Dynamikumfang - Was versteht man darunter?

Im Zusammenhang mit der Digitalfotografie ist immer wieder vom Dynamikumfang die Rede. Darunter versteht man den hellsten und dunkelsten Bereich eines Motivs, einer Datei, eines Negativs oder eines Abzugs. Der Dynamikumfang ist ein Spiegelbild des Motivkontrasts und kameraspezifisch. Mit jeder neuen Generation an Digitalkameras steigt der Dynamikumfang. Aktuelle Kameramodelle warten mit einem Dynamikumfang von bis zu 15 und mehr Blenden auf – vor rund acht Jahren lagen die Spitzenwerte bei um die 8 Blenden.

Martin Fechtner, Der Grafschafter Nachthimmel, Blende-Fotowettbewerb
Martin Fechtner, Der Grafschafter Nachthimmel, Blende-Fotowettbewerb

Der Dynamikumfang ist abhängig von den vorherrschenden Lichtbedingungen. Ein hoher Kontrast, der für tiefe Schatten, Mitteltöne und helle Lichter steht, liegt an einem sonnigen Tag bei wolkenlosem Himmel dann vor, wenn das Motiv nicht gerade Spitzlichter (Wasser, Glas, Metall) durch reflektierende Sonnenstrahlen erhält. Ist es hingegen bewölkt und liegt somit diffuses Licht vor, dann reduziert sich der Motivkontrast. Dies spiegelt sich in einem geringeren Dynamikumfang wider, der dann nur ein paar Blenden zwischen den hellsten und dunkelsten Bildpartien beträgt.

Und wie sieht es nachts in einer urbanen Umgebung aus? Hier haben wir Dunkelheit und diverse künstliche Lichtquellen. Die Extreme zwischen hell und dunkel sind mitunter so stark ausgeprägt und können zwischen 15 und mehr Blenden betragen, wenn Lichtquellen in die Aufnahme integriert sind. Solch ein hoher Motivkontrast – also Dynamikumfang – ist so groß, als dass er vom Kamerasensor nicht ohne stärkere Eingriffe verarbeitet werden kann. Bedingt korrigierend kann nachträglich mittels Bildbearbeitung eingegriffen werden. Hier zahlt sich das RAW-Format aus, ist es doch immer wieder erstaunlich, wie viele Details in den Lichtern im Gegensatz zum JPEG-Format doch eingefangen wurden. Klar muss man sich jedoch darüber sein: Wo nichts ist, kann auch die Bildbearbeitung nicht zaubern. Wesentlich besser ist es, wenn bei Dunkelheit extreme Lichtverhältnisse vor Ort mit der Kamera bewältig werden. Wunder bewirkt hier meist eine geringfügige Änderung der Bildkomposition. Zunächst muss die Lichtquelle ermittelt werden, die für den großen Dynamikumfang sorgt. Anschließend versucht man, diese aus der Aufnahme durch eine geänderte Kameraposition zu eliminieren. Doch Achtung, denn damit könnte einhergehen, dass eine andere Lichtquelle auf einmal an Dominanz gewinnt. Eine weitere Option – das ist ja auch das Tolle an der Fotografie mit ihren unendlich vielen Möglichkeiten – ist, den Bildausschnitt zu verändern und einen engeren zu wählen. Kommt man mit den beiden genannten Möglichkeiten nicht zum angestrebten Ziel, so greift man auf das Verrechnen mehrerer Aufnahmen oder HDR zurück. Zahlreiche aktuelle Kameramodelle sind heute übrigens mit dem Feature ausgestattet. Verfügt man nicht über so ein Kameramodell, dann müssen die Einzelbilder mittels Software zu einer HDR-Aufnahme zusammengesetzt werden.

Henrik Schnappauf, Milkyway..., Blende-Fotowettbewerb
Henrik Schnappauf, Milkyway…, Blende-Fotowettbewerb
Bild entstand in der Nacht vom 26.08.2016 in der Nähe von Großkochberg in Thüringen. Das leuchten im Hintergrund kommt von Rudolstadt wo gerade das Vogelschießen stattfindet.

Der Astrolandschaftsfotograf hat in einer klaren Nacht mit dem Mond und den Sternen zwei Lichtquellen. Im Prinzip sollten Mondlichtaufnahmen einen ähnlichen Dynamikumfang wie Fotos bei Sonne haben. Ganz so ist es aber nicht, denn ist der Mond selbst im Bild, dann ist der Dynamikumfang relativ eng. Grund dafür ist, dass das Mondlicht wesentlich schwächer als das Sonnenlicht ist, da dieses ja vom Mond reflektiert wird. Dies bedingt lange Belichtungszeiten. Durch die Bewegung des Mondes in dieser Zeit kommt es im Verlauf zur Schattenbildung. Hat man einen Sternenhimmel so ist die Dunkelheit von kleinen Gruppen von Lichtern durchsetzt – der Dynamikumfang ist situationsbedingt. Das Licht kommt meist aus unterschiedlichen Richtungen sowie Quellen und wird übrigens gern als theatralisch oder bühnenartig bezeichnet.

Sich mit der Thematik des Dynamikumfangs als Spiegelbild des Motivkontrasts auseinanderzusetzen ist lohnenswert, entscheidet dies doch letztendlich über die Bildqualität. Dazu gehört auch, eigene Erfahrungen zu sammeln und immer wieder das fotografische Experiment zu suchen. Selbstläufer, wie die hier gezeigten Aufnahmen aus dem Fotowettbewerb „Blende“, sind eher selten. Die technischen Innovationen der letzten Jahre, und hier greifen wir nur einmal den Dynamikumfang heraus, lassen es zu, sich ganz neue Motivgebiete zu erschließen. „Blende“, der deutsche Zeitungsleser-Fotowettbewerb, gilt nicht umsonst als wichtiges Zeitdokument, macht er doch fotografisch angesagte Trends sichtbar. Und zu den angesagten Fototrends gehört die Fotografie in der Nacht. Diese Aufnahmen, die allesamt von Amateuren stammen und begeistern, sind es dann auch, die motivieren, sich diesem Sujet zu stellen.

Martin Richter, Gipfelsturm, Blende-Fotowettbewerb
Martin Richter, Gipfelsturm, Blende-Fotowettbewerb
Der Mond geht über dem Gipfel der Mittagsspitze auf. Diesen besonderen Moment konnte ich in meinem Österreichurlaub festhalten.

„Blende“ – Der Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. Dazu gehört auch, mit Gleichgesinnten zu den thematischen Vorgaben in den Wettstreit zu treten. Dabei wachsen die Teilnehmer über sich hinaus und geben Zeugnis über ihr kreatives fotografisches Potential. Ihre Bilder sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch ihre Teilnahme an „Blende“ zudem den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten. Nur die Präsentation der „Blende“-Bildeinsendungen in den Galerien auf unserer Homepage erscheint uns ausbaubar. Deshalb zeigen wir – vielfach mit Unterstützung der „Blende“-Fotografen – auf, was notwendig ist, um zu so sehenswerten Aufnahmen zu gelangen. Damit soll nicht zum Kopieren inspiriert werden, sondern motiviert werden zum eigenen Spiel mit Zeit und Blende.

Digitalfotografie 03 / 2017

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