Gibt es eigentlich einen JPEG-Nachfolger? - Das beliebte JPEG Bildformat im Zukunfts-Check

Bildformate JPEG, HEIF / HEIC, BPG im Überblick

JP(E)G – Diese drei bzw. vier Buchstaben sind wohl jedem Fotografen bekannt. In zahlreichen Kameras als Standard-Option voreingestellt, stößt jeder früher oder später auf dieses weit verbreitete Bildformat. Doch das beliebte über 25 Jahre alte JPEG-Bildformat hat auch einige Nachteile, weshalb es immer wieder Vorstöße gibt, es abzulösen. Ein Beispiel hierfür ist das kürzlich eingeführte Bilddatenformat HEIF.

© Fotograf: Elmar Paul Sommer, im Columbarium St. Donatus, Aachen, Blende-Fotowettbewerb
Elmar Paul Sommer, im Columbarium St. Donatus, Aachen, Blende-Fotowettbewerb

Wer bei JPEG an ein bestimmtes Bildformat denkt, der wird sich vielleicht wundern zu erfahren, dass es sich eigentlich um eine Norm handelt, die nicht nur ein einziges, sondern gleich mehrere Verfahren zur Verkleinerung (die Fachleute sprechen von „Kompression“) von Bildern bündelt. Schon mehr als 25 Jahre – genauer gesagt seit 1992 – begleitet diese Norm Fotografen. Wer seine Bilder als .jpeg abspeichert, gehört damit einer großen Masse an, die das JPEG File Interchange Format (kurz JFIF) benutzt, das der JPEG Norm unterliegt. Und dieses hat sich sicherlich aus gutem Grund zu dem mit Abstand beliebtesten Bildformat für Fotos entwickelt. Es bietet Nutzern die praktische Möglichkeit, ihre Bilder nach der Aufnahme komprimiert abzuspeichern. Der gesparte Platz macht nicht nur in punkto Speicherplatz auf der Festplatte einen Unterschied, sondern die geringere Datenmenge wirkt sich auch positiv auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei weniger leistungsfähigen Computern aus. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass eigentlich jedes Programm, das Bilder verarbeiten kann, auch JPEGs anzeigt. Es ist daher das ideale Datenformat zum Austausch.

Dennoch ist das JPEG-Format nicht unfehlbar und bietet Ansatzmöglichkeiten zur Verbesserung. Der wichtigste Kritikpunkt ist die Komprimierung. JPEG arbeitet mit einer verlustbehafteten Methode, die – grob vereinfachend gesagt – gleichfarbige Flächen zu einem Farbwert zusammenfasst. Bei starker Komprimierung werden auch ähnlichfarbige Werte zusammengefasst. Dadurch kann es vor allem beim Übergang von Farben zu harten Kanten und einer sichtbaren „Treppchenbildung“ kommen. Hinzu kommt, dass diese Reduzierung nicht umkehrbar ist, also man die Ausgangs-Daten nicht wieder herstellen kann. Daher spricht man in Bezug von JPEGS von einer „verlustbehafteten“ Komprimierung. Es gilt daher abzuwägen, ob Größe oder Qualität wichtiger sind. Um das Problem des Qualitätsverlustes trotz Komprimierung zu beheben, haben in den vergangenen Jahren verschiedene Hersteller ihre möglichen JPEG-Nachfolger präsentiert.

© Fotograf: Sebastian Schwarz, School's out, Blende-Fotowettbewerb
Sebastian Schwarz, School’s out, Blende-Fotowettbewerb

HEIF / HEIC – Der erfolgsversprechende Kandidat

Das Format HEIF ist in jedem Fall denjenigen bekannt, die mit einem Apple-Gerät wie dem iPhone fotografieren. Dort liest sich in den Einstellungen das „High Efficiency-Format“, was mit HEIC oder HEIF abgekürzt wird. Technisch steht dahinter ein Format, das sogar noch bessere Kompressions-Raten bietet als JPEG und bereits im Jahr 2000 in seiner Ur-Form von der Moving Pictures Experts Group (MPEG) vorgestellt wurde. Weitere Infos dazu hier. Durch die Container-Struktur lassen sich im HEIF-Format, was auf .heic endet, nicht nur Bilder sondern auch animierte Sequenzen speichern, wie beispielsweise ein GIF oder die beliebten Live-Photos, bei denen während der Aufnahme des Bildes auch ein kurzes Video gespeichert wird. Von HEIF gibt es auch eine verlustfreie Variante, so dass trotz geringerer Größe nicht die jpeg-typischen Artefakte auftreten. Der größte Vorteil ist jedoch, dass Heif Meta-Daten wie Transparenz, Belichtungsstufen etc. speichert, sodass die Bildbearbeitung, ähnlich wie bei RAW, einen größeren Spielraum bietet.

