Digitalfotografie - Fotos funken per Speicherkarte

Digitalfotografie - Fotos funken per Speicherkarte
Wer mit seiner Kamera unterwegs tolle Aufnahmen macht, würde sie nicht selten gerne drahtlos direkt mit anderen teilen oder auf dem größeren Monitor eines Mobilgerätes betrachten. Allerdings verfügt derzeit noch lange nicht jeder über eine Kamera mit eingebauter WLAN-Funktion. Praktischerweise kann eine solche zur nachträglichen Bildübertragung sehr einfach über entsprechende Speicherkarten nachgerüstet werden. WiFi-Speicherkarten funktionieren im Prinzip wie konventionelle, haben aber zusätzlich einen eingebauten WLAN-Chip, der zur Übertragung der Aufnahmen eingesetzt werden kann.

Pionier in dem Gebiet war das US-Unternehmen Eyefi, das schon 2006 die ersten entsprechenden Karten auf den Markt brachte und in Europa zeitweise mit SanDisk kooperierte. Zwischenzeitlich haben auch Toshiba und Transcend nachgezogen und eigene Modelle auf den hiesigen Markt gebracht. Sie liegen preislich ab etwa 20 Euro aufwärts. Allen gemein ist, dass sie Karten einzig im SD-Format (bzw. in der Variante SDHC) anbieten. Die WiFi-Karten können in der Regel in jeder Kamera mit entsprechendem Kartenslot verwendet werden. Wessen Kamera noch auf das CompactFlash-Format setzt, kann die SD-WiFi-Karten allenfalls mit Adaptern einsetzen. Allerdings muss man darauf achten, ein spezielles Adaptermodell und Kameramodelle zu nutzen, die WLAN-Strahlen nicht zu stark abschirmen. Wer – wie bei ActionCams verbreitet – MicroSD-Karten benötigt, muss ebenfalls auf einen Adapter setzen. Es ist eine spezielle WLAN-Version im SD-Karten-Format erhältlich, in die eine konventionelle MicroSD eingelegt werden kann.

Kaufberatung: Kapazität, Schreib-/Lese-Geschwindigkeit und WLAN-Übertragungsstandard vergleichen

Eyefi Speicherkarte
Alle WLAN-SD-Karten können zunächst wie konventionelle SD-Karten zum Speichern der Aufnahmen beim Fotografieren genutzt werden. Deshalb sind sie in verschiedenen Kapazitäten von derzeit 8 bis 32 GB erhältlich. Allerdings fertigt nicht jeder Hersteller jede Kapazität. Dies ist also schon ein erster wichtiger Aspekt bei der Kaufentscheidung.

Wie bei konventionellen Kartenmodellen muss man außerdem auf den unterstützten Schreib-/Lese-Geschwindigkeitsstandard achten. Wer Videos aufnimmt, sollte mindestens auf eine Klasse 6 setzen, besser ist 10. Die aktuellen Modelle der WLAN-Kartenhersteller unterstützen diese. Allenfalls wer gebrauchte, ältere Karten kauft, kann noch über langsamere Varianten stolpern.

Die WLAN-Übertragungsgeschwindigkeit ist bei den verschiedenen Herstellern ebenfalls sehr ähnlich. Die aktuellen Modelle unterstützen alle den derzeit verbreiteten WLAN-Standard 802.11 in den Varianten b, g und n. Allenfalls wer eine Karte gebraucht kauft, sollte darauf achten, dass sie schon den schnellsten Standard 802.11n unterstützt (wenn das Zielgerät ebenfalls darüber verfügt). Selbst bei gleichem Geschwindigkeitsstandard unterscheidet sich jedoch häufig die Übertragungsreichweite. Dazu wird leider bei den Herstellern in der Regel keine Angabe gemacht, da diese sehr stark von den jeweiligen Bedingungen vor Ort abhängt. In Tests kann man allerdings vergleichende Werte finden.

Toshiba Flashair Speicherkarte
Ein weiteres wichtiges Unterscheidungskriterium ist, ob die Karte sich auch in ein vorhandenes WLAN-Netzwerk einbuchen kann (auch „Infrastruktur Modus“ oder „Internet-Modus genant“) oder ob sie immer ein eigenes (auch „Direct Mode“ genannt) aufbauen muss. Letzteres können alle WiFi-SD-Karten, denn sie waren ja ursprünglich mal dazu gedacht, unterwegs Bilder zu übertragen. In der Regel können sogar mehrere externe Geräte gleichzeitig mit der Karte kommunizieren. Das Einbuchen in vorhandene Netze wird dagegen nicht von allen unterstützt. Es ist aber vor allem dann praktisch, wenn man die Aufnahmen direkt per Internet weiterverteilen möchte.

Funktionsumfang variiert stark

Die deutlichsten Unterschiede liegen jedoch nicht in den technischen Eckdaten, sondern im Funktionsumfang. Dies beginnt schon damit, welche Bild- und vor allem Videoformate übertragen werden können. Während alle JPEGs funken können, beherrschen die Karten von Transcend und einige Modelle von Eyefi keine RAW-Übertragung (beim Fotografieren gespeichert werden können RAW-Dateien aber trotzdem). Auch bei den Videoformaten werden neben AVI, MP4 und MOV unterschiedliche weitere unterstützt, wobei bei Video generell vor zu hohen Erwartungen gewarnt sei. Die großen Datenmengen eignen sich nur begrenzt für die sofortige WLAN-Übertragung. Manche Karten, wie etwa die Flashair von Toshiba, erlauben auch das Speichern und Übertragen anderer Dateiformate, wie etwa MP3 oder PDF.

