Farbmanagement: Wie Profile den Farbunterschied machen

Ein Bild in verschiedenen Farbräumen Bildgalerie betrachten Ein Bild in verschiedenen Farbräumen

Farben sind in der Fotografie ein Thema bei dem es an Gesprächsstoff nicht mangelt. Farbunterschiede treten auf, wenn Fotos nicht nur von einem Gerät zum anderen transportiert werden, sondern auch noch von einem Medium auf das andere übertragen werden. Die Verwendung der richtigen Farbprofile kann helfen, die Unterschiede zu minimieren, dennoch ist es nahezu unmöglich, überall identische Ergebnisse zu erhalten.

Der Weg eines Fotos lautet heutzutage: Kamera, Computer, Ausbelichtung. Manchmal steht statt der Kamera ganz vorne ein Smartphone und manchmal wird der Computer dazwischen einfach weggelassen. Hier lauert wohl die größte Fehlerquelle, denn mit einem guten Monitor, der idealer Weise auch noch kalibriert ist, lassen sich Farbfehler weitgehend vermeiden. Das Thema ist komplex, es wurden schon viele Bücher darüber geschrieben. Trotzdem hier eine kurze Einführung ins Farbmanagement.

Ein Bild kann auf verschiedenen Anzeigegeräten und Monitoren völlig unterschiedlich aussehen. Das liegt am Ausgabegerät, also am Tablet oder Foto-Monitor, Büro-Monitor oder Smartphone. Und es liegt an den Farbprofilen. Idealer Weise kommt jedes Bild mit einem Farbprofil und in den meisten Fällen ist das auch so. Farbprofile sind deshalb wichtig, weil elektronische Ausgabegeräte nur einen Teil des vollen Farbspektrums abbilden können. Das menschliche Auge sieht Farben noch deutlich differenzierter, vor allem in den Randbereichen des Spektrums. Ein Farbprofil sagt also, nach welchem Muster das Bild abgespeichert wurde.

Das bekannteste und am weitesten verbreitete Farbprofil dürfte sRGB sein, eine Erweiterung des veralteten RGB-Standards. Wer seine Bilder außer Haus gibt, ist mit sRGB immer auf der sicheren Seite, weil die meisten Gerätschaften damit zurechtkommen. Ebenfalls verbreitet ist AdobeRGB, das deutlich mehr Farben darstellen kann. Insbesondere bei Rottönen zeigt es die Farben differenzierter, das führt zu weniger knalligen Bildern. Andere Formate sind WideGamutRGB, das nochmals deutlich mehr Farben abbilden kann, aber nur im Profi-Bereich im Einsatz ist. Im professionellen Druckbereich werden meist ISO-Farbprofile eingesetzt.

Wieso sieht dann aber ein und dasselbe Bild auf verschiedenen Anzeigegeräten unterschiedlich aus? Das liegt zum einen daran, dass Displays/Monitore Farben unterschiedlich gut zeigen können. Ein Büro-Monitor soll primär schwarze Schrift auf weißem Grund zeigen. An diesen werden ganz andere Anforderungen gestellt als an einen High-End-Foto-Monitor mit Hardwarekalibrierung. Zum anderen liegt es daran, dass jedes Gerät etwas andere Farben anzeigt, selbst wenn es sich um identische Monitore handelt. Die Kalibrierung ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Denn damit werden die Farben so angepasst, dass sie dem Ideal möglichst nahe kommen. Allerdings lassen sich Tablets und Smartphones nicht kalibrieren, damit aufgenommene Fotos haben meist ein spezielles Profil, das die Bilder satt leuchten lässt. Damit ist das Profil aber nicht kompatibel mit der restlichen Bilderwelt. Wer seine Fotos weiterverarbeiten möchte, sollte unbedingt einen entsprechend ausgerüsteten Computer für Farbkorrekturen nutzen.

Nochmals schwieriger wird das Ganze, wenn Bilder das Medium wechseln. Ein von hinten beleuchteter Monitor zeigt Bilder ganz anders als ein Ausdruck, der von vorne beleuchtet wird und das womöglich noch völlig unterschiedlich. Man kann versuchen, Druckergebnisse und Monitoranzeige mit entsprechenden Profilen anzugleichen. Aber dann müssen die Ausdrucke auch unter Normlicht betrachtet werden.

Und weil das alles noch nicht reicht, kommt dann noch hinzu, dass verschiedene Papiere völlig andere Eigenschaften haben. Jedes Papier und natürlich auch jedes Fotopapier hat andere Farbeigenschaften. Fand keine Farbanpassung statt dann unterscheiden sich die Ausdrucke voneinander.

Was also hilft gegen „falsche“ Farben? Im ersten Schritt, wie schon erwähnt, die Bilder nicht direkt vom Smartphone auf den Drucker schicken. Denn mit einem „Apple Wide Color Sharing Profile“ kann niemand sonst etwas anfangen. Am Computer mit einem möglichst guten Monitor, der idealer Weise auch noch kalibriert ist, werden Farben ziemlich verbindlich dargestellt. Man kann also davon ausgehen, dass andere die Farben ähnlich sehen. Dann sollte überlegt werden, welches Farbprofil eingesetzt wird. Wer zu Hause die nötigen Gerätschaften hat, kann das bessere AdobeRGB benutzen, wer seine Bilder außer Haus gibt, sollte sRGB einsetzen. Der Unterschied wird sofort beim Umstellen des Profils sichtbar. Damit ist man einigermaßen auf der sicheren Seite.

Digitalfotografie 06 / 2017

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