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Bildarchivierung gewusst wie

Weg von Ordnern hin zur Bildverwaltung

Bildverwaltung - Bilderordner

Selbst wer nur vergleichweise wenig fotografiert, kommt schnell auf mehrere hundert oder gar tausend Aufnahmen im Jahr. Wer diese unsortiert in den „Bilder“-Ordner auf die Festplatte kopiert, verliert sehr schnell den Überblick und muss immer mehr Zeit für die Bildersuche aufbringen. Bildarchivierung gehört zur Fotografie wie das Auslösen. Es gibt bequemere und ebenso kostenlose Möglichkeiten für die Bildverwaltung. Neu ist dabei die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz (KI) eines der Trendthemen der photokina 2018, der weltweiten Leitmesse der Imaging-Branche im Herbst in Köln.

Ordnung im Bilderchaos spart u.a. wertvolle Zeit

Mit Fotos geht es Vielen wie mit der Nadel im Heuhaufen oder dem Lippenstift in der Damenhandtasche: Die Suche kann extrem aufwändig sein. Das ist schade, denn Spaß machen Aufnahmen ja vor allem, wenn man sie betrachten und herumzeigen kann. Es gilt eine Lanze zu brechen für mehr Ordnung im Bilderchaos. Der Königsweg dafür sind spezielle Bildverwaltungsprogramme. Sie unterstützen beim Sortieren und Suchen durch viele Funktionen und viele bieten als Sahnehäubchen noch Möglichkeiten zur Bildbearbeitung. Ein weiteres Plus ist der Trend zu einer weiteren Vereinfachung durch Künstliche Intelligenz (KI). Es besteht also Hoffnung für alle, die sich nicht selbst um Ordnung kümmern möchten. Man darf gespannt sein, welche Neuerungen auf der photokina 2018 vorgestellt werden.

Der einfache Einstieg in Bildverwaltungsprogramme

Wer noch nie mit einem Bildverwaltungsprogramm gearbeitet hat, muss keine Angst davor haben. Der Einstieg ist recht einfach, denn das Grundprinzip ist eigentlich immer das gleiche: Die Programme zeigen alle Aufnahmen meist in Miniaturen in einer Rasteransicht und bieten verschiedene Such- und Sortiermöglichkeiten. Der erste Vorteil liegt genau darin, dass man alle Aufnahmen in einer Oberfläche vereinen und durchsuchen kann.

Bildverwaltung - Ordnerstruktur

So werden auch Bilder aus der Cloud, wie etwa bei Dropbox, oder solche im „Download“-Ordner, die einem andere zugeschickt haben, schnell visuell auffindbar. Manchmal muss man zunächst die gewünschten Ordner „importieren“, d.h. dem Programm bekannt machen, wo man überall Fotos abgelegt hat.

Plus von Bildverwaltungsprogrammen

Der zweite große Vorteil ist die flexible Durchsuchbarkeit nach verschiedensten Kriterien. Das Plus von Bildverwaltungsprogrammen gegenüber der normalen Ordnerstruktur ist, dass sie weitere Informationen zum Bild speichern und nutzbar machen. Dazu gehören zunächst die in den Fotos gespeicherten Metadaten (EXIF). Darin sind etwa Kamera- und Objektivtyp sowie die Blende und Belichtungszeit notiert. Bildverwaltungspgrogramme lesen diese Daten in der Regel automatisch aus und bieten all diese Metadaten zur bequemen Sortierung und zur Suche an. So findet man sehr schnell alle Aufnahmen, die mit einer bestimmten Kamera gemacht wurden oder kann bei Hochzeitsfotos nach den verschiedenen Fotografen sortieren lassen ohne sich mit Ordnern herumschlagen zu müssen. Außerdem kann man seine Fotos um Stichworte wie etwa „Hochzeit“, „Urlaub Sardinien“ oder Geodaten anreichern. Mittlerweile geht der Trend dahin, dass die Bildverwaltungsprogramme dank Künstlicher Intelligenz selbstständig Stichworte vergeben und zu den Fotos speichern. Auch erkennen sie bereits jetzt selbständig, ob Personen abgebildet sind.

Bildverwaltung - Anzeigeergebnisse

Wer sein Programm mit den Namen der Abgebildeten füttert und es ein wenig trainiert, kann erreichen, dass es selbsttätig alle Aufnahmen nach bekannten Personen durchforstet und gezielt Sammlungen von Personen-Fotos anbietet. Mittlerweile funktioniert dies recht gut und zuverlässig. All diese Zusatz-Informationen legt das Programm in der Regel in einer Art internen Datenspeicher ab, so dass man damit rechnen muss, dass eine Bildverwaltungs-Software einiges an Plattenplatz auf dem Rechner kostet. Meist kann dieser „Katalog“ aber auch auf einem externen Datenspeicher abgelegt werden, so dass dies selbst für Laptop-Benutzer mit kleiner Festplatte kein Problem darstellt.

Mehrwert Bildbearbeitung

Ein weiterer Vorteil von Bildverwaltungsprogrammen ist, dass sie meist auch noch Möglichkeiten zur Bildbearbeitung enthalten. Diese sind häufig nicht so ausgefeilt wie bei speziellen Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, aber dafür umgekehrt in der Regel deutlich einfacher zu bedienen. Auch werden die Änderungen unabhängig vom Bild gespeichert. Man nennt das „non-destruktive Bildbearbeitung“. Sie ist sehr nützlich und platzsparend, wenn man in die Bildbearbeitung einsteigt oder sie sehr intensiv nutzt.

