Dynamikumfang: Im Bereich zwischen Schwarz und Weiß

Was auf einem Foto zu sehen ist, spielt sich im Bereich zwischen den beiden Extremen ab, zwischen Schwarz und Weiß. Dazwischen ist der Bereich, der vom Bildsensor beziehungsweise Film abgebildet werden kann. Alles was darüber hinausragt, ist nicht mehr zu sehen. Dieser Dynamikumfang – gern auch als Belichtungsumfang bezeichnet – ist nicht nur vom Sensor/Film abhängig, sondern wird von zahlreichen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Allen voran entscheidet die ISO-Einstellung bei vielen digitalen Kameramodellen darüber, welcher Helligkeitsbereich abgebildet werden kann. Grundsätzlich schaffen moderne Kameramodelle bis zu 14 Blendenstufen, ältere Modelle mitunter deutlich weniger. Wer in digitales Mittelformat zum Preis eines nicht zu kleinen Autos investiert bekommt sogar 15 Blendenstufen Belichtungsumfang.

Dynamikumfang: Das Histogramm zeigt die Extreme und dennoch werden Weiß und Schwarz nicht erreicht
Das Histogramm zeigt die Extreme und dennoch werden Weiß und Schwarz nicht erreicht

Dynamikumfang – Gegenüberstellung

Mit diesen Zahlen haben Digitalkameras inzwischen selbst die Möglichkeiten eines Schwarzweißfilms erreicht. Mit einer langsamen, ausgleichenden Entwicklung bei niederen Temperaturen kann ein Schwarzweißfilm knapp 15 Blendenstufen erreichen – allerdings eben ohne Farbe. Eine aktuelle digitale Mittelformatkamera erreicht diese Werte auch, liefert zudem aber Farbbilder. Dabei muss man sich nichts vormachen, dieser große Dynamikbereich ist teuer erkauft, nicht nur bei der Anschaffung, sondern auch beim Fotografieren. Während aktuelle SLR-Kameras sechs oder acht Bilder in der Sekunde machen, kommt das Mittelformat nicht einmal auf eineinhalb. Ein Farbnegativfilm liefert übrigens etwa zwölf Blendenstufen Belichtungsumfang während ein Diafilm gerade einmal die Hälfte davon erreicht. Es hatte schon seinen Grund, weshalb für Diafilme eine exakte Belichtung verlangt wurde. Fotopapiere haben einen sehr eingeschränkten Belichtungsumfang, die 14 Blendenstufen eines Schwarzweißfilms lassen sich niemals auf ein Fotopapier bringen.

Extremwerte reizen den Dynamibereich voll aus
Extremwerte reizen den Dynamibereich voll aus

Dynamikumfang – Priorität hängt vom Einsatzzweck ab

Ein großer Belichtungsumfang ist bei aktuellen Kameras nicht immer erste Priorität, wobei es natürlich immer auf den Einsatzzweck ankommt. Ein Sportfotograf hat andere Bedürfnisse als ein Landschaftsfotograf, im Studio gelten wiederum andere Regeln als in der Natur.

RAW – Mehr herausholen in den Extrembereichen

Grundsätzlich sollte immer im RAW-Format fotografiert werden. Das alternative JPEG-Format hat diverse Nachteile. Denn das Bild wird quasi digital verarbeitet und kann anschließend nur bedingt optimiert werden. Das JPEG-Format hat den Nachteil, dass auf die ursprünglichen Bildinformationen nicht zurückgegriffen werden kann. Zudem ist JPEG verlustbehaftet – es gehen bei jedem Speichervorgang Bildinformationen verloren. RAW liefert dagegen die rohen Daten – diese können mit spezieller Software perfekt optimiert werden. RAW braucht zwar deutlich mehr Speicherplatz, das Geld für zusätzliche Speicherkarten ist hier aber gut investiert. Viele Kameras bieten die Möglichkeit, beide Formate gleichzeitig zu speichern. Das kann von Vorteil sein, wenn es mal schnell gehen muss.

In allen anderen Fällen aber ist RAW das Format der Wahl. Nur so bekommt der Himmel noch etwas Zeichnung und wird nicht zur weißen Fläche und Schatten werden auf der anderen Seite nicht komplett schwarz. Wenn die Technik schon die Möglichkeit bietet, Bilder mit hohem Dynamikumfang aufzunehmen, dann sollte diese auch genutzt werden.

Digitalfotografie 10 / 2017

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