Fotospeicher im Praxistest

Canon Connect Station 100, die Pixx.io Box und zum Vergleich einen konventionellen Netzwerkspeicher (NAS) von Synology

Zum Aufbewahren und Präsentieren von digitalen Fotos kommt gerade eine neue Art an Geräten auf den Markt: spezielle Fotospeicher. Sie versprechen die bequeme Bildverwaltung, -archivierung und das Präsentieren auf verschiedenen Geräten, wie etwa dem Fernseher. Wir haben uns als erste Vertreter der neuen Gattung die Canon Connect Station 100, die Pixx.io Box und zum Vergleich einen konventionellen Netzwerkspeicher (NAS) von Synology angeschaut.

Bequemlichkeitsfaktor: Kamera auflegen, fertig!

Die meisten werden sich fragen, warum man überhaupt ein weiteres Gerät über den Computer hinaus benötigen soll. In der Tat kann man fast alles, was ein spezieller Fotospeicher leistet, auch mit einem Laptop erledigen – allerdings nicht so bequem und vor allem braucht man eben einen mobilen Rechner. Wer jedoch noch einen stationären oder gar überhaupt keinen Computer zu Hause hat und seine Bilder im Wohnzimmer anschauen möchte, für den sind die Fotospeicher potenziell interessant. Auch wer mit mehreren Personen an verschiedenen Orten auf die Bilder zugreifen möchte, für den ist eine Bilderbox bequemer als ein Computer, da sie rund um die Uhr online ist. Die Geräte sind außerdem viel kleiner und schicker als ein konventioneller PC.

Unsere Testkandidaten im Überblick: Pixx.io box (links außen), ein Synology-NAS (hinten rechts), die Canon Connect Station CS100
Unsere Testkandidaten im Überblick: Pixx.io box (links außen), ein Synology-NAS (hinten rechts),
die Canon Connect Station CS100
Als besonderen Zusatznutzen versprechen einige, wie die Canon CS100, dass man seine Kamera nur neben dem Fotospeicher ablegen muss und die Bilder automatisch drahtlos übertragen werden. Wer schon mal häufiger vergisst, seine Speicherkarte auszulesen, für den bietet die CS100 also einen Bequemlichkeitsvorteil. Die Technologie im Hintergrund ist eine Kombination aus NFC und WLAN und funktionierte in unserem Test prima, wenn auch recht langsam. Da man selbst nichts tun muss, stört das aber wenig, da man sich ja währenddessen anderen Dingen zuwenden kann. Allerdings ist die Voraussetzung, dass die eigene Kamera über ein aktives NFC-Modul verfügt und von der Connect Station unterstützt wird. Das sind erst wenige neuere Modelle von Canon, wie etwa die von uns verwendete Powershot SX710HS.

Wer noch über ein älteres Modell oder das einer anderen Marke verfügt, muss dagegen die Bilder wie gewohnt per Einlegen der Speicherkarte in den Slot an der Gerätefront ober über ein USB-Kabel übertragen. Negativ aufgefallen ist uns dabei, dass die CS100 noch über einen Kartenleser mit dem langsamen USB2.0-Standard verfügt, obwohl mittlerweile an Rechnern das schnellere USB 3.0 verbreitet ist. Für Smartphones – selbst solche mit NFC – ist als Übertragungsweg WLAN und die Bildauswahl per Browser gedacht. Das funktionierte in unserem Test jedoch recht einfach. Übrigens kann man den Browser auch zum Hochladen per Computer nutzen.

Bei den anderen Fotospeichern aus unserem Vergleichstest ist der vorgesehene Standardweg der Bildübertragung das Einlesen über den Computer. Das hat den Vorteil, dass man dort auch einen schnellen USB3.0-Kartenleser verwenden kann, aber eben auch den Nachteil, dass man einen Rechner griffbereit haben und fähig sein muss, den Netzwerkspeicher als externes Laufwerk einzubinden. Immerhin bieten die Synology-Netzwerkspeicher und die Pixx.io-Box Apps, so dass man auch über Mobilgeräte seine Bilder auch direkt hochladen kann.

