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Sonnenblumenpuzzle Bildgalerie betrachten

Blende ,“Sonnenblumenpuzzle”
Daniel Prager

Etwas Vorbereitung muß sein
Bilder gehören auf Papier, denn erst dann ist das Bilderlebnis garantiert und der Augenblick nicht so flüchtig, als wenn man die Aufnahmen auf dem Bildschirm betrachtet. Oftmals sind einige Bildkorrekturen notwendig, um das Optimum aus seinen Aufnahmen herauszuholen. Da Adobe Photoshop weit verbreitet ist und sich im Bereich der Bildbearbeitung zum Quasi-Standard entwickelt hat, werden die nachfolgenden Schritte am Beispiel dieses Programms erläutert. Für die hier aufgeführten einfachen Optimierungen genügen praktisch alle derzeit am Markt befindlichen Bildbearbeitungsprogramme wie Adobe Photoshop Elements, Photo Impact, PaintShop Pro oder das kostenlose Gimp.

Etwas Bearbeitung muß sein
Nach dem Scannen erscheinen die Bilder auf dem Monitor meist zunächst etwas flau und leicht unscharf. Das ist nicht weiter tragisch, denn mit wenigen Mausklicks gibt man den Aufnahmen die vermißte Brillanz zurück. Auch die Schärfe läßt sich ohne Schwierigkeiten wieder herstellen, doch dazu später mehr.

Tonwertumfang - Tonwertkorrektur
Bildbearbeitungsprogramme bieten verschiedene Möglichkeiten an, in den Tonwertumfang des Bildes einzugreifen. Bei Photoshop sind das im wesentlichen drei: „Helligkeit/Kontrast“, „Gradationskurven“ sowie die „Tonwertkorrektur“. „Helligkeit/Kontrast“ ist die einfachste, zugleich aber auch gröbste der drei Möglichkeiten. Über einfache Schieberegler lassen sich Gesamthelligkeit und -kontrast des Bildes beeinflussen. Man sollte dieses Werkzeug aber nur dann anwenden, wenn es schnell gehen muß und es nicht auf beste Qualität ankommt. Die „Gradationskurven“ stellen dagegen die präziseste Möglichkeit dar, um die Tonwerte eines Bildes zu beeinflussen. Auf der Kurve können bis zu 14 Anfasser hinzugefügt werden, die es erlauben, diese praktisch nach Belieben zu verformen. Die X-Achse des Diagramms stellt dabei die ursprünglichen Helligkeitswerte des Bildes dar, auf der Y-Achse werden die neuen Helligkeitswerte angezeigt. Beim Öffnen des Dialogfeldes erscheint eine von links unten nach rechts oben verlaufende Diagonale im Diagramm, was nichts anderes bedeutet, als daß noch keine Veränderung stattgefunden hat. Da der Umgang mit Gradationskurven ein wenig Erfahrung erfordert, entscheiden wir uns hier für die dritte Möglichkeit, die „Tonwertkorrektur“. Öffnet man diesen Dialog, so erscheint ein Histogramm, eine graphische Darstellung der Verteilung der Helligkeitswerte im Bild. Mit Hilfe von Schiebereglern direkt unter dem Histogramm lassen sich nun Kontrast, Bildhelligkeit und Mitteltöne des Bildes fein abstimmen. Das Bild sollte dabei möglichst groß auf dem Monitor sichtbar sein, damit man stets genau erkennen kann, wie sich die Aktionen an den Schiebereglern auswirken. Durch Verschieben des rechten Reglers (Lichter) zur Mitte hin läßt sich die Tonwertskala spreizen. Das Bild wird dadurch in den hellen Partien aufgehellt - es gilt auf die hellen Bereiche zu achten. Man sollte den Regler nur so weit nach links schieben, daß immer noch etwas Struktur in den hellsten Bereichen erhalten bleibt, die Lichter also nicht ausfressen. Anschließend kann man durch Verschieben des linken Reglers nach rechts die Tiefen, die dunklen Bereiche des Bildes, absenken. Dabei muß man die dunklen Bereiche im Blick behalten, um einen Verlust von Durchzeichnung in den Schattenpartien zu verhindern. Zum Schluß erfolgt noch die Feinabstimmung mit dem Mittelton-Regler. Der erlaubt es, die Gesamthelligkeit anzuheben oder abzusenken. Entspricht das Bild den Vorstellungen, kann dieser Arbeitsschritt abgeschlossen werden und die Brillanz sollte wieder hergestellt sein.

