Verbotenes fotografieren - Infrarotempfänger deaktiviert Kamera

© Fotograf: Karlheinz Schuhmacher, Völkerball | a tribute to RAMMSTEIN, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Karlheinz Schuhmacher, Völkerball | a tribute to RAMMSTEIN, Blende-Fotowettbewerb
Schaut man sich die Patentanmeldung rund um Imaging an, so bleibt die Zukunft bei der Innovationskraft der Macher in jedem Fall spannend. Manchmal fragt man sich sogar, warum man nicht selbst auf die Idee gekommen ist, wo diese doch quasi auf der Hand liegt. Natürlich gibt es auch Entwicklungen, die mit ihrem Für und Wider kritisch hinterfragt werden können. Das ist mehr als legitim und spricht ja auch für die Auseinandersetzung mit Technologien. So erging es uns, als wir Kenntnis darüber erlangten, dass Apple das Patent mit der Nummer 9.380.225 vom US-Patentamt zugesprochen bekommen hat. Dahinter verbirgt sich ein Verfahren, mit dem der Bildsensor im Smartphone zum Infrarotsensor umfunktioniert wird, um Daten und Informationen der Umgebung empfangen zu können. Das ginge natürlich theoretisch auch bei jedem anderen digitalen Kameramodell. Fern ist es da natürlich nicht, mit den passenden Infrarotsignalen bestimmte Funktionen wie etwa die Kamera oder das Mikrofon gezielt zu aktivieren oder aber zu deaktivieren. Das bedeutet nichts anderes, als damit die Option, Kameras quasi ferngesteuert auch zu sperren.

Wer technisch bereits etwas versiert ist, bei dem wird es bei der Punkt-zu-Punkt Datenübertragung per Infrarot klingeln. Fernbedienungen von Konsumgeräten arbeiten damit ebenso wie Smartphones, Kameras, Drucker, Systemblitzgeräte und PDAs. Über Infrarot – das für das menschliche Auge nicht sichtbar ist – lassen sich Daten übermitteln. Arbeitet die Kamera eines Aufzeichnungsgerätes gleichzeitig auch als Infrarotempfänger, können gezielte Informationen übermittelt werden. Ähnlich einem unsichtbaren QR-Code oder mancher AR-Lösung könnten dem Besucher einer Ausstellung weitere Informationen zugängig gemacht werden, die ein Infrarotsender am Exponat übermittelt.

© Fotograf: Thomas Breitkopf, Klaviertastatur, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Thomas Breitkopf, Klaviertastatur, Blende-Fotowettbewerb
So wie diese Technologie einerseits eine Bereicherung für den Nutzer darstellt, so ist aber auch durchaus eine Reglementierung durch die Einschränkung von Funktionen denkbar. Beispielsweise wird bei jeder großen Bühnenveranstaltung darauf hingewiesen, dass Audio-, Video-, und Fotoaufnahmen ausschließlich zu privaten Zwecken und nicht öffentlicher Nutzung gestattet sind. Viele Prominente – beispielsweise Justin Bieber, Bob Dylan, Kate Bush oder Rapper Cro – streben nach einer größtmöglichen Kontrolle über die Aufnahmen, die von ihnen in der Öffentlichkeit und im Internet kursieren. Zahlreiche Bühnenkünstler lassen daher Pressefotografen nur für zwei bis drei Songs vor die Bühne, um Fotos zu schießen – selbstverständlich ohne Blitzlicht und unter strengen Auflagen.

Da Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiv und entsprechend professionelle Aufzeichnungsgeräte sofort das Interesse der Security auf sich ziehen, nutzen heute Konzertbesucher bevorzugt die handlichen kompakten System- beziehungsweise Kompaktkameras oder das Smartphone. Und genau hier könnte das neue Patent greifen: Von der Bühne aus wird ein Infrarotsignal in das Publikum gelenkt, das die Kamerafunktion außer Kraft setzt. Diese Szenerie ließe sich natürlich auf zahlreiche andere Foto- und Videomotive übertragen, beispielsweise bildrechtlich geschützte Objekte der Architektur.

Was neu ist, muss nicht zwingend schlecht sein und zweifelsfrei kann das Patent von Appel dem Nutzer viele wundervolle Bereicherungen bescheren. Blickt man aber ein Stückchen über den Tellerrand, so kann diese Innovation auch zu einer Reglementierung mit bitterem Beigeschmack führen. Man stelle sich einfach mal vor, den Auslöser zu betätigen und nichts tut sich – das wäre doch grausam. Um dem zu entgehen wäre es zukünftig dann eine Option seine analoge Kleinbildkamera zu aktivieren.

Aufgegriffen 08 / 2016

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1 Kommentare

Nun ja, das IR-Signal trägt die Werbung und gegen ein kleines Entgeld von nur 10 Euro darf man denn doch ein gewasserzeichnetes Bild machen. Kurz per FB geteilt kommen dann noch mal 10k€ dazu wegen unerlaubter Nutzung, dafür erwirbt man aber gleich auch ein Abo für das nächste Album.

von Peter
31. August 2016, 21:15:55 Uhr

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