Fotos verwalten: Alben, Ordner und Stichworte

Die Aufnahmen können nicht nur auf den Fotospeicher übertragen, sondern dort auch verwaltet werden. Die CS100 von Canon stellt dazu Alben bereit, die man jedoch mit der mitgelieferten Fernbedienung auf einer Bildschirmtastatur anlegen muss. Als Sortierungsmöglichkeiten bietet das Gerät eine chronologische Reihenfolge oder die Anzeige nach Aufnahmegerät an.

Connect Station Oberfläche
Eine Suchfunktion wird leider noch nicht geboten. Auch Stichworte oder der Aufnahmeort sind als Sortier- oder Suchkriterium nicht verfügbar. Hier punktet die Pixx.io-Box. Sie bringt eine leicht verständliche, aber dennoch sehr ausgefeilte Oberfläche zum Anzeigen und Sortieren von Bildern mit.

Pixx.io Medienansicht
Die Bilder werden zunächst als Vorschauen im Browser angezeigt. Klickt man darauf, kann man sie in groß anschauen. Dabei können auch Stichworte, Bewertungssterne und weitere Metadaten, wie etwa Belichtungsangaben betrachtet werden.

Pixx.io Einzelbildansicht
Eine ausgefeilte Suchfunktion ermöglicht die Stichworteingabe, so dass man gut verschlagwortete Aufnahmen sehr zielsicher finden kann. Auch kann man sehr einfach nach hoch- oder querformatigen Bildern suchen.

Ein Synology-NAS bietet eine typische Computer-Oberfläche zur Bildverwaltung und man greift darauf in der Regel auch über einen Rechner zu. Alternativ stehen Apps bereit. Das hat den Vorteil des Gewohnten, aber eben auch alle bekannten Schwierigkeiten. Wer Fotos bequemer und schicker anschauen möchte, kann sich als kostenloses Zusatzmodul die „Photo Station“ installieren. Wenn man verstanden hat, dass beim NAS jede Installation über das Modul „Paket-Zentrum “ erfolgt, geht das ganz leicht. Die Photo Station bietet dann eine ähnliche Oberfläche wie die Pixx.io-Box: Die Aufnahmen werden im Browser von Computer oder Mobilgerät als eine Art Bilderteppich – „Fotowand“ genannt – angezeigt. Per Klick öffnet sich eine Großansicht inklusive Metadaten. Auch eine Suche ist vorhanden, mit deren Hilfe man Fotos sogar nach Stichworten finden kann.

Photo Station Browseroberfläche

Speicherplatzangebot variiert

Ein deutlicher Unterschied bei den verschiedenen Speicher-Anbietern liegt im bereitgestellten Platz: Canon bietet bei der CS100 ein Terrabyte, Pixx.io verkauft Varianten mit 2 bis 30 Terrabyte. Bei Synology schließlich stehen eine ganze Reihe von Produktvarianten zur Auswahl. Die Festplattengröße ist dabei variabel, denn das Grundkonzept eines NAS wie dem von Synology ist, dass die Platten flexibel gewechselt werden können. Ein wichtiger Unterschied zwischen der Canon-Lösung und denen von Pixx.io und Synology ist außerdem, dass letztere darauf ausgelegt sind, die Daten auf mehrere Festplatten zu verteilen und untereinander Sicherungskopien zu machen (der Fachbegriff dafür lautet RAID). Im professionellen Umfeld ist das im Backup-Bereich üblich. Die Canon CS100 bietet nur die Möglichkeit des Anschlusses einer externen Festplatte. Darauf kann nur das Backup gemacht werden – den Fotospeicherplatz selbst kann man darüber nicht erweitern.