Das vom Scanner gelieferte Bild liegt meist im RGB-Modus vor (alle dargestellten Farben werden dabei aus den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau zusammengesetzt). Das ist der Farbraum, in dem „erschwingliche“ Dia- und Flachbettscanner üblicherweise die Vorlagen erfassen und in dem auch das Monitorbild dargestellt wird. Auch Schwarzweißnegative scannt man im RGB-Farbraum und nicht im Graustufen-Modus. Man erhält so die Möglichkeit - ähnlich der herkömmlichen Filterung - zum Beispiel durch Modifizieren der Tonwerte in den einzelnen Kanälen oder gezieltes Mischen der einzelnen Farbkanäle die Tonwertcharakteristik in erheblichem Maße und sehr präzise zu steuern. Zudem bietet der RGB-Farbraum gegenüber dem Graustufen-Modus insgesamt einen viel größeren Tonwertumfang und erlaubt auch im Ausdruck sattere Töne mit feiner Abstufung. Durch das Verstärken einzelner Farbkanäle können Bilder in nahezu beliebiger Weise getont werden.

Staubwischen
Verfügt der Scanner über eine automatische Staub- und Kratzerentfernung (geht nicht bei konventionellen Schwarzweißfilmen und bei einigen Scannern auch nicht bei Kodachrome-Dias) oder war das Negativ ohnehin staubfrei, kann man diesen Schritt überspringen. Wer jedoch auf der Vorlage Flusen entdeckt hat, sollte sie jetzt entfernen. Das Werkzeug der Wahl heißt bei den meisten Biildbearbeitungsprogrammen „Kopierstempel“ oder “Klonstempel” und befindet sich in der Werkzeugpalette. Photoshop CS 2 verfügt mit dem Bereichsreparatur-Pinsel und mit dem Reparatur-Pinsel über Werkzeuge, die das lästige digitale Ausflecken sehr beschleunigen können.

Bei Verwenden des Kopierstempels zoomt man sich zunächst so weit in das Bild hinein (Lupe, Scrollrad der Maus oder Tastenkombination "Strg +") bis die Störung gut erkennbar wird. Dann wählt man das Stempelwerkzeug mit einer weichrandigen Werkzeugspitze. Die Größe der Werkzeugspitze ist abhängig von der Bildstruktur und der Größe der Fusseln oder Kratzer. Bei feinen Strukturen oder Linien wird man eine kleine Spitze wählen, bei diffusen, großflächigen Bildteilen erzielt man zumeist mit großen Spitzen bessere Ergebnisse. Durch Festhalten der „Alt-Taste“ bei gleichzeitigem Mausklick wird mit dem Stempel ein Bildteil aufgenommen. Dann läßt man die „Alt-Taste“ los, klickt mit der Maus auf die Flusen und überträgt so den sauberen Nachbarbereich auf die Störung. Bei Verwendung des Bereichsreparatur-Pinsels kann man sich das Drücken der Alt-Taste sparen. Man „übermalt“ einfach die Störungen und Photoshop holt sich die passenden Bildinformationen automatisch aus der Umgebung. Die in vielen Bildbearbeitungsprogrammen integrierte Funktion „Staub & Kratzer entfernen“ wirkt sich wie ein Weichzeichner auf das ganze Bild aus und ist daher nur bedingt zu empfehlen. Mit den genannten Werkzeugen hingegen wird nur ganz spezifisch die verschmutzte Stelle behandelt - ohne Effekt auf Schärfe und Brillanz des Gesamtbildes.

