Sorgsamer Umgang mit Digitalkameras - Do-it-yourself-Reinigung nicht immer die beste Wahl

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Blende ,“Philosoph”
Carsten Jost

Digitalkameras sind hochtechnische Geräte, die, wie Analogkameras, einer gewissen Pflege bedürfen, soll ihre Funktion nicht eingeschränkt sein. Photo- und Kamerataschen sind das A und O, damit das Display nicht zerkratzt oder Schmutzpartikel, beispielsweise in die Kartenslots und Anschlüsse, gelangen. Darüber hinaus bietet der Photohandel Reinigungssets an, die in keiner Phototasche fehlen sollten.

Trotz aller Sorgfalt können, gerade bei digitalen Spiegelreflexkameras, während des Objektivwechsels, Staubkörnchen, die nach dem Brockhaus eine Korngröße zwischen 0,01 und 50 Mikrometern haben, dem Photovergnügen ein Strich durch die Rechnung ziehen. Gelangen solche kleinen Teilchen auf den Sensor einer Digitalkamera, stehen gleich mehrere seiner Pixel von fünf bis 20 Mikrometern Kantenlänge im Dunkeln. Das Bild weist in diesen Bereichen dunkle Flecken auf, die besonders deutlich hervortreten in hellen, monochromen Bildbereichen und bei der Vergrößerung.

Ganz verhindern kann man einen möglichen Staubangriff auf den CCD-Sensor nicht, aber er kann minimiert werden, indem man das Objektiv beispielsweise nicht gerade am Strand oder auf einer Baustelle wechselt. Selbst wenn unsere Welt staubfrei wäre, wie die Fertigungshallen von Digitalkameras, kann der Sensor verschmutzen, weil Verschluß und Spiegel nicht ganz verschleißfrei arbeiten. Bei harter Beanspruchung können sich möglicherweise schon mal winzigste Teilchen lösen und auf den Sensor gelangen.

Die Hersteller beschreiten unterschiedliche Wege, damit die Anwender sorgenfrei ihrer Photolust nachgehen können. So gibt es beispielsweise eine digitale Spiegelreflexkamera mit Ultraschallputzautomatik. Sie versetzt eine vor dem Chip angebrachte Glasscheibe in Schwingungen, so daß die Staubkörner auf einen Klebestreifen heruntergeschleudert werden. Dieser Klebestreifen ist alle zwei bis drei Jahre zu wechseln. Eine Alternative, damit kein Staub auf den Sensor gelangt, bietet ein anderer Hersteller. Hier wird der Sensor vor äußerem Schmutz durch ein Glas vor dem Spiegelkasten geschützt. Hält man eine digitale Spiegelreflexkamera in den Händen, die über keine diese beiden Techniken verfügt, so ist der Besuch von Servicewerkstätten anzuraten. Die Hersteller zeigen sich in der Regel von einer gewissen Kulanz.

Viele Hersteller bieten aber auch Seminare an, die die Reinigung von Sensoren zum Thema haben. Hier wird zunächst das Problem anhand eines Photos analysiert, indem die Kamera auf unendlich fokussiert und aus etwa zehn Zentimetern Entfernung gegen eine weiße Wand gehalten wird, die man mit kleinster Blende aufnimmt. In der Vergrößerung zeigen sich dann die Flecken - spiegelverkehrt auf dem Sensor. Reinen Staub fängt man mit dem sogenannten Speckgrabber (Stäubchenschnapper), der beispielsweise von der Firma Kaiser Fototechnik angeboten wird. Die Adhäsionskräfte einer Kunststoffspitze saugen den Staub vom Sensor. Nach getaner Arbeit ist der Speckgrabber möglichst mit destilliertem Wasser zu reinigen. Kommt ein Pinsel zur Staubbeseitigung zum Einsatz, so sollte dieser staubsicher aufbewahrt sein, damit er das Problem nicht verschlimmert. Beim Einsatz eines Blasballons wird der Staub nur aufgewirbelt und an eine andere Stelle auf den Sensor gebracht. Auch von Druckluft aus der Dose ist abzuraten, denn mit ihr können kleine Teilchen oder Öl auf den Chip geraten. Zudem kann Druckluft zu Beschädigungen im Inneren der Kamera führen. Ist der Sensor trotz Speckgrabber oder staubfreiem Pinsel noch verschmutzt, so hat man die Möglichkeit, ihn naß zu reinigen, beispielsweise mit einem in Alkohol getränkten fusselfreien Papier, das um ein Stäbchen gewickelt wird.

Diese Ausführungen machen deutlich, daß von einer Do-it-yourself-Reinigung ohne vorherige Anleitung Abstand zu nehmen ist. Nach den Erfahrungen der Hersteller können die Folgen eklatant sein, gerade wenn man versucht, den Staub mit den Fingern zu beseitigen und auf dem Sensor seinen Fingerabdruck hinterläßt oder wenn sich auf dem Sensor getrocknete Spucketröpfchen befinden, die im schlimmsten Fall auch noch Aufschluß auf die Eßgewohnheiten geben.
 

Digitalfotografie 06 / 2004

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2 Kommentare

Hallo Herr Ebert, uns liegt keine Liste vor, wer unter der von Ihnen genannten PLZ Sensorreinigung anbietet. Unsere Empfehlung: Sich an ein Fotofachgeschäft wenden oder bei Nikon direkt nachfragen. Ihre Prophoto-Team

von Prophoto-Team
04. August 2014, 08:10:03 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, zum Hinweis im o.a. Artikel: Wo finde ich (PLZ-Raum 564xx) einen Anbieter für ein solches Seminar ("Viele Hersteller bieten aber auch Seminare an, die die Reinigung von Sensoren zum Thema haben.") für eine NIKON D700? Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Wolfgang Ebert

von Wolfgang Ebert
03. August 2014, 11:56:52 Uhr

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