Bildverwaltungsprogramme herunterladen

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, wird sich fragen, was ein entsprechendes Programm kostet und wo man es bekommt. Am einfachsten und preiswertesten sind bereits beim Betriebssystem mitgelieferte Apps: Bei Windows wird ab Version 10 eine bereitgestellt, die über die Eingabe des Begriffs „Fotos“ (oder „Photos“) im Suchfeld am unteren Bildschirmrand aufgerufen werden kann. Die App hat bereits Künstliche Intelligenz zur automatischen Stichwort-Vergabe integriert, so dass man selbst keine Stichworte vergeben muss. Allerdings funktionierte sie in unserem Test noch nicht ganz zuverlässig – von einer Reihe von Hunden- und Katzen-Bildern etwa fand das Programm nicht die vollständige Anzahl. Allerdings erkannte es zielsicher immerhin mindestens eines und vergab automatisch auch das Stichwort „Tier“. Damit findet man dann auch sowohl Katzen als auch Hunde. Nützlich ist auch, dass man anhand von Fotos der Kontakte im Adressbuch über eine rein visuelle Suche weitere Aufnahmen der Person suchen kann. Außerdem kann man mit der App leichte Bildbearbeitungen vornehmen und sogar Fotos automatisch zu einem Video zusammenstellen lassen.

Auch beim Mac wird eine App namens „Fotos“ mitgeliefert. Sie kann sogar Gesichter wiedererkennen und lässt sich sehr gut mit Mobilgeräten aus dem Apple Universum kombinieren. Fortgeschrittene Funktionen wie etwa die Suche nach Metadaten wie einer bestimmten Blende bieten die Basis-Programme nicht.

Wer ein Mehr an Funktionalität haben möchte, der findet bei den OpenSource-Programmen „Darktable“ und „digiKam“ kostenlose Versionen mit vielen Möglichkeiten. Sie sind übrigens auch für Linux verfügbar. Überdies sind umfangreiche Bildbearbeitungs-Funktionen enthalten. Bei professionellen Fotografen sehr verbreitet ist Adobe Lightroom, das sowohl in einer Kauf- als auch in einer Mietversion erhältlich ist. Es hat den Vorteil gegenüber anderen, das es eine direkte Integration mit Photoshop bietet sowie umfangreiche non-destruktive Bildbearbeitungsmöglichkeiten enthält und auch Diashows sowie Fotobücher erstellen hilft.

Das Mindeste: Klare Struktur mit Unterordnern

Wer sich (noch) nicht dazu entschließen kann, ein zusätzliches Programm einzusetzen, der sollte zumindest Ordnung in seine Ordner bringen. Ob das noch nötig ist, wenn man ein Bildverwaltungsprogramm einsetzt, ist umstritten. Experten empfehlen es, da man sich dann nicht völlig abhängig von einem Verwaltungsprogramm macht. Gerne leidenschaftlich diskutiert wird auch, wie die optimale Ordnerstruktur aussehen sollte. Dies ist gewiss auch abhängig vom Umfang der eigenen Fotobestände. Wir empfehlen jedoch selbst weniger ambitionierten Hobby-Fotografen mindestens die Ablage in separate Unterordner nach Ereignissen und Datum. Am einfachsten ist es, wenn man möglichst zeitnah nach dem Fotografieren die Bilder auf den Rechner kopiert. Dann benötigt es wenig Zeit, man kann sich noch gut erinnern und die Bilder sind sicher, denn eine Speicherkarte kann auch mal kaputt oder verloren gehen.

Ordner nach klarem Schema strukturieren

Wichtig ist es, neue Ordner nach einem klaren, einheitlichen Schema zu benennen, das vom Computer sortiert werden kann. Gerne vergessen wird, dass der Rechenknecht zwar fleißig, aber dumm ist. Wenn man einen Bilderordner mal „Jan18_GeburtstagMarie“ und mal „Hochzeit_Jan_und_Lisa_Maerz2018“ nennt, dann wird es nicht gelingen, die Ordner thematisch sortiert richtig anzuzeigen. Es empfiehlt sich daher ein klares Schema, in dem man z.B. zuerst das Datum (Jahr_Monat_Tag) und dann den Anlass bzw. das fotografierte Motiv benennt, also z.B. „2018_03_17_Hochzeit_Jan_und_Lisa“. Mittlerweile können auch alle aktuellen Betriebssysteme mit Leerzeichen gut umgehen. Wer seine Ordner jedoch mal auf ältere Server umkopiert, für den bewährt sich eine Benennung mit Binde- oder Unterstrichen. Wer häufig zu bestimmten Themengebieten wie etwa „Familienfeste“, „Reisen“ oder „Porträts“ fotografiert, dem helfen entsprechende Sammelordner. Wer sich an Daten gut erinnern kann, für den können sich Jahres-Sammelordner bewähren. Eine zu tief gestaffelte Ordnerstruktur wird aber eher unübersichtlich.

Fazit: Ordnung muss sein

Egal, ob man auf die modernen Bildverwaltungsmöglichkeiten setzt oder die guten alten Ordner: Wir empfehlen dringend, das eine oder andere konsequent einzusetzen, denn sonst geht es einem ganz schnell so, dass bestimmte Bilder schlichtweg verloren sind, weil man sie in der Fülle einfach nicht wiederfindet.

Digitalfotografie 05 / 2018

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