Bilder zeigen: Fernseher, Computer oder beliebiges Gerät

Fotospeicher werben jedoch nicht nur damit, die Bilder archivieren zu können, sondern auch mit der Möglichkeit, sie zu zeigen. Bei Canon ist dafür zunächst der Fernseher das Medium der Wahl. Er wird über den HDMI-Standard direkt angeschlossen. Auch zum Drucken braucht man keinen Rechner. Mit der CS100 können die Fotos direkt auf einen WLAN-Drucker (mit PICT-Standard) ausgegeben werden. Die Box kann JPEGs, Canon RAW-Dateien sowie Filme im MOV, MP4 und AVCHD-Format präsentieren. Dabei laufen die Aufnahmen ähnlich wie bei einer Diashow durch. In den Voreinstellungen kann man definieren, ob zwischen den einzelnen Bildern überblendet wird. Weitere Effekte oder gar individuelle pro Aufnahme, wie sie spezielle Diashow-Programme am PC anbieten, hat man bei der CS100 jedoch nicht zur Verfügung. Auch eine Sounduntermalung kann nur generell ein- oder ausgeschaltet werden. Dazu kommt, dass nur eine relativ geringe Auswahl von Musik vorhanden ist und diese eher den Charakter von Klingeltönen alter Handy-Modelle hat. Ein Anschluss an einen Rechner ist derzeit noch nicht vorgesehen, aber über soziale Netze oder den Browser ist es möglich, seine Bilder zu zeigen.

Dieses Konzept verfolgen auch die Pixx.io-Box und das Synology-NAS. Die Browser-Bildbetrachtung ist im Prinzip auch einfach und praktisch. Die Pixx.io-Box bringt als Vorteil mit, dass Sie nicht nur Bilder, sondern auch weitere Datenformate anzeigen und bei Bedarf sogar umwandeln kann.

Die Photo Station auf dem Synology-NAS bietet auch die Möglichkeit für Diashows. Allerdings sind auch hier die Möglichkeiten im Vergleich zu ausgefeilten Diashow-Anwendungen recht beschränkt. Immerhin sind deutlich mehr Überblendungseffekte verfügbar wie bei der Canon CS100.

Bilder einfach teilen – auch über das Internet

Ein weiteres Plus eines Fotospeichers ist, dass man darüber seine Aufnahmen auch leicht teilen kann. Hier punkten vor allem die Pixx.io-Box und das Synology NAS. Sie sind als klassische Netzwerk-Speicher darauf ausgelegt, Daten jederzeit auch über das Internet bereit zu stellen. Anders als der eigene Alltags-PC laufen sie rund um die Uhr und auch unabhängig davon, ob Sie selbst gerade Bilder anschauen. Das ist sehr praktisch, wenn Sie Familienmitgliedern in anderen Städten oder gar anderen Ländern und damit Zeitzonen ihre Bilder zeigen möchten. Als Plus bietet die Pixx.io-Box außerdem die Möglichkeit, Bilder zum Download bereit zu stellen. Dafür kann das Gerät sie sogar bei Bedarf zwischen über 150 Datenformaten konvertieren und die Größe anpassen.

Pixx.io Einzelbildansicht - Download
Damit nicht jedermann auf Ihre persönlichen Fotos zugreifen kann, müssen Sicherheitsmaßnahmen angewendet werden. Die Pixx.io-Box und das Synology-NAS verfügen dazu über ausgeklügelte Benutzerverwaltungen. Die können jedoch auch verwirren – vor allem bei den vielen Möglichkeiten von Synology sind fortgeschrittene IT-Kenntnisse wichtig. Knifflig war in unserem Praxistest außerdem, das Synology-NAS von außen zugänglich zu machen. Die dazu nötige Port-Freigabe erfordert fortgeschrittene IT-Kenntnisse. Wem das zu kompliziert ist, dem bietet Pixx.io für das Fotobereitstellen an Externe wahlweise einen hybriden Modus. Dabei werden Bilder selektiv auf die pixx.io-Cloud abgelegt und können dann von dort mit anderen geteilt werden. Das eigene Netzwerk muss in diesem Fall gar nicht für Externe geöffnet werden.

