Kamerahistogramm: Wertvolles Analysetool - Alles im Blick

Das Histogramm, heute in allen Kameramodellen als Feature integriert, ist ein wertvolles Analysetool, insbesondere für Landschaftsfotografen, die in der Regel mit höheren Kontrastumfängen zurechtkommen müssen. Wertvolle Schlüsse aus den Angaben des Histogramms zu ziehen ist gar nicht so schwer und dementsprechend ist die Interpretation ein Kinderspiel. Jeder Fotobegeisterte sollte sich also lieber früher als später mit dem Histogramm auseinandersetzen – ein toller Mehrwert auf dem Weg zum persönlichen Bilderfolg.

Histogramm - Tonwerte

Warum gibt es das Histogramm

Unsere Augen sind, trotz aller technischen Innovationen, den Kameras haushoch überlegen. In der Regel kann das Auge einen Dynamikumfang von um die 20 Blendenstufen wahrnehmen. Immer mehr Kameramodelle schaffen 12 Blendenstufen – auch schon eine tolle Leistung – aber bei kontrastreichen Motiven nicht genug, denn es geht Zeichnung verloren. Wird dann auch noch im JPEG-Bildformat fotografiert, reduziert sich der Dynamikumfang auf 8 Blendenstufen. Dies ist übrigens der Grund dafür, warum immer empfohlen wird, im RAW-Format zu fotografieren. Immer mehr Kameras bieten übrigens die Option, die Bilddaten sowohl im JPEG- als auch im RAW-Format zu sichern. Da Speicherplatz heute nahezu nichts kostet, sollte man sich dafür entscheiden und hält sich somit alles offen. Es gibt natürlich Motive bei denen man selbst mit dem RAW-Format aufgrund des immensen Dynamikumfangs an die Grenzen des Machbaren stößt. In dem Fall helfen ein Grauverlaufsfilter oder eine Belichtungsreihe (HDR) weiter. Manchmal – denken wir an Silhouetten – ist in den dunklen Bereichen auch keine Zeichnung erwünscht, würde diese die Gesamtkomposition zunichtemachen.

Zurück zum Dynamikumfang: Wenn dieser größer ausfällt als er von der Kamera verarbeitet werden kann, so hat das zur Folge, dass die zum Beispiel im Sonnenlicht liegenden Motivbereiche verblassen und keinerlei Zeichnung aufweisen – Das macht eine Aufnahme wenig attraktiv. Um als Fotograf in Erfahrung zu bringen, wie gut die Kamera mit Motivkontrasten zurechtkommt und inwieweit man in den hellen und dunklen Bildbereichen noch mit Zeichnung rechnen kann, dafür gibt es das Histogramm.

Pixelgebirge

Das Histogramm ist nichts anderes als die graphische Beschreibung der Verteilung der Pixel eines Bildes auf die verschiedenen Tonwerte. Auf der horizontalen Achse werden auf einer Skala von 0 bis 255 die Tonwerte entsprechend ihrer Helligkeit aufgetragen, wobei 0 schwarz und 255 Weiß entspricht. Die Höhe auf der vertikalen Achse repräsentiert die Anzahl der Pixel mit den jeweiligen Tonwerten. Entsprechend ergibt sich für dunkle Bilder ein Histogramm mit hohen „Gipfeln“ auf der linken Seite des Diagramms, helle Bilder haben den Schwerpunkt ihrer Tonwerte im rechten Teil des Histogramms. Je nach Helligkeitsverteilung sind natürlich alle Zwischenstufen möglich.

Histogramm - Tonwerte

Wird das „Gebirge“ auf einer Seite abgeschnitten, so bedeutet dies, dass entweder im dunklen oder im hellen Bereich der Aufnahme keine differenzierbaren Tonwerte mehr zu finden sind. Die entsprechenden Flächen sind entweder weiß (rechts angeschnittenes Histogramm) oder schwarz (links angeschnittenes Histogramm). „Clipping“ – zu Deutsch abschneiden – lautet der entsprechende Fachbegriff. Ausgewogen belichtete Bilder liefern ein Histogramm, das an beiden Seiten bis auf die horizontale Achse herunterreicht. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass sowohl die dunkelsten, als auch die hellsten Stellen des Bildes noch Zeichnung aufweisen. Solche Aufnahmen sind ideales Ausgangsmaterial, um nachträglich eine Feinanpassung der Gesamthelligkeit vorzunehmen.

Farbtiefe

Der Begriff „Farbtiefe“ spielt beim Verständnis von Histogrammen eine wichtige Rolle. Die Farbtiefe hat entscheidende Folgen für die Weiterbearbeitung der Bilder, bestimmt die Anzahl der darstellbaren Farbabstufungen und beschreibt somit das Auflösungsvermögen einer Kamera, eines Scanners oder eines Monitors für die Tonwerte in den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau. Je höher die Farbtiefe ist, umso mehr Abstufungen beziehungsweise Tonwerte lassen sich differenzieren.

Die Farbtiefe wird üblicherweise in Bit angegeben. 8 Bit pro Farbkanal je RGB-Farbkanal ist Standard, wenn Kameras die Aufnahmen im komprimierten JPEG-Format aufzeichnet. Nutzt man das RAW-Format, so steht in der Regel eine Farbtiefe von meist 12, immer häufiger auch von 14 oder gar 16 Bit pro Kanal zur Verfügung. Lädt man diese Daten in das Bildbearbeitungsprogramm, so werden alle Aufnahmen, die mit höherer Farbtiefe als 8 Bit vorliegen, automatisch im 16 Bit-Modus geöffnet, was allerdings keinen Einfluss auf die tatsächliche Farbtiefe hat.

RAW – Darfs mehr sein

Werden die Bilder im RAW-Modus mit 12 Bit Farbtiefe aufgezeichnet, bedeutet das, dass pro Kanal 212 und damit 4.096 Tonwerte dargestellt werden können, was im RGB-Farbraum 4.096 × 4.096 × 4.096 = 68,7 Millionen Farbtöne ergibt – im Gegensatz zu den „nur“ etwa 16,8 Millionen bei 8 Bit Farbtiefe. Gegenüber den 8 Bit des aufgrund der geringen Dateigrößen und der unkomplizierten Handhabung beliebten JPEG-Formates, ist somit – auch ungeachtet der mit JPEG einhergehenden Verluste aufgrund der Datenkompression – eine bedeutend präzisere Differenzierung der Farbtöne möglich, was sich beispielsweise in einer besseren Durchzeichnung dunkler und ganz heller Bildpartien zeigt. Wo im JPEG-Bild in den Schatten lediglich schwarze Flächen und in den Lichtern nur strukturlose, reinweiße Bereiche zu sehen sind, lassen sich RAW-Bildern oft noch erstaunlich viele Details entlocken.

Digitalfotografie 08 / 2017

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