Zigtausend Klicks in der Sekunde - Warum fotografieren wir?

© Fotograf: Andrea Mey, Der Fotograf und das neugierige Pony, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Andrea Mey, Der Fotograf und das neugierige Pony, Blende-Fotowettbewerb
Sicherlich ist die Frage ein stückweit provozierend, warum wir eigentlich fotografieren. Ob man sie sich als Fotobegeisterter schon jemals gestellt hat – möglicherweise aber nicht unbedingt zwangsläufig. Wir stellen uns natürlich immer wieder die Frage, warum Menschen fotografieren und warum die Fragestellung für sie möglicherweise bisher nicht relevant war. Wir erachten es als wichtig, sich damit auseinanderzusetzen warum man etwas macht, denn das hat durchaus inspirierenden Einfluss auf den eigenen fotografischen Schaffensprozess.

Eine unserer Thesen ist, dass die Fotografie ein instinktiver Prozess ist, bei dem das WARUM vordergründig erst einmal nicht essenziell erscheint. Der Mensch, das Augenwesen, lebt in Bildern, die ihm in Bruchteilen von Sekunden die vielfältigsten Informationen zu vermitteln vermögen. Wir wachsen in einer Welt der Bilder von Kindesbeinen auf und so kann es doch nur die logische Konsequenz sein, dass jeder von uns der Fotografie selbst aktiv – eher früher als später – selbst nachgeht und zum Bildschaffenden wird.

Fotografien halten zudem für uns die Zeit an. Sie führen uns visuell vor Augen, was wir erlebt beziehungsweise wahrgenommen haben. Die Zahl der Klicks pro Sekunde wächst unaufhörlich – möglicherweise hängt dies auch mit der wachsenden Geschwindigkeit zusammen, von der jeder einzelne von uns getrieben ist. Daraus ergibt sich die auch eventuell gewagte These, dass wir heute so viel fotografieren wie niemals zuvor, weil wir nur durch das Festhalten der Augenblicke diese in einer sehr flüchtigen Welt gedanklich wahrnehmen können.

Ein weiterer Motivationsgrund, warum wir fotografieren ist sicherlich, dass Fotografien nicht erst im Zeitalter von Socialmedia das Kommunikationsmittel sind, das die Sprache zunehmend überflüssig macht. Bilder werden grenzüberschreitend verstanden und sie gewinnen durch die wachsenden Möglichkeiten weiter an Relevanz durch beispielsweise neu entstehende Communitys. Jüngste Beispiele hierfür sind sicherlich Instagram und Snapchat mit ihren Features. Die Betreiber von Communitys setzen mit ihrer Reichweite zudem fotografische Trends – aktuell sind 360 Grad Aufnahmen und Panoramen ebenso angesagt wie beispielsweise Spaßbilder. Letztgenannte sind, so unsere Beobachtungen, gerade bei der jüngeren Generation besonders angesagt. In den Aufnahmen geht es vorrangig nicht um die Vermittlung von Inhalten, sondern um die grenzenlose Freude beim Erstellen und Umgang beispielsweise mit Verfremdungen wie der Regenbogenzunge.

Bilder – und das ist natürlich auch ein Motivationsgrund warum wir fotografieren – werden heute verstärkt über die Datenautobahn geschickt, um Empfängern zu zeigen, dass man gerade an sie denkt. Diese Art der Bildkommunikation ist noch recht jung und steht natürlich im engen Zusammenhang mit den wachsenden Möglichkeiten die mit mobile Imaging einhergehen.

Ein weiterer und in seiner Relevanz nicht zu unterschätzender Motivationsgrund, warum der Auslöser nicht stillsteht, ist der fotografische Schaffensprozess als solches. Dieser ist nicht nur kreativ, sondern verbunden mit einem enorm hohen Spaßfoktor im Vorfeld sowie während der Aufnahme und natürlich auch dann, wenn die Aufnahmen im Kasten sind. Erhält man dann noch positive Rückmeldung von Gleichgesinnten und/oder Freunden so schließt sich der Kreis wieder. Zu unterschätzen ist auch nicht, dass die Fotografie die Gemeinsamkeit auch außerhalb von Fotoclubs fördert. Sicherlich mit ein Grund dafür, warum Fotoveranstaltung wie Fotofestivals bis hin zur Fotoleitmesse, der photokina, solch einen hohen und wachsenden Zuspruch haben.

Aufgegriffen 06 / 2016

19 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
1 Kommentare

Weil es spannend und aufregend ist Bilder zu machen, die einen wow Effekt bei Betrachtern hinterlassen. Außerdem macht es Spaß mit der Technik einer Kamera zu experimentieren. Ich mag schöne und ansprechende Fotos. Das ist mein Credo bei der Fotografie.

von Lutz Klapp
25. Juni 2016, 13:00:14 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden