Aktuelle Kamerafeatures: Bildstabilisation

© Fotograf: Peter Eberhardt, Sonnenuntergang in Frankfurt, Blende-Fotowettbewerb 
Skyline von Frankfurt zum Sonnenuntergang im Juli. Das Bild wurde 355 Sekunden belichtet um den gewünschten Effekt in den Wolken und im Wasser hinzubekommen Bildgalerie betrachten Sonnenuntergang in Frankfurt
Skyline von Frankfurt zum Sonnenuntergang im Juli. Das Bild wurde 355 Sekunden belichtet um den gewünschten Effekt in den Wolken und im Wasser hinzubekommen

Mit langen Belichtungszeiten aus der Hand fotografieren

Dynamische Fotografien, spontan aus der Hand geschossen, haben ihren ganz besonderen Reiz. Leider gelingen sie nicht in jeder Situation, weil sich entweder das Objekt bzw. die Kamera oder gar beide während der Belichtung der Aufnahme bewegen. Bewegte Objekte führen zu Bewegungsunschärfe und die Bewegung der Kamera zu unscharfen Bildern durch Verwackeln. Um auch in solchen Situationen scharfe Fotos zu erhalten, haben Kamera- und Objektivhersteller verschiedene Methoden zur Bildstabilisierung entwickelt. Diese erlauben es Fotografen, mit deutlich längeren Verschlusszeiten Motive aus der Hand aufzunehmen, die ohne Einsatz der Bildstabilisierungstechnik unweigerlich verwackelt würden.

Hauptsächlich werden drei Methoden zur Kompensation von Verwacklungsunschärfe verwendet: Digitale, optische und duale Bildstabilisationsmethoden. In allen Fällen spielen Hardware und Software des Aufnahmesystems eine wesentliche Rolle. Die bereits erwähnte Bewegungsunschärfe lässt sich relativ einfach durch „Einfrieren“ der Bewegung mittels kurzer Verschlusszeiten verhindern. Diese auch als „digitale“ Bildstabilisation bezeichnete Methode wird von manchen Kameras ebenfalls automatisch erreicht. Sobald die Kamera Bewegungen im Motiv oder von der Kamera selbst feststellt, steuert sie automatisch eine höhere ISO-Empfindlichkeit an, um so eine kürzere Verschlusszeit für eine scharfe Aufnahme verwenden zu können. Diese Form der „Verwacklungsbremse“ ist zwar recht effektiv, aber sie beeinflusst auch die Bildwirkung. Sie kann beispielsweise zu erhöhtem Rauschen und so zu einer verminderten Bildqualität führen.

Komplexere und technisch aufwändigere Methoden dagegen ermöglichen jedoch die optischen, immer effektiver arbeitenden, Bildstabilisatoren moderner Kameras und Objektive. Galt früher in der Kleinbildfotografie als Faustregel für die Freihandgrenze eine Verschlusszeit entsprechend dem Kehrwert der Brennweite, so trifft dies für digitale Kameras nur noch bedingt zu. Da die Gefahr von Verwacklung mit zunehmenden Abbildungsmaßstäben steigt, hängt sie auch vom Aufnahmeformat ab. Sie steigt bei Kameras mit kleineren Sensorformaten, die einen stärkeren Vergrößerungsfaktor verlangen, um eine gleich große Abbildung zu erzeugen ebenso, wie bei zunehmenden Brennweiten, die einen größeren Abbildungsmaßstab bewirken. Die Strecke, die ein Bildpunkt beim Bewegen der Kamera auf einem kleineren Sensor zurücklegt ist, relativ zu den Dimensionen des Bildes bei einem größeren Format deutlich länger. Um solche Verwacklungseffekte durch die Kamerabewegung zu kompensieren und um auch mit längeren Verschlusszeiten noch aus der Hand gestochen scharfe Bilder zu erzielen, haben sich die Objektiv- und Kamerahersteller immer intelligentere optische und rechnerische Methoden zur Bildstabilisierung einfallen lassen.

Da jedoch jeder Hersteller seine eigene Philosophie, Technik und Patente dafür einsetzt und eigene Hardware und Software verwendet, existieren auch verwirrend viele Stabilisationssysteme für den Verwacklungsschutz. Einige Hersteller erreichen die Kompensation von Verwacklung durch Ausgleichssysteme im Objektiv, andere verwenden kamerabasierte Methoden. Als besonders effektiv haben sich Systeme erwiesen, die beide Techniken miteinander kombinieren. Mit solchen „Dualen Systemen“ können Bewegungen des Aufnahmesystems um fünf Achsen ausgeglichen werden. Je nach dem persönlichen „Zitterfaktor“ der Fotografen lassen sich so um bis zu fünf Lichtwerte längere Verschlusszeiten beim Fotografieren aus der Hand nutzen, ohne Unschärfe durch Verwackeln befürchten zu müssen.

Die Basis für den Verwacklungsschutz liefert in der Regel ein Gyrosensor, der die Stärke und Richtung der Bewegung identifiziert. Bei den im Objektiv integrierten Bildstabilisatoren wird zum Ausgleich der Bewegung während der Belichtung eine Linse oder Linsengruppe gegenläufig bewegt. Diese Form der Bildstabilisation hat den Vorteil, dass sie optimal auf die Objektivkonstruktion abgestimmt werden kann. Für die kameraseitige Kompensation wird die Stellung des Bildsensors entsprechend der Kamerabewegung verändert. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sie auch mit Objektiven ohne Bildstabilisator funktioniert. Neuere Systeme kombinieren beide Verfahren und arbeiten so durch hochkomplexe Algorithmen und den Datenaustausch zwischen Kamera und Objektiv noch effektiver. Davon profitieren nicht nur Fotografen, sondern im besonderen Maße auch Filmer, wo eine unruhige Kameraführung bei dynamischen Aufnahmen aus der Hand besonders auffällig und störend wirkt.

Bezeichnungen der Stabilisationssysteme der wichtigsten Kamera- und Objektivhersteller

  • Canon IS = Image Stabilizer (Objektiv)
  • Fujifilm Fujinon Objektive = OIS (Optical Image Stabilizer)
  • Leica = O.I.S. (Optical Image Stabilizer)
  • Nikon = VR (Vibration Reduction)
  • Olympus = OIS und Dual IS (Optical Image Stabilizer und Dual Image Stabilizer)
  • Panasonic = O.I.S. und Dual I.S. (Optical Image Stabilizer und Dual Image Stabilizer)
  • Pentax = SR (Shake Reduction)
  • Sigma = OS Optical Stabilizer
  • Sony = SteadyShot
  • Tamron = VC (Vibration Compensation)

Blende – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

Blende, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

Blende bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen, wie hier veröffentlicht, zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende. Übrigens: Der Stratschuss zu „Blende 2017“ ist inzwischen gefallen. Weitere Informationen: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende/blende-2017-startschuss-zur-43-runde-gefallen-10010700

Digitalfotografie 07 / 2017

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