Dual Pixel RAW – Nachträgliche Anpassung der Schärfe

Grundsätzlich kann der Schärfepunkt wahlweise um bis zu 5 Schritte nach hinten, oder auch nach vorne verschoben werden. Ausschnitt_Originalbild, Copyright: Thomas Probst Bildgalerie betrachten

Grundsätzlich kann der Schärfepunkt wahlweise um bis zu 5 Schritte nach hinten, oder auch nach vorne verschoben werden.
Copyright: Thomas Probst

Aktuelle Features wie 4K oder eben Dual Pixel RAW revolutionieren die Fotografie und werden diese in neue Sphären führen. Mit Dual Pixel RAW – eine Innovation von Canon – kann man nachträglich, also nach dem Auslösen, die Schärfe anpassen. Das ist überaus hilfreich.

Wie funktioniert das?

Jeder Bildpunkt des Dual Pixel Sensors besteht aus zwei Fotodioden. Durch dieses Design kann der Pixel sowohl ein A- als auch ein B-Signal des Motivs erhalten und als Bestandteil des Dual Pixel AF-Systems die Phasendifferenz zwischen beiden Bildern auswerten. Bei der Aufnahme setzt der Sensor das Bild dann aus dem A- und B-Signal zusammen. Diese Technologie macht es möglich, sowohl die Fokussierung als auch die Aufnahme mit dem selben Sensor durchzuführen.

Bei der Dual Pixel RAW Aufnahme werden zwei Bilder in einer Datei gespeichert. Das eine Bild besteht aus den zusammengesetzten A + B Informationen und das andere Bild besteht nur aus den A-Informationen. Das heißt, dass die Dual Pixel RAW Dateien sowohl das normale Bild als auch die gemessenen Parallaxen-Informationen sowie die extrapolierten Entfernungsinformationen enthalten. Da Dual Pixel RAW Dateien also zwei Bilder enthalten, ist auch die Dateigröße doppelt so groß wie bei einem normalen RAW-Bild.

Mit dem Dual Pixel RAW Optimizer in der Digital Photo Professional Software kann man dann die Daten beider Pixel zur Feinanpassung des Schärfepunktes einsetzen und dafür die in der Datei enthaltenen Schärfentiefe-Informationen nutzen.

Es gibt drei verschiedene Funktionen, die über die Dual Pixel RAW Aufzeichnung möglich sind, die über die kostenlose Canon Digital Photo Professional Software (DPP) aktiviert werden können. Von den drei Kombinationen ist in der Praxis immer nur eine möglich, was selbsterklärend ist.

Schaut man in die Foren, dann gilt die Mikro-Verschiebung der Schärfe-Ebene wohl als wichtigste Dual Pixel RAW Funktion. Mit dieser ist es möglich, aus einer einzigen Aufnahme (nicht aus einem Fokus-Stacking verschiedener Aufnahmen) noch eine nachträgliche Verlagerung der Fokussierung vorzunehmen. Hier profitieren Porträt-, Mode, Hochzeits- und Eventfotografen von der technischen Canon Innovation, denn wir wissen alle, dass es immer wieder vorkommt, dass die Schärfelage nicht perfekt gelungen ist: Da wollte man beispielsweise die Augen scharf ablichten und stattdessen sind die Augenbrauen brillant dargestellt. Die unbeabsichtigte Schärfeverlagerung kann schnell passieren beispielsweise durch eine unbemerkte Bewegung des Modells oder des Fotografen, was alleine schon durch das stetige Balancieren beim Stehen geschieht. Natürlich kann auch ein Fokusfehler vorliegen, wenn mit dem mittleren AF-Feld auch außermittige Motive gemessen werden. Genau für diese Situationen ist Dual Pixel RAW ein Rettungsanker, denn solche kleinen Korrekturen sind möglich. Große Fokuspannen können dementsprechend mit Dual Pixel RAW nicht behoben werden.

Die zweite interessante Dual Pixel RAW Funktion ist für alle interessant, die gerne mit unscharfen Bereichen im Vordergrund arbeiten – Canon nennt das „Bokeh-Verschiebung“. Damit ist es nun möglich, die unscharfen Bereiche im Vordergrund und Hintergrund leicht zu verschieben und so die Überlappung mit dem Hauptmotiv zu beeinflussen. Wegen der Pixel-Architektur des CMOS-Bildsensors ist im Querformat eine Verschiebung nach Links und Rechts möglich, im Hochformat nach oben und unten. Die Gestaltungsmöglichkeit mit der „Bokeh-Verschiebung“ sind verblüffend und erhöhen dementsprechend die Optionen.

Die dritte Funktion kann für Freunde der Nachtfotografie spannend sein. Durch die zusätzlichen Bildinformationen der Dual Pixel kann die Software Überstrahlungen und Geisterbilder erkennen und zu einem Teil herausfiltern. Dadurch wird der Schärfe- und Bildeindruck spürbar verbessert. Die Funktion lässt sich auf das ganze Bild oder partiell anwenden.

Für beste Ergebnisse

Um jedoch das Beste aus Dual Pixel RAW herauszuholen, empfiehlt Canon Fingerspitzengefühl und dementsprechend sehr vorsichtig mit den Einstellungen der EOS 5D Mark IV umgehen. Für beste Ergebnisse sollte man mindestens mit einer Brennweite von 50mm, einer Blende von 5,6 oder größer und einer ISO-Empfindlichkeit von höchstens 1.600 arbeiten. Die Effekte können sich bei Aufnahmen im Hoch- und im Querformat unterscheiden – für berste Ergebnisse sollte man sich innerhalb folgender Parameter befinden:

Brennweite Motiventfernung
50mm 1 – 10 m
100mm 2 – 20 m
200mm 4 – 40 m

Informationenquellen: Canon, DSLR-Forum

Änderungen vorbehalten.

Digitalfotografie 10 / 2016

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1 Kommentare

Das klingt zwar alles gut, aber der Dual Pixel RAW Bereich ist winzig klein. Ich habe schon viel Situationen getestet mit der 5DM4, aber einen Nutzen bei der doppelten Bildgrösse gab es nicht. Das Beispiel Augenbraue zu Auge ist viel viel zu gross um ihn mit DualPixelRAW auszugleichen.

von Peter
05. Oktober 2016, 11:32:53 Uhr

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