Die Canon Connect Station macht es ähnlich einfach: Bei ihr erfolgt das Teilen über das Internet und einen zwingend notwendigen Canon-Account. Von dort kann man dann seine Bilder auch an bekannte Plattformen wie Facebook, Flickr, Google oder YouTube weitergeben. Das hat den Vorteil, dass man im gewohnten Umfeld bleiben kann. Umgekehrt ist man aber auch auf einen Canon-Account und diese Dienste angewiesen. Man hat keine Möglichkeit, ein eigenes System zu nutzen, wenn man sie nicht mag. Immerhin kann man mit anderen Connect Station-Nutzern seine Bilder leicht teilen.

Fazit

Die getesteten Systeme unterscheiden sich deutlich und man kann keine generelle Empfehlung für oder gegen eines geben. Es hängt sehr stark von den eigenen Wünschen, Bedürfnissen und dem Geldbeutel ab, welches System für einen das Beste ist. Das fängt beim Preis an: Die Canon CS100 (mit 1 TB Festplatte) wird für einen Listenpreis von 199 Euro angeboten, die Pixx.io-Box beginnt ab 679 Euro (mit 2 × 1 TB Festplatten) und eine Synology-Lösung ist ab etwa 150 Euro (mit 1 Festplattenslot und Platte in Größe 1 TB) erhältlich. Der wesentliche Unterschied aber liegt in den Nutzungsmöglichkeiten: Die Canon-Lösung scheint am ehesten für alle gedacht zu sein, die vornehmlich mit den aktuellen Kameras des Herstellers fotografieren und nach einer sehr bequemen Speicher- und Präsentationsmöglichkeit für ihre Aufnahmen suchen, ohne den PC anwerfen zu müssen. Die Produkte von Synology dagegen sind eher für Technikversierte gedacht, die bereit sind für ihre Speicherlösung einigen Einrichtungsaufwand auf sich zu nehmen. Die Pixx.io-Box schließlich liegt in etwa dazwischen: Sie bietet deutlich mehr Bequemlichkeit als ein Synology-NAS, weil sie schon eine recht einfach zu bedienende, aber dennoch sehr mächtige vorinstallierte Fotoanwendung mitbringt. Durch die Unterstützung von einer großen Menge an Formaten und ausgeklügelten Möglichkeiten zum Teilen der Bilder, ist sie auch im professionellen Bereich interessant. Allerdings liegt der Einstiegpreis dafür auch etwa doppelt so hoch wie bei den beiden anderen Lösungen.

Spannend wird sein, wie sich weitere Hersteller positionieren werden. Fujifilm etwa hat auf der photokina 2014 schon Gerät namens „Wonder Photo Box“ angekündigt, das ebenfalls als Fotospeicher dienen soll. Wir sind sicher, dass dies nicht das einzige in dieser neuen Kategorie bleibt und werden berichten.

Digitalfotografie 10 / 2015

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2 Kommentare

Aha, das hört aich ja spannend, Herr Motz. Meinen Sie damit direkt vergleichbarew Geräte oder schlichte (Netzwerk-)/Festplatten? Wenn ersteres fände ich es sehr spannend, konkrete Gerätenamen zu hören, denn ich kenne nicht mehr vergleichbare. Wenn letzteres: Das ist dann in meinen Augen so als wenn man eine DSLR mit einer Kompakten vergleicht. Klar gibt es Leute, die die Zusatzfeatures nicht brauchen, aber für andere können sie eine riesige Erleichterung sein.

von Petra Vogt (Fotolotsin)
07. Oktober 2015, 21:05:44 Uhr

Finde ich ziemlich teuer. Heute gibt es Fotospeicher unter 100 Euro mit 2 TB mit guter Qualität, die selbst Profis benutzen. Teilweise braucht man den unnötigen Firlefanz auch nicht, der noch geboten wird.

von Detlev Motz
07. Oktober 2015, 11:17:37 Uhr

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