Wie wichtig ist für die Fotografie ein gutes Auge und ist dieses angeboren?

Über Talent und weitere Erfolgsfaktoren in der Fotografie

© Fotograf: Alexander Knöppel, Turnübung an Distel, Blende-Fotowettbewerb
Alexander Knöppel, Turnübung an Distel, Blende-Fotowettbewerb

In künstlerischen Bereichen und damit auch in der Fotografie ist immer wieder zu lesen, dass ein gutes Auge angeboren sei und manche einfach kein Talent dafür hätten. Dem kann getrost widersprochen und damit auch allen Foto-Einsteigern Mut gemacht werden.

Sehen muss gelernt werden

Wir sind überzeugt davon, dass das künstlerische Sehen gelernt sein will. Dabei helfen zum Beispiel Besuche von Museen sowie Fotoausstellungen und das Betrachten von Preisträgerbildern in Online-Galerien wie der von „Blende“. Auch der Kunstunterricht in der Schule, die Fotoalben der Familie und sogar das Kinderbuch in jungen Jahren sind wichtige Bausteine für ein geschultes Auge. Wer als Kind schon von seinen Eltern ans Thema „Sehen lernen“ herangeführt wurde, der hat später einen Vorteil, der leicht als „Talent“ fehlgedeutet werden könnte.

© Fotograf: Karl-Heinz Waffenschmid, Nightwalk, Blende-Fotowettbewerb
Karl-Heinz Waffenschmid, Nightwalk, Blende-Fotowettbewerb

Aber auch wer später damit beginnt, kann noch aufschließen. Denn noch wichtiger als das reine Anschauen ist die Auseinandersetzung mit Bildern: Warum sprechen einen manche mehr und andere weniger an? Liegt es an der Bildsprache oder am Motiv? Wie unterscheiden sich die eigenen Präferenzen von dem, was gerade angesagt ist? All das und noch viel mehr gilt es regelmäßig zu reflektieren, denn eine Konstante gibt es in der Kunst und in der Fotografie nicht. Die Bereitschaft, Sehen zu lernen ist daher ein Prozess, der nie aufhört.

Die Wissenschaft bestätigt: Fleiß spielt eine wesentliche Rolle

Dies gilt auch für die Umsetzung: Ein gutes Auge führt nämlich nicht automatisch zu einem guten Foto. Das Bild im Kopf zu einer ansprechenden Aufnahme zu machen erfordert handwerkliches Geschick. Auch dieses will erlernt werden. Die Wissenschaft vom Erfolg bestätigt: Es ist nicht nur das angeborene „Talent“ für eine Sache, die zur Meisterschaft führt, sondern vor allem das intensive (Aus)üben. Der US-Autor Malcolm Gladwell spricht in seinem Beststeller „Überflieger“ von 10.000 Stunden, die nötig seien und bezieht sich damit auf Forschungsarbeiten.

© Fotograf: Klaus Wäscher, Gut beschützt , Blende-Fotowettbewerb
Klaus Wäscher, Gut beschützt , Blende-Fotowettbewerb

Betrachtet man sich unter diesem Gesichtspunkt die „Blende“-Bildgalerien mit Gewinnerfotos, dann sehen wir diese Theorie vielfach bestätigt. Wer beim bundesweiten Fotowettbewerb, der Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH erfolgreich ist, der hat sich in der Regel, intensiv nicht nur mit der Fotografie, sondern auch mit den thematischen Vorgaben auseinandergesetzt und nicht einfach nur einen „lucky shot“ eingereicht.

Aber auch hier möchten wir alle Einsteiger ermutigen: In der Fotografie bedarf es keiner 10.000 Stunden, um Bilderfolge zu feiern. Das ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass es in der Fotografie – wie beim Kochen – viele Zutaten sind, die sehenswerte Bilder ausmachen. Neben Fleiß und dem geschulten Auge sind es vor allem Spaß und die Begeisterung für die Fotografie sowie die Bereitschaft, dazu zu lernen und sich stets auf neue Situationen einzulassen. Bei dem einen oder anderen mag vielleicht auch ein Quäntchen angeborenes Talent dabei sein.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Blende, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Aufgegriffen 03 / 2018

2 Kommentare

Grundsätzlich alles richtig, meiner Meinung nach. Durch Training kann sich jeder verbessern. Vor allem wenn man trainiert und dann in der Lage ist, was ein gutes Bild ausmacht. Vor allem muss die Begeisterung vorhanden sein, der absolute Wille, dann bessere Fotos zu machen. Wenn aber das nicht der Fall ist und absolut kein Talent vorhanden ist, kein Gespür für Farben, Formen, Formationen, Situationen, dann nützt auch das stärkste Wollen und beste Training und die größte Anstrengung wenig. Es bleibt dann beim knipsen: das zu erfassen, was gerade gefällt. Es ist wie mit anderen Dingen auch: nicht jeder kann ein guter Fotograf werden, wenn überhaupt kein Talent vorhanden ist.

Herbert Welling

von Herbert Welling
28. März 2018, 10:12:26 Uhr

Ein gutes Auge ist die Hauptvoraussetzung für gute Bilder. Nicht die Technik. Manche können es lernen - manche nie.

Detlev Motz

von Detlev Motz
28. März 2018, 08:56:30 Uhr

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