Weitere Möglichkeiten, wie etwa eine automatische Übertragung zur Ansicht des Bildes direkt nach dem Auslösen, bieten einzelne Hersteller. Eine umfangreiche Fernsteuerung wie WLAN-fähige Kameras ermöglichen, darf man jedoch nicht erwarten. Manche Kameras verfügen zwar im Menü über eine „Eyefi“-Funktion, diese steuert jedoch ähnlich wie ein „Ein-/Aus-Knopf“ in der Regel nur die Aktivierung der WLAN-Funktion auf der Karte und nicht mehr. Man kann auch bei solchen Kameras die Karten anderer Hersteller verwenden. Die WLAN-Funktion ist dann jedoch automatisch aktiviert oder muss über eine Anwendung/App des Kartenanbieters gesteuert werden.

Screenshot Mobile Eyefi
Darüber hinaus weisen die Kartenhersteller deutliche Unterschiede bei den mitgelieferten Anwendungen auf. Alle bieten mittlerweile eine App für Bildbetrachtung und – download per Mobilgerät – allerdings nicht für jedes mobile Betriebssystem. Vor allem WindowsPhone-Nutzer haben das Nachsehen. Toshiba und Transcend setzen daher zusätzlich auf die betriebssystem-unabhängige Bedienung per Browser. Das macht die Kartensteuerung universell. Eine Software für den Rechner bietet derzeit einzig Eyefi an.

Und schließlich ist ein wichtiger Unterschied, ob gewählt werden kann, dass Fotos selektiv oder komplett übertragen werden. Beides kann je nach Situation besonders praktisch oder störend sein. Wer nur in Einzelfällen Bilder herunterladen möchte und wenig Speicherplatz auf Rechner oder Mobilgerät hat, wird sich an einer Komplettübertragung stören. Wer grundsätzlich alle geschossenen Aufnahmen etwa automatisch zum Rechner transferieren möchte, für den ist eine solche jedoch sehr praktisch.

Eyefi geht sogar noch einen Schritt weiter: Hier können die Aufnahmen auch automatisch ins Internet zur Eyefi-Cloud gesichert werden. Abhängig vom Kartentyp sind 90 Tage oder sogar das erste Jahr kostenfrei. Dann verlangt Eyefi für den unlimitierten Speicherplatz 44,99 Euro pro Jahr oder 4,49 Euro pro Monat. Als Argument für die Nutzung liefert Eyefi Funktionen zur Bildorganisation, wie etwa eine Verschlagwortung mit.

Schließlich unterscheiden sich die Karten noch deutlich in puncto Konfigurationsmöglichkeiten und Bequemlichkeit. Toshiba etwa bietet eine spezielle Konfigurationssoftware, die sogar Programmierwilligen die Möglichkeiten gibt, über iSDIO-Kommandos selbst sehr flexibel die Karte zu konfigurieren.

Fazit: Einsatzszenario überlegen und passendes Modell wählen

Wem nun der Kopf raucht ob der vielen Möglichkeiten und Unterschiede, der geht am besten schrittweise in der Entscheidung vor. Zunächst sollte man sich anhand der folgenden Fragen das typische Einsatzszenario überlegen: In welchem Format nimmt man auf (JPEG oder RAW?)? Will man die Karte an einem Ort nutzen, wo bereits ein WLAN existiert, in das sie sich einbuchen soll, oder kommt sie vor allem irgendwo zum Einsatz, wo man keinen Zugriff auf ein bestehendes WLAN hat? Relevant ist vor allem auch, zu welchen Zielgeräten man die Bilder schicken will. Möchte man dabei alle Aufnahmen automatisch übertragen oder nur einzelne selektiv?

Je nachdem, wie die Antworten auf diese Fragen lauten, wird man sich für einen bestimmten Hersteller und Modell entscheiden: Wer JPEGs aufnimmt und wem es vor allem um die Übertragung auf ein iOS- oder Anroid-Mobilgerät unterwegs geht, für den sind alle derzeit erhältlichen Kartenmodelle geeignet. Wer das RAW-Format einsetzt und die Bilder übertragen will, für den kommen die Eyefi mobi pro sowie die Toshiba Flashair in Frage. Ist einem der selektive Zugriff auf seine Aufnahmen wichtig, bieten Toshiba, Transcend und die Eyefi-Mobi Pro diese Möglichkeit. Bei einem Mobilgerät mit Windows-Phone hilft der Browser-Zugriff, den die Toshiba Flashair-Karten bieten. Wer auch noch direkt in soziale Netze posten will, findet bei Transcend eine entsprechende Funktion oder sollte darauf achten, eine Karte mit Infrastruktur-/Internet-Modus zu wählen.

Wem es auch auf die Übertragung auf einen Computer ankommt, der muss entscheiden, ob er das Herunterladen per Software – wie es die Eyefi-Karten ermöglichen – oder per Browser – wie bei Toshiba und Transcend – vorzieht. Schließlich gilt es noch abzuwägen, ob einem ein Cloud-Service, wie ihn Eyefi bietet, wichtig ist. Generell empfehlen wir im Zweifel die Beratung und vor allem den Test bei einem kompetenten Fachhändler vor Ort. Wir werden hier in Kürze auch einen Praxisbericht veröffentlichen.

Digitalfotografie 08 / 2015

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1 Kommentare

Von Eye-Fi ist gerade ein passender CF-Karten-Adapter vorgestellt worden, der die Verwendung der hauseigenen WLAN-Speicherkarten auch in Kameras ermöglichen soll, die diesen Kartentyp benötigen.

von Petra Vogt (Fotolotsin)
03. September 2015, 11:14:33 Uhr

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