Die Wahl der optimalen Auflösung für den Scan

Kreuzung Ring - Hamburger Straße Bildgalerie betrachten

Blende ,“Kreuzung Ring –
Hamburger Straße”
Katharina Maertsch

In der Fachliteratur, aber auch in Handbüchern von Scannern, tauchen Formeln zur Ermittlung der optimalen Scanauflösung auf, die so manchen Anwender verwirren und zur Nichtbeachtung veranlassen. Wichtig ist, die Scheu abzulegen, denn manches wirkt schwieriger, als es eigentlich ist. Die optische und physikalische Auflösung eines Scanners ist horizontal durch die Anzahl der Sensoren aus der CCD-Zeile und vertikal durch den Zeilenvorschub der beweglichen CCD definiert. Wird in der optischen Auflösung gescannt, so werden die physikalischen Eigenschaften des Scanners optimal genutzt. Die optische Auflösung ist der interpolierten in jedem Fall vorzuziehen, denn es sollte nicht der Scannersoftware überlassen werden, Pixel hinzu- oder herauszurechnen. Da die Scanauflösung nicht automatisch der Bildauflösung entsprechen muß, ist es ratsam, in einer für den Scanner optimalen Auflösung zu scannen und die Bildauflösung erst anschließend, beispielsweise mit der Bildbearbeitungssoftware Photoshop, auf das notwendige Maß umzurechnen. Reduziert man mit Photoshop die Auflösung, so sorgt die bikubische Interpolation - ein spezielles mathematisches Interpolationsverfahren - dafür, daß die wegfallenden Pixel eine „Spur“ bei den verbleibenden hinterlassen und nicht verlorengehen.

Entscheidend ist das Wissen, daß die zu wählende Scanauflösung vom Verwendungszweck des Scans abhängt. Benötigt man gescannte Photos beispielsweise für eine Powerpoint-Präsentation, so müssen sie in einer Auflösung von 72 dpi vorliegen, da dies die Standardauflösung von Monitoren ist. Eine höhere Auflösung würde nur unnötig große Bilddateien erzeugen und die Ladezeit der Präsentation enorm verlangsamen. Anders verhält es sich, wenn die gescannten Aufnahmen zu Papier gebracht werden. Kommt ein Photodrucker zum Einsatz, so empfiehlt sich eine Bildauflösung von 300 dpi bei der endgültigen Größe für den Ausdruck. Wird hingegen der Scan über eine Druckmaschine ausgegeben, so sind zwei Faktoren zu berücksichtigen: die für den Druck vorgesehene Rasterweite und die Beschaffenheit des Bildmotivs. Das A und O für optimale Ergebnisse ist, schon zu Beginn die Auflösung festzulegen, um die Bildbearbeitung durch zu große Datenmengen nicht zu verlangsamen. Noch vor dem Scannen ist es also wichtig, die Bildabmessungen im gedruckten Werk festzulegen, denn erst dann weiß man, welche Scanauflösung benötigt wird. Oftmals werden bestehende Layouts nachträglich geändert und beispielsweise Bilder größer dargestellt - dies hat eine Reduzierung der tatsächlichen Ausgabeauflösung zur Folge, die Qualität des Druckwerkes ist nicht mehr gewährleistet.

Nach der Definition bezeichnet die Rasterweite die Anzahl nebeneinander liegender Rasterpunkte pro Längeneinheit. Von Rasterweite in Linien pro Zentimeter sprechen Druck- und Lithofachleute, während DTPler die Rasterweite in lpi - lines per inch - angeben. Betrachtet man Photographien in Tageszeitungen, so weisen die Aufnahmen, aufgrund des groben Rasters der Tageszeitung, weniger Einzelheiten auf als ein identisches Bild in einem Hochglanzmagazin. Eine Faustregel besagt, daß eine Bilddatei für eine gute Wiedergabequalität im Druck doppelt so viele Pixel pro Längeneinheit haben sollte wie das gedruckte Bild Rasterlinien. In der Praxis bedeutet dies, daß bei einem Raster von 150 lpi eine Bildauflösung bei Halbtonvorlagen von 300 dpi zu optimalen Ergebnissen führt. Empfohlen werden, wegen der Anpassung an das metrische System, 254 dpi, weil diese genau 100 Punkten pro Zentimeter entsprechen.

Entscheidend für die Wahl der Scanauflösung ist auch die Beschaffenheit der Scanvorlage. In der Literatur findet man eine grobe Einteilung in drei Kategorien. Als Diffuse Motive werden jene ohne feine Bilddetails bezeichnet. Die Scanauflösungen im Verhältnis zur Rasterweite kann bei einem Faktor 1,4 und darunter gewählt werden. Ein Faktor unter 1,0 ist nicht ratsam, da die Bilder sonst unscharf und pixelig werden. Für photorealistische Motive, also Photographien, wird ein Verhältnisfaktor von 1,4 bis 1,5 empfohlen, bei Photoshop als „Mittel“ angegeben. Strichzeichnungen wie Texte und Logos sollten mit 800 dpi und mehr gescannt werden, um Pixelstrukturen an den Rändern zu vermeiden.

Um ein und dieselbe Vorlage nicht für unterschiedliche Anwendungen mehrfach scannen zu müssen, empfiehlt es sich, die Vorlage einmal hochauflösend zu digitalisieren und dann entsprechend herunterzurechnen. Diese Vorgehensweise setzt viel Speicherplatz voraus, schont aber auf längere Sicht die Vorlage. Gerade bei Dias kann wiederholtes Scannen zu Qualitätsverlusten führen, die so vermieden werden können.
 

Digitalfotografie 03 / 2006

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