Bildgröße
Ist das Bild entstaubt und entspricht hinsichtlich des Tonwertumfangs und der Kontraste den Erwartungen, kann man es auf die gewünschte Größe bringen. Mit dem Beschnittwerkzeug aus der Werkzeugpalette entfernt man gegebenenfalls noch den unschönen Rand, der von einer etwas großzügigen Wahl des Scan-Ausschnittes herrührt. Dann stellt man das Bild auf die Druckgröße ein.

Anhand folgendem Beispiel soll der Vorgang anschaulich gemacht werden: Ein Kleinbilddia-Scan im RGB-Farbraum bei 2.900 ppi und 8 Bit Farbtiefe pro Kanal (24 Bit insgesamt) weist eine Dateigröße von rund 31 MB auf. (Im Menüpunkt „Bildgröße“, bei Photoshop verwirrenderweise als Pixelmaß bezeichnet, während dort unter „Dateigröße“ die Ausgabegröße zu verstehen ist). Die Abmessungen betragen etwa 3,6 x 2,4 cm. Wir möchten das Bild allerdings auf einem Tintenstrahldrucker in einer Breite von etwa 18 cm ausgeben.

Unter dem Menüpunkt „Bild“ wählen wir „Bildgröße“. In dem nun erscheinenden Fenster deaktivieren wir zunächst die Funktion „Bild neu berechnen“ (Häkchen entfernen). Gibt man nun unter Breite den Wert 18 cm ein, ändert sich die Auflösung von 2.900 auf knapp 580 Pixel pro Inch. Die Dateigröße (Pixelmaß) bleibt dabei allerdings konstant bei 31 MB, das heißt, die vorhandene Pixelzahl wird einfach auf eine andere Fläche verteilt. Die Auflösung von 580 Pixel pro Inch ist allerdings zu hoch für die Ausgabe auf üblichen Tintenstrahldruckern. Optimale Qualität erzielt man in der Regel bei einer Einstellung auf 300 dpi, je nach Drucker kann man auch bei 200 dpi, bezogen auf die gewünschte Ausgabegröße, noch akzeptable Ergebnisse erzielen. Das sind bewährte Richtwerte. Moderne Tintenstrahldrucker unterscheiden sich voneinander allerdings erheblich. Es ist daher empfehlenswert, anfangs mal eine Versuchsreihe mit unterschiedlichen Ausgabeauflösungen durchzuführen. Zur Einstellung der endgültigen Ausgabegröße und -auflösung setzen wir nun wieder das Häkchen an „Bild neu berechnen“ und geben bei „Auflösung“ 300 dpi ein. Nachdem mit „OK“ bestätigt wurde, erfolgt die Neuberechnung des Bildes. Öffnen wir nun wieder den Bildgröße-Dialog stellen wir fest, daß die Dateigröße von 31 MB auf 8,62 MB geschrumpft ist.

Letzter Akt: Scharfzeichnen
Die Konturen eines gescannten Bildes wirken immer ein wenig weich. Praktisch jedes gescannte Bild muß daher zu irgendeinem Zeitpunkt der Bearbeitung nachgeschärft werden. Viele Scan-Programme enthalten Schärfefilter. Diese sollten aber allenfalls sehr zurückhaltend genutzt werden, da die Bilder in der Regel nach dem Scannen noch in ihrer Größe verändert werden, ist dann ohnehin erneut eine Scharfzeichnung erforderlich. Mehrmaliges Scharfzeichnen wirkt sich jedoch negativ auf die Bildqualität aus. Sinnvoll ist es deshalb, erst als letzten Schritt der Bearbeitung die Scharfzeichnung vorzunehmen - wenn sicher ist, daß keine Änderungen in der Bildgröße oder der Orientierung mehr vorgenommen werden müssen. Das Werkzeug dazu findet man im Filter-Menü unter „Scharfzeichnungsfilter“. Beim digitalen Scharfzeichnen erfolgt eine Erhöhung der Kontraste an den Strukturen im Bild. Bei extrem scharf gezeichneten Bildern wird dies anhand einer weißen Kontur um dunkle Bildbereiche herum deutlich, zum Beispiel bei Ästen eines Baumes. Photoshop wie auch die meisten übrigen anspruchsvolleren Bildbearbeitungsprogramme bieten unterschiedliche „Scharfmacher“ an. „Konturen scharfzeichnen“ eignet sich gut für Motive mit starken graphischen Anteilen, mit Linien und geraden Kanten. Die Schärfung setzt hier erst bei hohen Kontrasten an den Kanten ein. „Scharfzeichnen“ und „Stark Scharfzeichnen“ sind auf den ersten Blick zwar die richtige Wahl, sie sind in ihrer Wirkung nicht beeinflußbar und damit oft entweder zu schwach oder zu stark.

