalten, damit ich die Erinnerung auch später noch habe! Doch spätestens wenn wir jetzt wieder schief angeschaut werden, weil wir schon wieder die Kamera vor der Nase haben, durchzuckt uns möglicherweise das schlechte Gewissen und der Gedanke, nehme ich die Situation wirklich bewusst war, verzichte ich wegen meiner Fotoleidenschaft auf den perfekten Augenblick?

Hier kann uns ein US-amerikanisches Team von Wissenschaftlern, die Befürchtungen nehmen, denn sie sagen: Durch Fotos werden schöne Erlebnisse sogar noch schöner! Das Team von Psychologen und Marketingspezialisten rund um Kristin Diehl (University of Southern California) ließ 2000 Teilnehmer teils im Labor, teils in natürlichen Situationen drauf los fotografieren. Die Situationen so authentisch wie möglich: eine Stadtrundfahrt, ein Museumsbesuch und ein Mittagessen in einer Markthalle. Dabei sollte die eine Hälfte der Teilnehmer fotografieren, die andere nicht. Danach mussten sie mit Hilfe eines Fragebogens ihre Aktivität bewerten und beantworten, wie intensiv sie diese Aktivität empfunden haben. Das Ergebnis war selbst für die Wissenschaftler unerwartet.

„Wir schießen selbst gerne Fotos“, so Kristin Diehl. „Wir hätten allerdings gedacht, dass das dem Empfinden eher schadet. Wie aber mehrere dieser Studien beweisen, macht Fotografieren angenehme Momente noch schöner.“ Denn durch die Daten wurde nicht nur sichtbar, dass diejenigen, die fotografieren mehr Spaß hatten, sondern dass sie auch stärker in ihre Aktivität versunken waren. Sie glauben, dass unsere Laune genau durch eine solch intensive Aufnahme der Situation, durch die Kamera, beflügelt wird.

Die Wissenschaftler um Kirstin Diehl wollten nun das Verhalten der Teilnehmer noch genauer untersuchen. Sie wollten in Erfahrung bringen, ob diese wirklich tiefer in die Aktivität einsteigen oder sie es nur so empfanden. Dazu schickten sie Teilnehmer in ein archäologisches Museum und statteten einen Teil mit AR Brillen aus, damit sie genau erfassen konnten, wo und wie lange die Testpersonen sich ein bestimmtes Objekt anschauten. Die andere Hälfte wurde mit Kameras ausgestattet.

© Fotograf: Jupp Michels, Siesta am Strand, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jupp Michels, Siesta am Strand, Blende-Fotowettbewerb
Heraus kam, dass die Testpersonen mit Kameras ausgestattet, die Exponate viel länger und vergleichsweise häufiger betrachteten, als die andere Gruppe. Nach der Befragung wurde zudem ermittelt, dass auch hier den Besuchern mit der Kamera der Tag im Museum besser gefallen hatten, er sogar intensiver und nachhaltiger war, denn dieser Effekt hielt eine ganze Woche an.

Was also liegt der positiven Wirkung des Fotografierens zu Grunde? Anscheinend macht schon der Plan, ein Foto zu schießen, den großen Unterschied aus. Dabei ist es sogar egal, was wir fotografieren. Interessant wäre für uns zu wissen, ob das Fotografieren mit dem Smartphone zu den gleichen Untersuchungsergebnissen geführt hätte. Wir stellen einmal die mutige, aber nicht bewiesene These auf, dass dem nicht so ist, weil die Auseinandersetzung mit Motiven durch die Kamera betrachtet eine intensivere ist.

Stefan Schmidt, Achtsamkeitsforscher an der Uni Freiburg erklärt übrigens die Ergebnisse der Studie so: „Konzentrieren wir uns stark auf eine Beobachtung, wenn wir etwa vorhaben, den perfekten Moment für ein Foto abzupassen, treten wir automatisch in intensiveren Kontakt mit dem gegenwärtigen Erleben.“ Thomas Heidenreich, Psychologe an der Hochschule Esslingen ergänzt: „Die Studie ist mit ihrem unerwarteten Ausgang ein schönes Beispiel dafür, wie falsch wir manchmal mit unseren intuitiven Annahmen liegen – auch dann, wenn sie mit einer Forderung nach mehr Achtsamkeit einhergehen.“

Aber nicht nur schöne Dinge werden durchs Fotografieren schöner – nein das Fotografieren verstärkt auch die negativen Einflüsse einer Situation. Man intensiviert seine Emotionen in beide Richtungen. Weil dem so ist, und wir eventuell hier instinktiv handeln, wird man bei Durchblättern seiner Bildersammlungen schnell feststellen, dass über 95 Prozent der gemachten Aufnahmen die schöne Seite der Lebenswelt widerspiegeln.

Da nun auch wissenschaftlich bewiesen ist, wie glücklich Fotografien machen und dass die fotografische Auseinandersetzung zu einer intensiveren sowie nachhaltigeren Wahrnehmung führt, sollten wir noch öfter – also nicht nur im Urlaub – zur Kamera greifen, um die Anzahl der Glücksmomente für uns zu erhöhen.

Studie: http://psycnet.apa.org/psycinfo/2016-27715-001/

Aufgegriffen 08 / 2016

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