Visuelle Erschöpfung - Der Flüchtigkeit begegnen

Wir lasen kürzlich in der Photo Presse von der visuellen Erschöpfung durch die Bilderberge die uns umgeben, seien es die privaten oder beispielsweise die in den sozialen Netzwerken. Aufgeworfen wurde die Frage, ob wir und somit die Gesellschaft sich aufgrund der Bilderflut so langsam an Fotos sattsieht. Es ist richtig, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen und zu klären, welchen Stellenwert Fotos in Zeiten der Bilderflut eigentlich einnehmen und wie sich der Umgang mit Aufnahmen – auch den privaten – ändert. An die visuelle Erschöpfung glauben wir aber schon deshalb nicht, weil wir Bilder als Kommunikationsmittel brauchen, die die Schrift zunehmend abzulösen. Bilder sind das Kommunikationsmittel unserer Zeit – auf der Überholspur mit einem immer vielfältiger werdenden Angebot des Informationsflusses von WhatsApp, Snapchat, Instagram, Facebook etc. über Videoportale wie youTube, Blogs und schlussendlich den Internetauftritten von Medienanstalten, Verlagen, Unternehmen, Privatanwendern, Vereinen etc. – nicht zu vergessen der Printbereich (Zeitschriften, Werbeplakaten, Faltblättern usw.). Liest man neueste Statistiken über die Smartphonenutzung mit täglich bis zu über 13 Stunden, dann liegt heute wohl eher eine kommunikative als visuelle Erschöpfung vor.

Fotocollage

Was zweifellos aber sicherlich feststeht ist, dass die Bilderberge dazu führen, dass Fotografien in der digitalen Welt immer flüchtiger werden. Dazu passen auch Features von Snapchat und Facebook, wonach Bilder und Videos nach einem bestimmten Zeitintervall automatisch „gelöscht“ werden. Tagtäglich sehen wir hunderte Fotografien über unsere Displays – würde man am Abend fragen, welche Bilder man gesehen hat, so wird man nur diese im Gedächtnis haben, die außergewöhnlich waren und/oder bei denen der Informationsgehalt einen emotional tief bewegt hat.

Die heutige rasante Kommunikation mit Bildern, diese These werfen wir auf, verändert aktuell den Umgang mit den eigenen Aufnahmen nach einer zurückliegenden Phase der Flüchtigkeit. Konsumenten, dies zeigen Analysen, aber auch steigende Nachfragen an Fotoprodukten wie Prints, Kalender, Fotobüchern, Vergrößerungen etc., stoppen die Flüchtigkeit ihrer eigenen Aufnahmen, indem sie sie losgelöst von der digitalen Welt, auf welchen Materialien und Formaten auch immer ausgeben werden. Losgelöst von Displays umgibt man sich verstärkt mit seinen Aufnahmen, ob nun als Fototasse, Fotomagnet, Fotobettwäsche, im Fotorahmen auf Kommoden etc. stehend oder an den Wänden hängend. Wir erkennen zunehmend, dass Fotografien nur dann in unser Herz und Hirn finden, wenn sie dauerhaft greifbar für uns sind. Über den digitalen Weg – auch, wenn viele ihr digitales Fotoalbum mit dem Smartphone immer mit sich führen – gelingt das nicht, weil Fotos hier flüchtig sind und sich nicht in unser Gehirn einbrennen.

Aufgegriffen 05 / 2017

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