Unscharf maskieren
So bleibt bei den meisten Programmen eigentlich nur die Funktion „Unscharf maskieren“, kurz USM, wirklich empfehlenswert. Um hier Mißverständnissen vorzubeugen: Wirklich unscharf oder verwackelt photographierte Bilder lassen sich auch mit digitaler Hilfe nicht mehr retten. Leichte Unschärfen und die beim Scannen entstandene Weichzeichnung stellen jedoch kein Problem dar. Wird das Filter aktiviert, so öffnet sich ein Fenster mit drei veränderbaren Parametern. Die Stärke der Unscharfmaskierung kann in Prozentwerten eingestellt werden und legt fest, wie hoch die Kontraststeigerung an den Kanten sein soll. Der Radius legt fest, auf welche Breite (ausgedrückt in Pixel) sich die Kontrasterhöhung beschränken soll. Der Schwellenwert schließlich beschreibt, ab welcher Tonwert-Differenz das Bildbearbeitungsprogramm überhaupt eine Kante als Kante erkennen soll.

Behutsamkeit führt in der Regel zu besserer Bildqualität. Man sollte es mal mit folgender Einstellung testen: Stärke 120 Prozent, Radius 0,7 Pixel, Schwellenwert 1. Zu betrachten ist das Bild während der Scharfzeichnung unbedingt in der 100 Prozent-Ansicht (Doppelklick auf die Lupe in der Werkzeugleiste oder „Ansicht“ - „Tatsächliche Pixel“). Jeder Bildpunkt der Monitordarstellung entspricht dann einem realen Punkt im Bild. Nur so kann man den Effekt der Filterung wirklich beurteilen. Der nicht modifizierbare Befehl „Scharfzeichnen“ entspricht übrigens genau einer USM-Einstellung von 118 Prozent Stärke, einem Radius von 0,5 und einem Schwellenwert von 0. Stellt einen die Schärfe nach dem ersten Durchlauf noch nicht zufrieden, so macht man den Vorgang rückgängig und modifiziert die Einstellungen. Nach Möglichkeit sollte man nicht mehrmals hintereinander scharfzeichnen, es besteht dann die Gefahr, daß sich Doppelkonturen bilden und daß Kanten ausfransen.

Photoshop CS2 bietet neben den genannten noch eine weitere Scharfzeichnen-Option. Sie heißt „Selektiv Scharfzeichnen“. Damit kann man beispielsweise die Scharfzeichnung auf die Lichter oder die Schatten beschränken, oder man kann gezielt leichte Bewegungsunschärfen, wie sie bei verwackelten Aufnahmen auftreten, ausgleichen.

Die richtige Dosis
Auf die richtige Dosis kommt es bei der Bildbearbeitung an. Aus diesem Grund ist beim Scharfzeichnen unbedingt auch auf eventuell im Bild vorhandene Farbverläufe zu achten. Die können bei zu starker Scharfzeichnung schnell aufbrechen und wirken dann körnig. In den dunkleren Übergängen stellen sich dabei unschöne, griesige Strukturen ein. Besonders auffällig ist dieser Effekt, zum Beispiel bei Verläufen von hell zu dunkel im Himmel oder bei unter diffusem Licht photographierten Portraits. Besonders in solchen Fällen lohnt sich die Verwendung des selektiven Scharfzeichners.

Drucken
Damit sind die Vorbereitungen, die auf den ersten Blick sehr umfangreich wirken, abgeschlossen. Das Bild kann nun gedruckt werden - am besten auf speziell für Ihren Drucker geeignetem Photopapier.
 

Digitalfotografie 01 / 2006

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