War die Verwendung des Formates zunächst hauptsächlich bei Nutzern von neueren Apple-Geräten verbreitet, ermöglicht mittlerweile auch Windows unter seinem Betriebssystem Win10 die nahtlose Verarbeitung von Bildern im HEIF-Format. Auch Adobe ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und unterstützt HEIF schon in seiner Bildverwaltung Lightroom. Damit sind die Weichen für eine gute Prognose gestellt.

JPEG 2000 – unbekannt mit Qualitäten

JPEG 2000 dürfte den meisten wohl unbekannt sein. Kein Wunder, denn der angebliche „Nachfolger“ des JPEG-Formates hat sich bisher nie richtig durchgesetzt. Dabei bietet er eine Vielzahl an Optimierungen darunter sowohl bessere Kompressionsraten als auch die Möglichkeit deutlich größere Bilder (>64.000×64.000 Pixel) aufzunehmen. Jedoch wurde das Format von Kameraherstellern und Programmen lange Zeit nicht implementiert und erforderte zudem eine höhere Rechenleistung als das bekannte JPEG – im Jahr 2000 war dies noch ein maßgeblicher Faktor. Ob JPEG 2000 nun, 18 Jahre später, noch an seinem Vorgänger JPEG vorbeiziehen wird gilt in Fachkreisen als fraglich.

© Fotograf: Monika Egerer, Farb-Geschindigkeit, Blende-Fotowettbewerb
Monika Egerer, Farb-Geschindigkeit, Blende-Fotowettbewerb

BPG – Better Portable Graphics

In die Aufzählung von Abkürzungen der Aspiranten zur JPEG-Nachfolge reiht sich auch BPG ein, was für Better Portable Graphics steht und vor allem für Fotografen interessant sein könnte, die ihre Bilder gerne im Internet teilen. Entwickelt von Fabrice Bellard war hierbei die Idee, Bilder auch bei starker Komprimierung (also für das Web kleingerechnet) noch qualitativ hochwertig aussehen zu lassen und über eine Java-Script-Implementierung mit allen Browsern kompatibel zu machen. Technisch steht hinter dem Format das Verwenden des High Efficiency Video-Standards HEVC. Allerdings stellt sich wie beim JPEG2000 die Frage, weshalb sich das Format in der Vergangenheit nicht durchsetzen konnte. Ein möglicher Grund könnte sein, dass es deutlich schwieriger ist, Dateien als BPG herzustellen und somit viele lieber zum bewährten JPEG greifen und Artefakte in Kauf nehmen.

Fazit: JPEG bleibt erst mal vorne

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es bereits in der Vergangenheit einige Formate gab, die gegenüber JPEG verschiedene Vorteile boten. Dass sie sich nicht durchsetzen konnten, spricht wiederum für die weite Verbreitung von JPEG als Standard und die Schwierigkeiten, die ein Hersteller hat, wenn er außerhalb des gängigen „Imaging Ökosystems“ ein neues Format implementieren möchte. Das Verfahren HEIF könnte dies aufgrund der massiven Unterstützung durch Apple einfacher haben.

„Blende“ – Der generationsübergreifende Fotowettbewerb für Fotobegeisterte jeden Alters

„Blende“, ist der Wettbewerb für Fotobegeisterte aller Altersgruppen. Seit Jahrzehnten ist „Blende“ ein Trendbarometer für den Stand der Fotografie und damit ein wichtiges Zeitdokument. Die jährliche Gemeinschaftsaktion von Tageszeitungen und der Prophoto GmbH begeistert Teilnehmer, Veranstalter und Bildgenießer gleichermaßen.

„Blende“ bietet allen Amateurfotografen ein Forum und die große Chance, ihre Schaffenskraft zum Besten zu geben. „Blende“ schärft mit seinen jährlich wechselnden thematischen Vorgaben die Sinne. Die eingereichten Wettbewerbsbeiträge, zu „Blende 2017“ gingen über 80.000 Fotografien ein, sind allesamt fotografisch konservierte Augeneindrücke, die durch die Teilnahme an „Blende“ den Raum der privaten Betrachtung verlassen und den öffentlichen Schauplatz betreten.

„Blende“-Teilnehmer sind mit ihren eingereichten Wettbewerbsbeiträgen nicht nur wichtige Botschafter für die Fotografie. Sie treten den Beweis an, wie lohnenswert es ist, die Welt in der man sich aufhält aktiv wahrzunehmen.

Weitere Informationen zu „Blende“: https://www.prophoto-online.de/fotowettbewerb-blende

Digitalfotografie 09 / 2018

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